Rätsel um Todesflug AF 447 vor Auflösung 

Paris - Zwei Jahre lang wurde gerätselt und gesucht - nun kann alles sehr schnell gehen: Auf der Suche nach der Absturzursache des Todesflugs AF 447 soll schon in den nächsten Tagen die Black-Box gehoben werden. Tauchroboter sollen auch mehrere Leichen bergen.

Noch nie waren die Ermittler so optimistisch, dem Rätsel über den Absturz eines voll besetzten Air-France-Airbus am 1. Juni 2009 auf dem Flug von Rio nach Paris auf die Spur zu kommen. Die Entdeckung des 400 mal 200 Meter großen Trümmerfelds bei der letzten Suchaktion hat ihnen den Weg geebnet. Lange bevor der Kabelleger “Ile de Seine“ im Suchgebiet eintraf, hatten die Ermittler der französischen Flugunfallbehörde BEA bereits akribisch die von Remus-Tauchrobotern in rund 4000 Metern Tiefe geschossenen 15 000 Fotos der Wrackteile ausgewertet. 228 Menschen waren bei dem Flug an Bord des Airbus'.

Die Bergungshelfer haben nun die genauen Geodaten der auf dem Meeresgrund verteilten einzelnen Teile vorliegen - darunter auch die des sogenannten Pressure Bulkhead. Das ist das kuppelförmige Bauteil im Heck des Flugzeugs, das die Passagierkabine wie ein Deckel fest verschließt und dafür sorgt, dass der Luftdruck nicht entweichen kann. Hinter diesem Druckschott sind bei der A330 auf beiden Seiten die Flugdatenschreiber angebracht. Unklar ist noch, ob sie beim Aufprall des Flugzeugs auf dem Wasser abgerissen wurden oder sich noch an dem Bauteil befinden.

Die Ermittler schätzen die Chance auf halbe/halbe. Sie werden sich nach ihrer Ankunft im Suchgebiet sofort auf dieses wichtige Teil konzentrieren. Dazu wird ein ferngesteuerter Tauchroboter auf den Meeresboden herabgelassen, der ein Kabel an dem Schott anbringen soll. Danach wird das Trümmerteil an die Oberfläche geholt und konserviert. Eine französische Fregatte steht bereit, um sich unmittelbar nach dem erlösenden Funkspruch der erfolgreichen Bergung in Bewegung zu setzen und Flugdatenschreiber und Stimmaufzeichengerät zur Auswertung in Frankreich an Bord zu nehmen.

Todesflug AF 447: Bilder vom Meeresgrund

Todesflug AF 447: Bilder vom Meeresgrund

Danach steht dann die spannende Frage im Raum, was noch an Daten in den Geräten verwendbar sein wird. Vor Ort im Absturzgebiet sollen dann Zug um Zug weitere Trümmerteile an die Wasseroberfläche geholt werden. Sie könnten ebenfalls Aufklärung geben über das, was sich wirklich ereignet hat. Dazu zählen etwa die Bordrechner oder die Stellung der Klappen an den Tragflächen. Auch das technische Aufzeichengerät im Rumpf dürfte von großem Interesse sein. Es registriert alle wichtige Daten für spätere Wartungsarbeiten.

Die heikelste Aufgabe wird die Bergung der am Meeresgrund entdeckten Leichen sein. Obwohl einige der Angehörigen diesem Teil der Aktion widersprachen, hat der französische Staat grünes Licht gegeben. Die Besatzung an Bord der “Ile de Seine“ - neben BEA-Mitarbeitern und diversen Gutachtern auch zahlreiche Gendarmen - wird dabei psychologisch wohl an ihre Grenzen geraten. Auch technisch wird bei der Aktion Neuland betreten. Denn die Leichen wurden in den knapp zwei Jahren durch den enormen Druck in 4000 Metern Tiefe sowie die niedrige Wassertemperatur konserviert. Unklar ist, was passiert, wenn sie an die Oberfläche kommen. Sie sollen daher umgehend in besonderen Schutzbehältern konserviert werden.

dpa

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