Altersarmut: Fast jeder fünfte Arbeitnehmer betroffen

Berlin - Fast jeder fünfte Vollzeit-Arbeitnehmer verdient so wenig, dass ihm im Alter Armut drohen könnte. Dies zitiert die Linkspartei aus einer Antwort der Bundesregierung.

Das Sozialministerium verwies am Montag darauf, dass Union und FDP die Gefahr wachsender Altersarmut schon in ihrem Koalitionsvertrag anerkannt hätten. Ab dem Herbst sollen Gegenmaßnahmen erörtert und noch vor 2013 umgesetzt werden. Die “Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtete aus den Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Linkspartei, dass mindestens 45 Jahre Rentenbeiträge und durchschnittlich 1.667 Euro Monatsverdienst nötig sind, um im Alter mehr zu haben als die Grundsicherung. Doch verdienten 3,8 Millionen der aktuell 20 Millionen Vollzeitbeschäftigten nicht so viel. Rechne man Teilzeitkräfte und Auszubildende ein, wären sogar 8,7 Millionen der 27 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betroffen, also jeder Dritte.

“Die Entwicklung ist dramatisch“, wird Linksparteichef Klaus Ernst zitiert. “Wir wollen, dass in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern eine Mindestrente eingeführt wird.“

Sozialverband gegen Beitragssenkung

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Eine Sprecherin von Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, ab Herbst werde sich der “Regierungsdialog Rente“ mit Lösungsansätzen für drohende Altersarmut befassen. Gewünscht sei ein breit angelegter Prozess. 2012 sollten Gegenmaßnahmen in Gesetzesform gegossen werden. Die CDU hatte bereits vor Jahren darüber gestritten, wie verhindert werden kann, dass Menschen nach jahrzehntelanger Arbeit nicht mehr als das Sozialhilfeniveau an gesetzlicher Rente bekommen. Der Sozialverband Volkssolidarität warnte davor, die Rentenbeiträge wie angekündigt 2012 und 2013 zu senken. Es bleibe ein Rätsel, wie der Regierungsdialog unter diesen Voraussetzungen zu substanziellen Ergebnissen führen solle, erklärte Verbandspräsident Gunnar Winkler. “Statt die Rentenbeiträge zu senken, muss endlich etwas gegen die wachsende Altersarmut getan werden.“

Armutsfeste Renten würden auch den Jüngeren mehr helfen als niedrigere Beiträge, meinte Winkler. Hintergrund der wachsenden Sorge vor Altersarmut sind nicht nur geringe Einkommen, sondern auch Zeiten von Arbeitslosigkeit bei vielen Arbeitnehmern. Die jüngsten Rentenreformen hatten zu einer Senkung des Rentenniveaus geführt. Die Regierung sagt seither ganz offiziell, dass die gesetzliche Rente alleine nicht mehr zur Sicherung des Lebensstandards im Alter ausreicht.

dapd

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