Messerattacke: Mann lauerte an "Unfallstelle"

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Polizisten sichern am Dienstag in Gelsenkirchen die Spuren am Tatort

Gelsenkirchen - Angeblich ein Verkehrsunfall. Ein Mann, der aus dem Nichts mit Messern auf Polizisten einsticht. Nachbarn, die in der Stille der Nacht Schüsse hören.

Aus einem vermeintlichen Routineeinsatz wird blutiger Ernst. Am Ende schweben drei Menschen in Lebensgefahr: der Polizist, seine junge Kollegin und der Mann, der die beiden in der Dunkelheit mit einem Notruf womöglich in eine Falle lockte und dann mit zwei Messern auf sie einstach. Warum, das weiß zunächst noch niemand. Der überraschte Polizist reagierte, zog seine Waffe und gab Schüsse auf den Angreifer ab. Alle drei ringen am Dienstag im Krankenhaus zeitweise um ihr Leben. Eine beschauliche Siedlung in Gelsenkirchen steht unter Schock. Und eine Mordkommission ermittelt.

Der Hergang: Kurz vor Mitternacht alarmiert jemand den 45-jährigen Polizisten und seine 30-jährige Kollegin per Notruf - zu einem Verkehrsunfall, für die Polizisten auf Streife ein ganz normaler Einsatz. Von einem “Parkrempler“ sei am Telefon die Rede gewesen, sagt der Essener Staatsanwalt Marcus Schütz.

Als die beiden Beamten in der gepflasterten Wohnsiedlung in Gelsenkirchen aus dem Wagen steigen, greift der 21-Jährige sie plötzlich an. Er rammt dem Beamten ein Messer in Brust und Arme, sticht auf Gesicht und Hals der Polizistin ein.

Nachbarn hören kreischende Stimmen und später Schüsse. “Die haben geschrien wie die Teufel“, sagt Rentner Horst Christ (67). “Das war schon heftig.“ Als er in der Nacht ans Fenster geht, sieht er eine Person auf der Straße liegen, eine andere im Gebüsch. Um sich und seine Kollegin zu schützen, hat der Polizist seinen Angreifer mit Schüssen abgewehrt, auf Oberschenkel und Bauch gezielt.

Am Tag danach ist es in der schmalen Stichstraße im Stadtteil Bulmke-Hüllen noch ruhiger als sonst. Den Parkplatz vor einem Reihenhaus, auf dem sich die blutige Szene abspielte, hat die Spurensicherung weit abgesperrt. Die Anwohner trauen sich nur nach und nach aus ihren Häusern. In einem kleinen Grüppchen stehen sie später zusammen und spekulieren über die Geschehnisse der Nacht.

“Bei mir sitzt der Schreck noch so tief, ich bin innerlich am zittern“, sagt eine 64-Jährige, die gegenüber dem Tatort wohnt. Eine Freundin hatte sie nachts angerufen und gewarnt: “Geh nicht auf die Straße!“ Sie habe sich noch gewundert, erzählt die Rentnerin. Seit 30 Jahren wohne sie mit ihrer Familie hier. Es sei keine schlechte Wohngegend, viele Einfamilienhäuser. Vor einem parkt ein schwarzer Mercedes. Eine schüchterne Frau mit Brille steht in ihrem hinter Büschen versteckten Hauseingang. “Sowas ist hier noch nie vorgekommen“, sagt sie leise.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft liegt nach dem brutalen Angriff vieles im Dunkeln. Laut Polizei spricht einiges dafür, dass der 21-Jährige selbst den Notruf abgesetzt hat und die Beamten bewusst zu dem Parkplatz bestellt hat. Dass die Messerattacke geplant war.

Zwei Handys wurden bei dem Angreifer gefunden. Allerdings kam von keiner der beiden Nummern der Anruf. Klarheit soll ein Stimmvergleich bringen. Doch weder der Angreifer, ein Auszubildender aus Gelsenkirchen, noch die Polizisten konnten zunächst aussagen.

dpa

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