Raver trauern in Duisburg

+
"Warum?" fragt ein Schild vor dem Tunnel, in dem die Massenpanik ausbrach.

Duisburg - Etwa 50 Menschen stehen am Sonntagvormittag nach dem Loveparade-Desaster vor dem Tunnel am einstigen Güterbahnhof. Die Stimmung ist gedrückt: Es sind Trauernde, keine Voyeure.

Hier war das Nadelöhr, in dem die friedlich zum Tanzen gekommenen Jugendlichen immer enger aneinandergepresst wurden, bis es zur Katastrophe kam.

Lesen Sie auch:

Ursachensuche nach Loveparade-Unglück

Polizeigewerkschaft und DJ kritisieren Loveparade

Aus für die Loveparade

Am Samstag hat er um sein Leben gekämpft, am Sonntag ist Martin Hahn mit weißen Rosen zum Trauern gekommen. Der blonde 27- Jährige Raver steht in Jogginghose und engem weißem T-Shirt an der Absperrung vor dem Tunnel. Dort waren nach einem Massengedränge am Samstag 19 Menschen ums Leben gekommen. Hahn hat Tränen in den Augen. “Ich bin durch die Hölle gegangen. Ich kann das nicht verarbeiten. Die Leute sind einander auf den Köpfen rumgetrampelt. Wir waren hilflos“, sagt er und legt seinen Blumenstrauß nahe der Absperrung.

Bilder: Trauer um die Toten von der Loveparade

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Eine ältere Frau in beigefarbener Jacke lehnt fassungslos an der Backsteinmauer eines Hauses, sie weint. Vor dem letzten Haus der Karl-Lehr-Straße, der Nummer 16, liegen Blumensträuße. Mit Teelichtern und und roten und weißen Friedhofslichtern zeigen Angehörige und Nachbarn ihre Trauer. “Warum? Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten den Opfern und Angehörigen. Es ist so sinnlos“, haben Nachbarn mit schwarzem Buntstift auf ein DIN A 4-Blatt geschrieben, das an einer Mauer hängt.

Ein Meer von Fragezeichen auf dem Blatt zeigt die Ratlosigkeit der Schreiber. Manchen Trauernden steht die Todesangst vom Samstag noch ins Gesicht geschrieben. “Der Tunnel war verstopft. Es wurde richtig voll. Ich fühlte mich ohnmächtig“, sagt Maja Jakov (32), die beim Fest dabei war. “Gestern hab ich mich gefreut, heute ist Trauer“, sagt sie und wendet sich ab.

Vor allem bei älteren Duisburgern mischt sich in die Trauer auch Wut auf die Organisatoren. “Ich schäme mich für diese Stadt und die Organisation. Ich fordere den sofortigen Rücktritt von Oberbürgermeister Sauerland“, sagt der 59-jährige Duisburger Manfred Pauls. Auch die Polizisten seien am Ende ihrer Kräfte gewesen, sagt der Duisburger Jürgen Schneider (60), der am Samstag dabei war. “Ich kann nicht mehr“, habe einer während der Katastrophe gerufen.

dpa

Meistgelesene Artikel

Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Melbourne - Über drei Straßenblocks hinterlässt ein Amokfahrer in Melbourne eine Spur der Verwüstung. Vier Menschen hat er mit dem Auto getötet. Der …
Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Grund zur Sorge? 13 Fakten zum Freitag den 13.

Freitag der 13.! Selbst wer nicht besonders abergläubisch ist, verbindet mit diesem Datum ein ungutes Gefühl. Wie genau der Aberglaube entstand ist …
Grund zur Sorge? 13 Fakten zum Freitag den 13.

Bomben-Alarm: Eurowings-Flieger nach Köln evakuiert

Köln - Offenbar ist eine Eurowings-Maschine, eine Lufthansa-Tochter, die auf dem Weg von Oman nach Köln war, umgeleitet worden. Als Grund wird …
Bomben-Alarm: Eurowings-Flieger nach Köln evakuiert

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion