Polizei weist Kritik nach Loveparade-Tragödie zurück

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Nach der Tragödie mit 20 Todesoopfern nach der Massenpanik auf der Loveparade werden jetzt Vorwürfe gegen die Polizei laut.

Duisburg - Immer mehr Ungereimtheiten und Vorwürfe kommen nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg ans Licht. Die Ermittler weisen Kritik des Veranstalters als verfrüht zurück. Der Hauptvorwurf: Die Polizei habe die Schleusen zu früh geöffnet.

Die Polizeigewerkschaft fordert einen Sicherheits-TÜV für alle Großveranstaltungen.

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Schwere Vorwürfe des Loveparade-Chefs Rainer Schaller gegen die Duisburger Polizei sind von den Ermittlern zurückgewiesen worden. Schaller hatte der dpa erklärt, zur Katastrophe von Duisburg habe eine “verhängnisvolle Anweisung“ der Polizei geführt, die Schleusen vor dem Tunnelzugang auf dem Gelände zu öffnen.

Die Polizei in Köln, die nach dem tragischen Ende der Loveparade mit 20 Toten und mehr als 500 Verletzten ermittelt, bezeichnete die Kritik als verfrühte Spekulation. “Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage zu sagen, was der Auslöser war für das Ganze, wie es sich ereignet hat. Das kann man jetzt noch nicht seriös feststellen“, sagte eine Sprecherin. “Wir fänden es gut, wenn sich Herr Schaller nicht in Spekulationen verlieren würde.“

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Während die Vorgänge am Tunnelzugang zunehmend in den Mittelpunkt der Diskussion rücken, tauchten bei der Frage zur Überfüllung der gesamten Party-Zone neue Angaben auf. Über den ganzen Tag verteilt seien auf dem Veranstaltungsgelände und auf dem Weg dorthin höchstens 300 000 bis 400 000 Menschen gewesen, hatte der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat erklärt. Loveparade-Organisator Schaller sprach sogar nur von 187 000 Menschen auf dem Gelände.

Die vom Loveparade-Veranstalter am Samstag noch genannte Zahl von 1,4 Millionen in Duisburg sei aus Sicht der Polizei schon “rechnerisch unmöglich“, sagte van der Maat. So viele Menschen hätten weder mit den bestehenden Verkehrsmitteln in der zur Verfügung stehenden Zeit anreisen können, noch hätten sie auf dem Veranstaltungsgelände Platz gefunden. Das Duisburger Gelände umfasse 230 000 Quadratmeter, von denen die Hälfte wegen Bebauung oder Sicherheitsvorkehrungen nicht nutzbar gewesen sei.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Schaller hatte im dpa-Gespräch erklärt, die Polizei habe vor der Massenpanik die Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang öffnen lassen. Zuvor hätten die Veranstalter 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil bereits eine Überfüllung des Tunnels gedroht habe. Durch die Anweisung der Polizei sei der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, pocht indes auf neue Regelungen für Mega-Events. “Das Sicherheitskonzept für Massenveranstaltungen ist derart anspruchsvoll, dass es nicht allein in den Händen einer Stadtverwaltung liegen darf“, sagte Wendt der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag). Es sei zwingend erforderlich, eine Art TÜV für Großveranstaltungen einzuführen. Künftig sollten Ereignisse wie die Loveparade nur noch möglich sein, wenn der zuständige Landesinnenminister grünes Licht gegeben habe.

Wie die “Kölnische Rundschau“ berichtete, unterschrieb Duisburgs OB Sauerland die ordnungsbehördliche Erlaubnis für die Loveparade erst kurz vor Beginn um 09.00 Uhr. In einem Artikel der Zeitung heißt es: “Noch am Freitag wurde in verschiedenen Sitzungen über das Sicherheitskonzept debattiert, wobei die Duisburger Berufsfeuerwehr und Polizisten nochmals deutlich machten, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden kann.“ Sauerland sagte der “Rheinischen Post“ (Dienstag), er habe nichts von Sicherheitsbedenken vor Beginn der Loveparade gewusst.

Die offizielle Genehmigung der Bauaufsicht der Stadt Duisburg für die Mega-Veranstaltung lag der Polizei nach Informationen der FDP in Nordrhein-Westfalen erst am Tag nach dem Unglück vor. Das meldete Radio Erft (Köln) am Dienstag unter Berufung auf den innenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Horst Engel.

dpa

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