Hätten Sie gewusst, was ein "Arschfax" ist?

München - Ein Jury hat den Begriff “Niveaulimbo“ zum “Jugendwort des Jahres 2010“ gewählt. Auf dem zweiten Platz landet ein Wort, das sich nur ganz knapp über der Gürtellinie befindet.

“Niveaulimbo“ ist zum “Jugendwort des Jahres 2010“ gewählt worden. Mit dem Begriff beschreiben manche Jugendliche das Absinken des Niveaus beispielsweise im Fernsehprogramm, bei Partys oder in Gesprächen. Die Wort-Neuschöpfung zeige, dass Jugendliche die Entwicklung der Fernsehlandschaft und der Unterhaltungsformate kritisch beäugten und kommentierten, hieß es in der Begründung des Langenscheidt Verlags am Montag. Eine siebenköpfige Jury aus Schülern und Journalisten hatte die Wörter ausgewählt.

"Wort des Jahres" der letzten 30 Jahre

Alle Worte des Jahres seit 1977

Den zweiten Platz belegte “Arschfax“ - das aus der Hose heraushängende Unterhosenetikett. “Egosurfen“ kam auf den dritten Platz. So bezeichnet man es in der Jugendsprache, wenn jemand seinen eigenen Namen in eine Suchmaschine eingibt. Der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann betonte: “Jugendliche reden nicht immer so“, einige von ihnen benutzten diese Wörter aber in speziellen Situationen - besonders um ihr Gegenüber zu beeindrucken.

Die Initiative “Jugendwort des Jahres“ wurde im Jahr 2008 vom Langenscheidt-Verlag ins Leben gerufen. Ziel des Wettbewerbes sei es, die schnelllebige Jugendsprache jedes Jahr zu dokumentieren, erklärte der Verlag, der mit der alljährlichen Wahl auch für sein Lexikon “Hä?? Jugendsprache unplugged“ wirbt. Zum ersten “Jugendwort des Jahres“ wurde damals der Begriff “Gammelfleischparty“ für Ü-30- Partys erklärt. 2009 war es “hartzen“ - die Bezeichnung für arbeitslos sein oder einfach nur rumhängen.

In diesem Jahr hatten es neben den Wörtern auf dem Treppchen noch die Begriffe “Speckbarbie“ und “n1 - nice one“ in die engere Auswahl geschafft. Ersterer beschreibt “aufgetakelte Mädchen in viel zu enger Kleidung“, letzterer wird in erster Linie im Online-Chat oder in SMS benutzt, um zu sagen: Gut gemacht.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), bezeichnete die Wahl zwar als “etwas sehr Interessantes und Nützliches“. Der Leiter der GfdS-Sprachberatung, Lutz Kuntzsch, sagte aber auch: “So nützlich wie die Aktion ist - die ausgezeichneten Wörter sind danach keine Jugendsprache mehr. Jugendsprache hat die Funktion einer Geheim- oder Gruppensprache.“ Sobald diese Wörter dann gedruckt seien, habe sich ihr Status als Jugendwort im Grunde erledigt.

dpa

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