- Lokführer räumt überhöhtes Tempo ein

Zug entgleist in Spanien - mindestens 80 Tote

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In der spanischen Stadt Santiago der Compostela ist am Mittwoch ein Zug entgleist. Dabei kamen mehr als 70 Menschen ums Leben.

Santiago de Compostela - Ein Zugunglück erschüttert Spanien: Mindestens 80 Menschen sterben, mehr als 140 werden verletzt. Der Zug entgleiste in einer Kurve, weil er offensichtlich viel zu schnell war.

Bei einem der europaweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre sind im Nordwesten Spaniens am Mittwochabend mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen. Wie der stellvertretende Regierungschef der Autonomen Region Galicien, Alfonso Rueda, am Donnerstag in Santiago de Compostela weiter mitteilte, wurden bisher 53 Tote identifiziert. Weitere 143 Menschen seien verletzt worden, teilten die Behörden am frühen Donnerstag mit.

83 der insgesamt 178 Verletzten, die nach dem Unglück am späten Mittwochabend in Krankenhäuser gebracht worden waren, seien inzwischen entlassen worden. 32 Erwachsene und vier Kinder seien noch „in kritischem Zustand“, hieß es weiter.

An der Unglücksstelle wenige Kilometer vor dem Bahnhof der Stadt Santiago der Compostela bot sich ein Bild des Schreckens.

Lokführer räumt überhöhtes Tempo ein

Nach dem schweren Bahnunglück im Nordwesten Spaniens hat der Lokführer eingeräumt, viel zu schnell gefahren zu sein. Der Zug sei mit rund 190 Stundenkilometern unterwegs gewesen, obwohl in der Unglückskurve höchstens Tempo 80 zulässig gewesen sei, bestätigte er nach Angaben der Ermittler vom Donnerstag. Über den Grund für die überhöhte Geschwindigkeit wurde zunächst nichts bekannt.

In dem Zug waren zwei Lokführer unterwegs. Beide überlebten nahezu unverletzt. Einer von ihnen soll in einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten immer wieder in sein Handy gerufen: „Wir sind entgleist! Was können wir tun?“

Der Unglückszug war am Mittwoch auf der Fahrt von Madrid zur Küstenstadt Ferrol im Nordwesten Spaniens. An Bord waren etwa 220 Passagiere. Die Bergungsmannschaften durchsuchten am Donnerstagmorgen die beiden am schwersten zerstörten Waggons und stellten fest, dass sich dort keine weiteren Opfer befanden. An der Unfallstelle hatten die ganze Nacht über Rettungskräfte gearbeitet. Die Menschen wurden zu Blutspenden aufgerufen. 

Bestimmte Bereiche des Wracks waren unzugänglich

Die 13 Waggons des Zuges wurden auseinandergerissen und sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich und schoben sich ziehharmonikaförmig ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg. Der Präsident der autonomen Region Galicien, Alberto Nuñez Feijoo, beschrieb einen der Waggons als regelrecht "zerrissen". Nach dem Unglück stieg Rauch aus den Trümmern auf, aus der Lok schlugen Flammen.

Entlang der Gleise lagen mit Fortschreiten der Bergungsarbeiten immer mehr Leichen, die mit Tüchern bedeckt wurden. 1Zuletzt teilten die Behörden mit, 73 Tote seien aus den Trümmern des Zugs geborgen worden. Sechs weitere Menschen seien im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen. Weiter hieß es, "bestimmte Bereiche" des Wracks seien weiter unzugänglich.

Anwohner wollten Opfer mit bloßen Händen aus dem Zug befreien

Schnellzug entgleist in Kurve - viele Tote

An der Unfallstelle arbeiteten die ganze Nacht durch Rettungskräfte. Am frühen Morgen waren noch immer etwa 200 Einsatzkräfte bei der Suche nach möglichen Opfern in den Trümmern der Wagen.

Der 39-jährige Francisco Otero, der sich zum Zeitpunkt des Unfalls in einem Haus nahe der Unglücksstelle aufhielt, berichtete von einem "großen Knall, als ob es ein Erdbeben gegeben hätte". "Das erste, was ich gesehen habe, war eine Frauenleiche", sagte er. Überall sei Rauch gewesen. Anwohner hätten versucht, mit Werkzeugen und bloßen Händen Menschen aus dem Zug zu befreien.

Ermittler schließen Anschlag aus

Die staatliche Bahngesellschaft Renfe warnte vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Renfe-Präsident Julio Gómez-Pomar erklärte, der Unglückszug sei am Morgen vor dem Unfall inspiziert worden. Polizei- und Eisenbahnexperten untersuchen die Unfallursache. Einen Anschlag schlossen die Ermittler aus. Ministerpräsident Mariano Rajoy, der selbst aus Santiago stammt, besuchte am Donnerstag die Unfallstelle.

Papst Franziskus zeigte sich betroffen über das Bahnunglück. Der Papst sei über den Unfall informiert worden und im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer.

Bundeskanzlerin Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte ebenfalls erschüttert und übermittelte die Anteilnahme Deutschlands „in diesen Stunden des Schmerzes“. „Die Bilder von der Unglücksstelle lassen das entsetzliche Leid nur erahnen“, schrieb Merkel in einem Telegramm an Rajoy. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bekundete seine Trauer.

Am kommenden Wochenende hatte in Santiago de Compostela ein großes Fest zu Ehren des Heiligen Jakobs stattfinden sollen. Die Stadt sagte die Feierlichkeiten, die das wichtigste Fest des Jahres in der Pilgermetropole sein sollten, wegen des Zugunglücks ab. Stattdessen wurde eine einwöchige Staatstrauer in Galicien angeordnet.

dpa/AFP

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