Gorleben-Proteste: Atomkraftgegner blockieren Straßen

+
Hunderte Atomkraftgegner haben am Samstag im Wendland gegen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben als Atomendlager protestiert (Archivbild vom 16.09.2010).

Dannenberg/Gorleben - Atomkraftgegner haben im Wendland mit Straßenblockaden gegen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben als Atomendlager protestiert.

Mit Autos und Traktoren versperrten sie am Samstag für mehrere Stunden wichtige Zufahrtsstraßen im Kreis Lüchow-Dannenberg. Die Polizei sprach von mehreren hundert Demonstranten und friedlichen Aktionen. Für die Anti-Atom-Initiativen war der sogenannte Unruhetag am Samstag der Auftakt für größere Demonstrationen gegen den geplanten Castor-Transport im November.

Stark strahlender Atommüll aus deutschen Atomkraftwerken, der in Frankreich aufgearbeitet wurde, soll ins oberirdische Zwischenlager Gorleben gebracht werden. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg rechnet dann im Wendland mit zehntausenden Demonstranten aus dem ganzen Bundesgebiet. Der Protest am Samstag sei nur ein “Vorgeschmack“ gewesen, betonte die Teilnehmer. Die Atomkraftgegner blockierten bei Dannenberg mit Traktoren die Zufahrtsstraße zum Salzstock. “Wird Gorleben Endlager, geht Profit vor Sicherheit“, war auf einem der Transparente zu lesen, mit denen die Bürger Straßenschilder verhüllten.

“Atomkraftwerke abschalten - sofort“

Knapp 100 Menschen starteten am Vormittag vor der Polizeikaserne in Lüchow einen Fahrradkorso. Sie forderten: “Atomkraftwerke abschalten - sofort“ und “Gorleben stoppen“. Landwirte blockierten mit etwa 15 Traktoren die Bundesstraße 191 bei Pudripp. Zwei Atomkraftgegner seilten sich dort von einer Brücke über der Fahrbahn ab. Bei einem Autounfall an einer Polizei-Kontrollstelle nahe der Dömitzer Brücke wurde vier Polizisten und ein Autofahrer leicht verletzt.

Die Protestaktionen richteten die Demonstranten immer wieder auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auf einer überdimensional großen, gelben Toilette aus Pappmaché brachten sie den Slogan an: “Angela sorgt für den Beschiss“. Nach zehn Jahren Unterbrechung sind die Untersuchungen für ein Atomendlager im Salzstock Gorleben wieder angelaufenn. Am Freitag war der unter der rot-grünen Bundesregierung vereinbarte Erkundungsstopp offiziell zu Ende gegangen.

Atomkraftgegner fordern, den Standort wegen Sicherheitsrisiken aufzugeben und nach anderen Endlagerstätten in Deutschland zu suchen. Die Atomwirtschaft dagegen hält den Salzstock für geeignet und bezeichnete eine Weitererkundung als ein Zeichen der Vernunft. In einem Endlager muss der hoch radioaktive Müll aus deutschen Atomkraftwerken für eine Million Jahre sicher lagern können.

dpa

Meistgelesene Artikel

Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Melbourne - Über drei Straßenblocks hinterlässt ein Amokfahrer in Melbourne eine Spur der Verwüstung. Vier Menschen hat er mit dem Auto getötet. Der …
Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Bus wird bei Verona zur Todesfalle: Heldenhafter Sportlehrer

Verona - Mitten in der Nacht prallt ein Bus gegen einen Pfeiler und fängt Feuer, ein Schülerausflug endet auf grausame Weise. Ein Lehrer rettet …
Bus wird bei Verona zur Todesfalle: Heldenhafter Sportlehrer

Bomben-Alarm: Eurowings-Flieger nach Köln evakuiert

Köln - Offenbar ist eine Eurowings-Maschine, eine Lufthansa-Tochter, die auf dem Weg von Oman nach Köln war, umgeleitet worden. Als Grund wird …
Bomben-Alarm: Eurowings-Flieger nach Köln evakuiert

Kommentare