Das "Nickerchen"-Geschäft

Schlummer-Studio: Schlafen in der Mittagspause

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Die Inhaberin des Mittagspausen-Schlafstudios "Nickerchen" Irina Ivachkovets.

Berlin. 12.00 Uhr, Mittagspause. In die Kantine gehen? Einen Kaffee trinken? Etwas frische Luft schnappen? Wer aus dem Büro kommt, kann sich neuerdings in Berlin auch eine Runde aufs Ohr legen - im Schlummer-Studio „Nickerchen“.

Früher musste Irina Ivachkovets um jede kleine Auszeit kämpfen. Die 34-Jährige war Projektleiterin auf Messen, viel im Flieger unterwegs oder von früh bis spät im Büro. „Da habe ich einfach mal meine Yogamatte auf den Boden gepackt und eine Viertelstunde geschlummert“, erzählt sie. Seitdem schwört sie auf „Power-Napping“, das kleine Nickerchen zwischendurch.

In einem geschäftigen Büroviertel in Berlin-Kreuzberg macht Ivachkovets nun ein Geschäft mit der Auszeit vom Alltag. Zwischen Cafés und Geschäften hat sie in der hektischen Hauptstadt vor kurzem das „Nickerchen“ eröffnet. 20 Minuten Mittagsschlaf kosten dort acht Euro, die ganze Stunde 20 Euro. Vor dem Tagträumen wird die Zeit vereinbart, am Ende sanft geweckt. „Danach kann man einfach sehr konzentriert und fröhlich an die Arbeit zurückkehren“, sagt sie.

„Power-Napping“ kennt man bereits von US-amerikanischen Firmen, in Japan wird die Kunst des Kurzschlafs sogar in der Öffentlichkeit praktiziert - „Inemuri“ nennt sich im Fernen Osten das Nickerchen in der U-Bahn oder am Arbeitsplatz. Die Stadtverwaltung Vechta sorgte im Jahr 2000 für Aufsehen mit einem Büroschlaf-Vorstoß: Die Beamten sollten sich als Teil eines Fitnessprogramms in der Mittagspause auf Isomatten ausruhen.

Irina Ivachkovets bietet hingegen Siestas in ganz privater Atmosphäre. Das Licht scheint weich im Schlummer-Studio, der Boden ist mit flauschigem Teppich ausgelegt. Im Schlafsaal warten zehn orthopädische Matratzen auf gestresste Büroleute und erschöpfte Touristen. Ivachkovets hat Kerzen aufstellt, Entspannungsmusik aufgelegt, Massagen kosten extra.

„Manche lesen, manche machen Notizen, entwickeln Ideen, aber einfach in einem zurückgezogenen Raum“, sagt die studierte Kulturwissenschaftlerin und Betriebswirtin. Die Bettabteile sind nur durch dünne, beige Vorhänge getrennt. Wer schlecht zur Ruhe kommt, erhält Ohrstöpsel und Schlafbrille.

Der Potsdamer Powernapper Uli Barenbrock ist schon das zweite Mal im „Nickerchen“. „Anfangs hab ich das nicht gedacht, dass man wirklich so abschalten kann, aber nach der Hälfte der Zeit - also nach zehn Minuten - bin ich immer wieder weggedöst“, berichtet der 49-Jährige, noch ein wenig schlaftrunken. „Ich wäre gerne liegen geblieben.“

„Der Erholungswert kommt weniger über Schlaf als über Abschalten und Entspannen“, erklärt der Regensburger Schlafexperte Jürgen Zulley. Schon wenige Minuten Mittagsschlaf erhöhten die Leistungsfähigkeit und senkten das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beim Mittagsschläfchen sollte man aber nicht übertreiben - weniger ist mehr, rät der Forscher. Denn nach einer halben Stunde droht der Tiefschlaf. „Die Schlaftrunkenheit kann dann länger dauern als das kurze Nickerchen“, sagt der Experte.

Zulley ist selbst überzeugter Mittagsschläfer. Er will für seine Nickerchen aber kein Geld ausgeben - lieber lehnt er sich in seinem Bürostuhl zurück und legt die Füße auf seinen Schreibtisch.

dpa

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