Beamter selbst schwer verletzt

Polizist erschießt Mann vor Tattoo-Studio

Bitterfeld-Wolfen - Vor einem Tattoo-Studio in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt hat ein Polizist am Donnerstagmorgen einen Mann erschossen. Der Beamte ist selbst schwer verletzt. 

Nach einem Angriff mit einer Art Messer hat ein Polizist am Donnerstag einen 38 Jahre alten Mann in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) erschossen. Der Mitbetreiber eines Tattoo-Studios sei in den frühen Morgenstunden aus dem Geschäft in der Innenstadt gestürmt und habe auf einen 58 Jahre alten Kollegen des Polizisten eingeschlagen, sagte Oberstaatsanwalt Christian Preissner am Donnerstag in Bitterfeld-Wolfen. Der angegriffene Polizist wurde mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Er befindet sich außer Lebensgefahr. Gegen den Schützen ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen Totschlags.

Am Vorabend soll der 38 Jahre Mann aus Bitterfeld-Wolfen seine 27 Jahre alte Ex-Freundin mit mehreren Stichen in Bauch, Rücken und Brustkorb verletzt haben. Es gebe keine begründeten Zweifel, dass es sich um einen anderen Täter handele, sagte Preissner. Eine Anwohnerin fand die Verwundete auf einer Straße. Die Gründe für die Tat bleiben zunächst unklar. Die Frau sei außer Lebensgefahr.

In der Nacht zu Donnerstag entdeckten Streifenpolizisten dann vor dem Tattoo-Studio in der Bismarckstraße ein Motorrad, das zuvor am Tatort gesehen wurde. Als die Beamten den mutmaßlichen Täter stellen wollten, schlug er laut Ermittlungen auf den 58 Jahre alten Polizisten ein. Sein Kollege feuerte daraufhin mehrere Schüsse aus seiner Dienstwaffe auf den Angreifer ab. Der 38-Jährige erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen.

Beamte der Polizeibehörde in Magdeburg und des Landeskriminalamts untersuchen den Fall. „Wir wollen absolute Klarheit haben“, sagte Preissner. Es gehe nicht darum, etwas zu verdecken, sondern Aufklärung zu betreiben. Noch sei unklar, wie viele Schüsse der 49 Jahre alte Polizist abgefeuert habe und ob zuvor Warnschüsse gefallen seien. Eine Obduktion soll bis Freitag erste Erkenntnisse bringen. „Wir gehen davon aus, dass er seinen Kollegen zu Hilfe kommen wollte“, sagte Preissner. Daher werde auch geprüft, in wieweit Notwehr bei den Ermittlungen in Betracht kommen könnte.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden wurden im vergangenen Jahr bundesweit 6 Menschen mit Schüssen von Polizisten getötet und 15 verletzt. In Sachsen-Anhalt habe es keine Todesopfer gegeben, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Der Gebrauch einer Dienstwaffe unterliegt strengen Vorschriften. So darf nach Angaben der GdP unter anderem aus Notwehr oder zur unmittelbaren Abwehr von Lebensgefahr geschossen werden.

dpa

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