Warten auf Aufklärung

Wieder Lehrer der Odenwaldschule unter Verdacht

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Die Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim (Hessen).

Heppenheim  - Schon wieder ein Lehrer der Odenwaldschule unter Verdacht. Er soll nicht nur Kinderpornos angesehen haben. Das kam beim Krisengespräch heraus.

Nach einem neuen Verdacht an der südhessischen Odenwaldschule warten Öffentlichkeit und Beteiligte auf Aufklärung. Am Dienstag war bekannt geworden, dass ein kürzlich entlassener Lehrer nicht nur Kinderpornos heruntergeladen hatte, sondern möglicherweise mehr gemacht hat. Von Missbrauch ist nicht die Rede, aber von einem womöglich strafrechtlich relevanten Verdacht. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Am Mittwoch soll es einen schriftlichen Bericht geben. In dem Internat leben Lehrer und Schüler familienähnlich zusammen.

Nach Angaben einer Sprecherin der Schule haben Schüler, die bereits zuvor über ein „komisches“ Verhalten des Lehrers berichtet hatten, ihre Schilderungen in vertraulichen Gesprächen konkretisiert. „Inwieweit das übergriffig war, wird derzeit geprüft.“

Die Aufsichtsbehörden waren von der Schulleitung während eines Krisengesprächs informiert worden, bei dem es eigentlich um einen anderen Vorwurf gegen den selben Lehrer gehen sollte. Mitte April war bekanntgeworden, dass er Kinderpornos heruntergeladen hatte. Der Mann war fristlos entlassen worden.

Landrat: Schließung der Odenwaldschule steht nicht zur Debatte

Eine Schließung der Odenwaldschule steht laut dem zuständigen Landrat derzeit trotz der neuen Vorwürfe nicht zur Debatte. „Die gelbe Karte ist deutlich gezeigt worden, aber wir befinden uns auch in einem Verwaltungsverfahren, da darf man nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen“, sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf, dem Sender hr-iNFO laut Mitteilung vom Mittwoch.

Der Kreis könne zudem eine solche Entscheidung nicht alleine treffen. Jetzt müsse erst einmal Ruhe einkehren, wird Schimpf zitiert. In der Odenwaldschule würden Kinder auch sehr gut betreut.

Schule darf unter Auflagen weitermachen

Jugend- und Schulamt fühlten sich über den Fall nicht ausreichend informiert. Der Landkreis Bergstraße hatte die Schulleitung deshalb zum Rapport nach Heppenheim einbestellt.

Die Schule darf unter Auflagen weitermachen: Sie muss nun monatlich schriftlich und ausführlich über alle außergewöhnlichen Vorfälle informieren, Hilfe von außen annehmen, ihr Präventionskonzept überarbeiten und „ihr Betreuungskonzept überdenken“. Um die Reformen umzusetzen, hat die Schule bis zum 1. Oktober Zeit.

Die jüngsten Ereignisse wiegen besonders schwer vor dem Hintergrund eines erst spät bekannt gewordenen Missbrauchsskandals: Seit den 60er Jahren waren an der Schule mindestens 132 Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden, die Übergriffe kamen aber erst vor wenigen Jahren an die Öffentlichkeit. Die Schule hatte danach Reformen versprochen.

dpa

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