Rettung erst in Monaten - Chile lässt Kumpel im Dunkeln

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Mit diesem riesigen Diamantbohrer soll der Rettungsschacht für die 33 Kumpel gebohrt werden.

Santiago de Chile- Den in Chile eingeschlossenen Bergleuten steht ein monatelanger Psychokrieg bevor. Denn bislang wissen die 33 Kumpel, unter ihnen auch ein Ex-Fußball-Star, nicht, dass ihre Rettung noch Monate dauert.

Die endgültige Rettung der seit fast drei Wochen eingeschlossenen Bergleute in Chile könnte sich bis Weihnachten hinziehen. Doch davon wissen die Kumpel noch nichts. Die Verantwortlichen machen sich Sorgen um die Psyche der Männer. Denn: Bis ein ausreichend breiter Rettungstunnel für die Arbeiter gegraben ist, könnten noch bis zu vier Monate vergehen, erklärte der Leiter der Bergungsarbeiten.

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Minenarbeiter überlebten mit Thunfisch und Milch

Verschüttete Bergleute: Lebenszeichen nach zwei Wochen

Präsident Sebastián Piñera sprach den Männern Mut zu: “Sie werden nicht alleingelassen, sie waren nie allein.“ Ganz Chile sei stolz auf die Verschütteten, die dank eiserner Disziplin mit einer 48-Stunden-Ration an Lebensmitteln mehr als zwei Wochen lang überlebten. “Die Regierung ist bei ihnen. Das ganze Land ist bei ihnen und ich möchte, dass sie ganz beruhigt sind, denn ihre Familien bekommen alle Hilfe und Unterstützung“, versicherte Piñera dem eingeschlossenen Schichtleiter über eine Sprechanlage.

Bergbauminister Laurence Golborne erklärte am Dienstag, das Verhalten der 33 Bergleute nach dem Unglück in knapp 700 Metern Tiefe sei beispielhaft für das ganze Land. Eine riesige Maschine mit Diamantbohrern traf unterdessen am Unglücksort ein, um einen Schacht von 66 Zentimetern Durchmesser für die Rettung der Eingeschlossenen durch das Gestein zu bohren. Pro Tag dürfte sie etwa 20 Meter vorankommen.

Ex-Fußballstar unter verschütteten Bergarbeitern

Unter den Minenarbeitern befindet sich auch der chilenische Ex-Fußball-Profi Franklin Lobos. Der heute 53-Jährige spielte in seiner aktiven Zeit für chilenische Erstliga-Clubs und auch für die Nationalmannschaft (“La Roja“).

Nationalcoach Marcelo Bielsa schickte Lobos, der mit 32 weiteren Leidensgefährten in rund 700 Meter Tiefe in der San-José-Mine festsitzt, am Mittwoch ein von den Nationalspielern signiertes Trikot. Zuvor hatte Lobos von Chiles früherem Mannschaftskapitän, Iván Zamorano, Grüße und Glückwünsche erhalten.

“Danke für alle die Worte, danke den Fans. Ich hoffe, bald rauszukommen. Ich danke auch Iván Zamorano für seine Worte“, ließ der Ex-Profi ausrichten. Lobos spielte unter anderem als offensiver Mittelfeldspieler für den Club Cobresal und Deportes La Serena.

Alle paar Tage ein Stückchen Keks und Pfirsich

Die 33 Bergleute sitzen seit dem 5. August fest. Damals stürzte die Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapó in der Atacama-Wüste ein. Die Männer konnten sich nach einem Felssturz in einen Schutzraum retten und überlebten bis zu ihrer Entdeckung am Sonntag von einer für zwei Tage ausgelegten Notfallration. Sie nahmen in dem heißen und stickigen Schutzraum nur alle paar Tage zwei Löffel Thunfisch, einen Schluck Milch, ein Stückchen Keks und einen Bissen Pfirsich zu sich. Am Montag wurden die Kumpel über einen Schlauch erstmals mit Glukose und Tabletten zur Rehydrierung versorgt, und es wurde eine Gegensprechanlage installiert. Angehörige der Männer, die seit Wochen vor dem Bergwerk ausharren, kündigten an, ihre Wache bis zur Rettung ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Lebensgefährten fortzusetzen. “Wir werden dieses Lager nicht aufgeben, bis wir mit dem letzten Kumpel nach Hause gehen“, sagte eine von ihnen, Maria Segovia. “Es sind 33, und einer von ihnen ist mein Bruder.“

dpa/dapd

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