Beinahe-Katastrophe über den Wolken

Germanwings-Piloten bewusstlos im Cockpit?

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Hielt Germanwings wichtige Informationen zurück?

Berlin/Hamburg - Bei der Lufthansa-Tochter Germanwings hat es nach Medienberichten einen möglicherweise gefährlichen Zwischenfall mit Gasen im Cockpit gegeben.

Nur knapp sind 149 Passagiere eines Airbus-Flugs im Dezember 2010 einer Katastrophe entkommen: Beide Piloten hatten beim Landeanflug auf Köln beinahe das Bewusstsein verloren. Das geht aus einem Bericht der Bundesstelle für Fluguntersuchungen (BFU) hervor. Demnach bemerkten die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings einen „außergewöhnlichen Geruch“ und „eine deutliche Beeinträchtigung ihres körperlichen und kognitiven Leistungsvermögens“.

Sie hätten ihre Sauerstoffmasken aufgesetzt und „Luftnotlage“ erklärt, hieß es. Beide hätten ihre Verfassung kurz vor der Landung „als surrealistisch und wie in einem Traum“ beschrieben. Der 26-jährige Copilot sei nicht mehr in der Lage gewesen, seiner Funktion im Cockpit uneingeschränkt nachzukommen. Der 35-jährige Flugkapitän habe den aus Wien kommenden Airbus 319 dennoch sicher gelandet. Beide Piloten hätten sich in medizinische Behandlung begeben. Die Passagiere hätten nichts von dem Geschehen mitbekommen.

Das Radioprogramm „NDR Info“ und die Tageszeitung „Die Welt“ berichteten, die Fluglinie habe der BFU zunächst wichtige Informationen zu dem Zwischenfall vorenthalten. Erst nachdem die Behörde Ende 2011 weitere Informationen erhalten hätte, habe sie die Untersuchung mit gut einjähriger Verspätung aufgenommen und nun einen Zwischenbericht erstellt.

„Die Sinne schwanden“

Dem BFU-Zwischenbericht zufolge nahmen die Flugzeugführer einen „seltsamen, stark ausgeprägten, unangenehmen Geruch war - eine Mischung aus verbrannt und elektrisch Riechendem“. Der Copilot habe gesagt, ihm sei „kotzübel“. Als sich seine Arme und Beine taub anfühlten und er den Eindruck gehabt hätte, nicht mehr klar denken zu können, habe er die Sauerstoffmaske aufgesetzt. Auch der Pilot habe ein starkes Kribbeln gespürt. Gleichzeitig habe er bemerkt, wie ihm „im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwanden“. Sein Gesichtsfeld habe sich „nahezu schlagartig“ eingeschränkt (Tunnelblick) und er habe ein starkes Schwindelgefühl verspürt. Auch er habe die Sauerstoffmaske aufgesetzt.

Der Zustand des Co-Piloten habe sich sogar verschlechtert. „Er konnte sich nur noch mit Mühe auf einzelne Aspekte des ablaufenden Geschehens konzentrieren und spürte, dass er die anfallenden Informationen nicht mehr verarbeiten konnte“, heißt es in dem Zwischenbericht. Auch der Kapitän „war am Ende seiner Leistungsfähigkeit angekommen“. Während des gesamten Anfluges habe er sich körperlich sehr schlecht gefühlt.

Die letzten zwei Minuten seien dem Co-Piloten „wie eine Ewigkeit“ vorgekommen. Er habe nur noch gehofft, „dass es eine erfolgreiche Landung werden würde“ und habe sich nicht mehr in der Lage gefühlt, aktiven Einfluss auf den weiteren Ablauf nehmen zu können. Beim Co-Piloten habe eine Blutanalyse zwei auffällige Werte „im Bereich der klinischen Chemie“ ergeben. Er sei nach dem Ereignis für über sechs Monate flugdienstuntauglich gewesen.

Keine Vergiftungserscheinungen der Crew

Das Luftfahrtunternehmen habe das Ereignis am 20. Dezember 2010 an die BFU und das Luftfahrt-Bundesamt gemeldet. Danach habe die BFU die Mitteilung bekommen, dass die Technik den Geruch auf Enteisungsflüssigkeit zurückführen würde. Die betroffene Crew weise keine Vergiftungserscheinungen auf. Damit sei der Fall als nicht weiter zu untersuchend befunden worden. Ein Jahr danach hätten die BFU weitere Informationen zum Anflug erreicht, die zur Einleitung einer Untersuchung geführt hätten.

Germanwings-Sprecher Heinz-Joachim Schöttes sagte „NDR Info“ und der „Welt“, der Co-Pilot habe sich lediglich „unwohl“ gefühlt. Der Kapitän sei nicht „schwer beeinträchtigt“ gewesen und habe „nach dem Zwischenfall seine Arbeit weitergeführt.“

Das Thema sollte am Freitag auch im Bundestag debattiert werden. Sowohl die SPD-Fraktion als auch die Fraktion Die Grünen hatten Anträge vorgelegt, in denen auf die Gefahr für Besatzung und Reisende verwiesen wird. Die Bundesregierung wird aufgefordert, darauf einzuwirken, dass die Flugzeugindustrie Alternativen zu den gegenwärtig verwendeten Luftzapfsystemen untersucht.

dapd

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