Google-Arzt muss in den Knast 

Stuttgart - Seine Zulassung fälschte der Hauptschüler mit Hilfe von Google. Mit dem erfundenen Doktortitel arbeitete der 27-Jährige monatelang unentdeckt als Anästhesist und Notarzt, unter anderem in München. Nun wurde er dafür hart bestraft.

Ein falscher Arzt, der mehr als 150 Patienten unrechtmäßig behandelt hat, muss ins Gefängnis. Das Landgericht Stuttgart verurteilte den Mann am Freitag zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft. Das Gericht sah die Anklagepunkte Betrug, Urkundenfälschung und gefährliche Körperverletzung gegen den 27-Jährigen als erwiesen an. “Das Verfahren fiel aus zweierlei Gründen aus dem Rahmen, einmal was die Materie und was die Person des Angeklagten angeht“, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Klein. Der Böblinger hatte zugegeben, sich seine Zulassung bei Google besorgt zu haben. Woher die gefälschte Urkunde letztlich kam, war für das Gericht jedoch nicht nachzuweisen. Sein Lebenslauf sei “heftig recherchiert“ gewesen, wie der Richter sagte.

Mit den gefälschten Unterlagen arbeitete der Mann seit 2009 in München als Assistenzarzt in der Anästhesie. In dieser Zeit legte er Infusionen, nahm Blut ab oder legte Narkosemasken an. Das Gericht hielt ihm zugute, dass er seine Taten nur begangen hatte, weil er den Menschen helfen wollte und es keine Komplikationen gegeben hatte. “Es ging ihm nicht um Geld, sondern um Anerkennung“, sagte sein Verteidiger Jens Rabe.

Sein Medizinwissen hatte sich der falsche Arzt bei mehreren Praktika, während eines Freiwilligen Sozialen Jahres und als Rettungshelfer angeeignet. Für seine Tätigkeiten als angeblicher Arzt wechselte der Hauptschüler sogar seinen Namen und nannte sich fortan “Dr. Schenk“. Ein Sachverständiger erklärte, er habe mit immer höheren, erlogenen Positionen “mehr Glanz in die Hütte bringen“ wollen.

Ein höheres Risiko als in München sei der 27-Jährige eingegangen, als er sich in Horb (Baden-Württemberg) als Notarzt ausgab und neun Rettungseinsätze fuhr, sagte der Richter. Einige Mal musste er hier Menschen wiederbeleben, räumte Rabe ein. Zur Last wurden dem Angeklagten außerdem seine beiden Vorstrafen wegen Betrugs gelegt. In das Strafmaß spielte zudem mit hinein, dass er seiner Exfreundin massiv nachgestellt hatte.

Seine Tarnung war schließlich aus einem ungewöhnlichen Grund aufgeflogen: In einem Beschwerdebrief hatte er sich über Probleme bei der Zuteilung von Rettungskräften im Rems-Murr-Kreis beklagt. Dieser enthielt mehrere Dutzend Rechtschreibfehler, so dass erstmals die akademische Laufbahn des Mannes hinterfragt wurde.

Der 27-Jährige habe sich schon früh auf medizinische Tätigkeiten konzentriert. Bereits vor seinem Betrug hatte er sich gegenüber anderen als Krankenpfleger und Rettungsassistent ausgeben. In Wirklichkeit arbeitete er an einer Tankstelle gegenüber der Klinik. Als er mit Freunden auf einem Fest war, gab er vor, als Betäubungsarzt zu einer Operation gerufen zu werden. Seine Freunde fuhren ihn zu dem Krankenhaus und warteten in einem Aufenthaltsraum, bis er von dem angeblichen Notfall zurück war.

dpa

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