Reemtsma-Entführer wird zwangsvorgeführt

Hamburg - Der Prozess gegen den Reemtsma-Entführer Thomas Drach vor dem Landgericht Hamburg hat am Donnerstag mit einer Überraschung begonnen.

Der Angeklagte war aus der Haft nicht erschienen. Er hatte sich nach Schilderung der Vorsitzenden Richterin Ulrike Taeubner geweigert, für den Transport eine Schlafbrille anzulegen und sich fesseln zu lassen.

Die Richterin ordnete die Zwangsvorführung des 51-Jährigen aus der Justizvollzugsanstalt Billwerder an. Dass er die Sicherheitsmaßnahmen nicht mitmachen wolle, sei keine ausreichende Entschuldigung für sein Fehlen, begründete Taeubner. Die Verhandlung wurde bis mittags unterbrochen. Er ist schließlich von einer Spezialeinheit der Polizei ins Hamburger Landgericht gebracht worden.

Augenzeugen berichteten, dass Drach in einem Konvoi von mehreren Polizeifahrzeugen in einen Innenhof des Gerichts gefahren und von dort in den Saal gebracht wurde. Polizisten mit Strumpfmasken und Maschinenpistolen sicherten die Umgebung. Ob der verurteilte Entführer, der immer noch mehrere Millionen Euro aus dem Lösegeld versteckt haben soll, tatsächlich eine Augenbinde trug, war nicht erkennbar.

Mehr als 15 Jahre nach der Entführung des Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma muss sich Drach wegen versuchter Erpressung seines Bruders verantworten. Er soll aus dem Gefängnis heraus versucht haben, seinen Bruder zur Herausgabe von Millionen aus dem Lösegeld zu nötigen. Nur ein Bruchteil der Rekordbeute ist bisher aufgetaucht.

Die Justiz befürchtet bei Drach extreme Fluchtgefahr. Um das zu verhindern, wurde der gebürtige Rheinländer schon mehrfach in verschiedene Gefängnisse verlegt.

dpa

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