Waren es Heuhaufen?

Nach Gotthard-Eröffnung: Streit um "tanzende Derwische"

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Der Gotthard-Basistunnel war am 1. Juni unter anderem in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet worden.

Bern - Es war ein buntes Aufgebot an tanzenden, stampfenden, teils halb nackten Künstlern: Die Zeremonie „Sacre Gottardo“ des Deutschen Volker Hesse zur Eröffnung des Gotthardtunnels passte nicht allen.

Eine Woche nach Eröffnung des Gotthardtunnels gibt es Ärger um die Frage: War die Eröffnungszeremonie Schweizerisch genug? Eine Politikerin der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) hatte in einer Anfrage an die Regierung moniert, dass „tanzende Derwische“ Teil der Zeremonie gewesen seien. Ein muslimischer Derwisch repräsentiere aber keinesfalls Schweizerische Grundwerte. „Mit tanzenden Derwischen, die in der Enzyklopädie des Islams eine Form zur Annäherung an Allah bedeutet, werden unsere Grundwerte jedoch verraten“, schrieb die Aargauer Nationalrätin Sylvia Flückiger.

Die knappe Antwort der Regierung bekam in den sozialen Medien viele „Likes“: „Die künstlerische Inszenierung mit dem Leitbild Mythos Gotthard bedient sich ausschliesslich an Figuren und Sagen, die der Alpenkultur entstammen. Bei den angesprochenen Figuren handelte es sich nicht um Derwische, sondern um tanzende Heuhaufen.“

Der Deutsche Volker Hesse, der das Eröffnungsspektakel „Sacre Gottardo“ inszeniert hatte, meinte in der „Neuen Luzerner Zeitung“: „Die Normalmenschen aus Uri und dem Tessin und all die Festbesucher konnten die Aufführung ganz mühelos emotional und intellektuell nachvollziehen. Wenn nun eine wild gewordene SVP-Nationalrätin sich über islamistische Propaganda äussert, kann ich darüber nur den Kopf schütteln.“

Eröffnung des Gotthard-Tunnels: Der "historische Tag" in Bildern

Projektleiter Gregor Saladin sagte am Montag der Deutschen Presse-Agentur: „Es gab primär viele tanzende Heuhafen und einzelne Figuren, die man als Derwische interpretieren könnte.“ Die Eröffnung sei „extrem schweizerisch“ gewesen, aber nicht im Sinne eines „Musikantenstadls“, sondern mit Blick auf die auch von Dämonen bevölkerten Sagen. Darüber hinaus sei gejodelt worden und 57 Alphornbläser hätten ihre Kunst gezeigt.

Der Gotthard-Basistunnel war am 1. Juni unter anderem in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet worden. Der mit 57 Kilometern längste Eisenbahntunnel der Welt gilt als technisches Meisterwerk, auf das die Schweizer besonders stolz sind.

"Hypnotische" Fahrt durch den Gotthard-Basistunnel

dpa

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