Die Krise trifft den Arbeitsmarkt enorm:

18 Prozent mehr Arbeitslosmeldungen

Berlin/Frankfurt - Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise vor einem Jahr haben sich über drei Millionen Menschen in Deutschland neu arbeitslos gemeldet - 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Das geringste Arbeitsplatzrisiko trägt der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie zufolge ausrechnet die Branche, die die Krise verursacht hat: Im Finanz- und Versicherungsgewerbe war die Gefahr, den Arbeitsplatz zu verlieren, deutlich geringer als etwa in der Industrie.

Leiharbeiter am stärksten betroffen

Bei weitem am stärksten betroffen waren Leiharbeiter. “Entgegen der weit verbreiteten Annahme vom vermeintlichen restriktiven Kündigungsschutz in Deutschland sind die Fluktuation und das Entlassungsrisiko äußerst groß“, bewertete Studien-Autor Wilhelm Adamy das Ergebnis seiner Auswertung von Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA). Jeder neunte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte habe sich zwischen Oktober 2008 und September 2009 arbeitslos gemeldet. 

Nach Branchen betrachtet, war der Aderlass in der exportabhängigen Industrie bei weitem am größten. 458.550 Beschäftigte aus dem Verarbeitenden Gewerbe meldeten sich seit Oktober 2008 arbeitslos, 54,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum - und das, obwohl 1,1 Millionen Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, was der DGB-Studie zufolge einem Beschäftigungsäquivalent von 325.000 Arbeitsplätzen entsprach.

Auch Industrie stark betroffen

Die Leiharbeit war als Branche in absoluten Zahlen fast genauso stark betroffen wie die Industrie: 430.000 Leiharbeitskräfte verloren in diesem einen Jahr ihren Job. Setzt man allerdings die Gesamtzahl der Leiharbeiter in Beziehung mit der Zahl der Arbeitslosmeldungen, ergibt sich ein weit überproportionales Job-Risiko. 6,1 Prozent der Leiharbeiter waren nach den Berechnungen der BA pro Monat gezwungen, sich arbeitslos zu melden. In der Industrie lag diese Quote nur bei 0,6 Prozent.

Erhebliches Arbeitslosigkeitsrisiko zeigt die Studie auch für Gastgewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft mit jeweils 1,7 Prozent. Das Baugewerbe folgt mit 1,5 Prozent. Allerdings sei die Instabilität und Fluktuation in diesen Bereichen auch ohne Krise hoch. Auch bei relativ stabilem Niveau der Beschäftigung werde vor allem im Bau- und im Gastgewerbe häufiger eingestellt und entlassen als anderswo. Am sichersten scheinen die Jobs in der Geldbranche.

Bei Banken geringes Entlassungsrisiko

Mit einem Entlassungsrisiko von nur 0,2 Prozent liegen Banken und Versicherungen sogar noch besser als Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht mit jeweils 0,4 Prozent. Nach absoluten Zahlen mussten im Berichtszeitraum 26.651 Bank- und Versicherungsangestellte den Weg zum Arbeitsamt antreten, 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Überdurchschnittliche Jobverluste verzeichnete der Sektor Verkehr und Lagerei mit 173.532 Arbeitslosmeldungen, ein Plus von 24,4 Prozent. Knapp unter dem Durchschnittswert von 17,8 Prozent blieb die Zunahme bei Wirtschaftlichen Dienstleistungen (plus 16,5 Prozent, 326.651 Meldungen), sowie bei Handel und Instandhaltungen plus 12,2 Prozent.

dpa

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