Er belästigte Ex-Prostituierte

Job gegen Sex - Arbeitsvermittler verurteilt

Stuttgart - Ausgerechnet die missliche Lage von Ex-Prostituierten auf Jobsuche hat ein Arbeitsvermittler schamlos ausgenutzt. Er bedrängte sie sexuell - und wurde dafür verurteilt.

Weil er zwei Ex-Prostituierte in seinem Dienstzimmer sexuell belästigt hat, ist ein ehemaliger Jobvermittler zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 62-Jährige muss zudem eine Strafe von 10.000 Euro zahlen - wegen Bestechlichkeit und Nötigung in besonders schwerem Fall. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten nach dem Urteil des Stuttgarter Amtsgerichts am Montag auf Rechtsmittel.

Der Mitarbeiter einer Arbeitsagentur hatte zwei Ex-Prostituierte unter anderem angefasst und Sex verlangt. Dafür stellte er ihnen Jobs in Aussicht. Der nicht vorbestrafte Mann hatte die Taten gestanden und sich bei seinen Opfern entschuldigt.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Anklage auch wegen sexueller Nötigung erhoben. Doch entfiel der Vorwurf im Prozessverlauf, weil der Mann seine Opfer nicht gewaltsam im Dienstzimmer festgehalten hatte. Die Frauen hätten jederzeit fliehen können, sagte die Staatsanwältin. Der 62-Jährige war für ein Sozialprojekt verantwortlich, das früheren Prostituierten und solchen, die aus dem Rotlichtmilieu aussteigen wollten, eine neue Beschäftigung vermitteln sollte.

Die Richterin sprach von „massiver krimineller Energie“ des Täters, unter der die beiden 44 Jahre und 55 Jahre alten Opfer noch heute sichtlich leiden würden - eine Prostituierte hatte nach ihrer Aussage weinend den Gerichtssaal verlassen. Die Bewährungsstrafe sei „gerade noch vertretbar“, weil der Mann geständig und nicht vorbestraft sei.

Der Verurteilte äußerte sich nicht dazu, warum er sich den beiden Frauen sexuell angenähert hatte. „Manchmal rutscht der Verstand woanders hin“, betonte die Richterin.

Die Staatsanwaltschaft hatte schon nach dem ersten Vorfall im Oktober 2012 gegen den Mann ermittelt, als er eine ehemalige Prostituierte im Dienstzimmer angefasst hatte. Damals hatten die Hinweise nicht ausgereicht.

dpa

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