Morddrohung: Amokprozess von Winnenden gefährdet

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Kreidespuren zeigen den Umriss des Amokläufers Tim K. vor einem Autohaus in Wendlingen am Neckar, wo er sich er sich selbst erschossen hatte.

Stuttgart - Der Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden ist möglicherweise wegen Morddrohungen gegen den Angeklagten gefährdet.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hat ein Hinterbliebener eines Opfers von einem möglichen Anschlag auf den 51 Jahre alten Unternehmer gesprochen. Bei Gesprächen zur Opferbetreuung sei festgestellt worden, dass sich der Vater eines getöteten Schülers “in den Emotionen verändert“ habe. Im Raum stehe Blutrache, heißt es in Sicherheitskreisen. Ob die Gefährdung für den Angeklagten von dem Vater selbst oder der Familie des Opfers im Ausland ausgehe, sei unklar. Es gebe aber deutliche Anzeichen, dass die Gefährdung für den Angeklagten ansteige.

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“Wir nehmen die Bedrohungslage gegen den Angeklagten sehr, sehr ernst“, sagte Verteidiger Hubert Gorka. Ob am kommenden Dienstag verhandelt wird, konnte der Jurist nicht sagen. Die für den Personenschutz zuständige Polizei in Waiblingen wollte am Donnerstag keine Stellungnahme abgeben. Ein Sprecher sagte aber, die polizeilichen Maßnahmen zum Schutz des Angeklagten seien “modifiziert“ worden.

Der Prozess gegen den Vater von Tim K. ist seit Dienstag unterbrochen, weil der Angeklagte krankgeschrieben ist. Es gibt ein ärztliches Attest, das dem Angeklagten eine psychische Erkrankung infolge der Bedrohungslage bescheinigt. In einem weiteren Attest ist von Beschwerden wegen einer bereits länger andauernden Herzerkrankung die Rede. Nach der Strafprozessordnung darf eine Hauptverhandlung bis zu drei Wochen unterbrochen werden.

In den Fall ist auch das Landeskriminalamt eingeschaltet. Der Schutz des gefährdeten Unternehmers wurde größtmöglich hochgefahren. Der Mann lebt mit seiner Frau und einer Tochter an einem geheimen Ort mit einer anderen Identität. Die Familie hatte bereits damals Morddrohungen erhalten.

Der 51-jährige Sportschütze muss sich seit Mitte September vor dem Landgericht Stuttgart verantworten, weil er eine seiner Pistolen unverschlossen aufbewahrt hatte. Sein Sohn erschoss damit am 11. März vergangenen Jahres in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst.

Die “Bild“-Zeitung berichtete am Donnerstag, dass ein Hinterbliebener während des Prozesses der Polizei zweimal aufgefallen sei. Einmal versuchte er auszuspähen, mit welchem Fahrzeug der Angeklagte vom Gerichtsgelände gebracht wird. Ein anderes Mal soll er versucht haben, in einen für ihn gesperrten Teil des Sicherheitsbereiches vorzudringen.

dpa

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