Arcandor doch bereit für Deutsche Warenhaus AG

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Der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor ist offenbar doch zu einem Zusammenschluss seiner Warenhäuser mit den Kaufhof-Filialen des Konkurrenten Metro bereit.

Frankfurt - Unter dem Druck der drohenden Insolvenz hat sich der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor nun doch zu einem Zusammenschluss seiner Warenhäuser mit den Kaufhof-Filialen des Konkurrenten Metro bereiterklärt.

Arcandor hat sich am Sonntag mit seinem Konkurrenten Metro auf einen Verhandlungsfahrplan zur Bildung einer gemeinsamen Deutschen Warenhaus AG geeinigt.

Sollte die Bundesregierung den beantragten Notkredit in Höhe von 437 Millionen Euro ablehnen, droht der Insolvenzantrag des Touristik- und Handelskonzerns bereits am (morgigen) Montag.

Das teilte Metro nach einem Spitzengespräch zur Rettung der Karstadt-Warenhäuser mit. Die Gespräche sollen angesichts der drohenden Insolvenz von Arcandor noch in der kommenden Woche aufgenommen werden.

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Zuletzt spitzte sich die Lage bei Arcandor mit seinen rund 50.000 Mitarbeitern immer weiter zu: Das Unternehmen stellte nach AP -Informationen die Mietzahlungen für seine Karstadt-Filialen ein. An vielen Standorten kam es am Sonntag zu Demonstrationen und Mahnwachen von Karstadt-Mitarbeitern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab sich weiter zurückhaltend: “Es gibt jetzt erst mal die Notwendigkeit, dass die Beteiligten - das heißt Arcandor, Karstadt und Kaufhof - miteinander sprechen“, sagte Merkel in Berlin . “Wir wollen natürlich alles daran setzen, eine möglichst wirtschaftliche Lösung hin zu bekommen.“ In der “Bild am Sonntag “ warf die Bundeskanzlerin Arcandor Missmanagement vor. 

Dramatischer Appell von ver.di

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, man stehe mit den Beteiligten in Kontakt, nehme aber nicht selbst an dem Krisentreffen teil. Teilnehmer sind nach AP -Informationen die Vorsitzenden von Arcandor und Metro, Karl-Gerhard Eick und Eckhard Cordes , auch Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen sowie der Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius .

Die Bank ist Haupteigentümer der Immobiliengesellschaft, der die meisten Karstadt-Häuser gehören. Metro ist an einer Fusion seiner Kaufhof-Standorte mit den Karstadt-Warenhäusern interessiert. Das Rettungskonzept sieht den Wegfall von rund 5.000 Stellen vor, für die laut Metro-Chef Cordes anderweitige Lösungen gefunden werden könnten.

In einem dramatischen Appell an Bundeskanzlerin Merkel forderte die Gewerkschaft ver.di sofortige Staatshilfe für Arcandor: “Ohne die Hilfe der Politik geht es nicht“, erklärte ver.di-Vorstand Margret Mönig-Raane. “Die Rettungsbeihilfe muss am Montag kommen.“ Arcandor-Betriebsratschef Hellmut Patzelt plädierte im “Tagesspiegel“ für eine Fusion “unter Gleichen“ und gegen eine Übernahme. 

“Eigentümer und Gläubiger stärker fordern“

Unmittelbar vor dem Krisengipfel verlangte Metro von Arcandor klare Aussagen darüber, welcher Lösung - Staatshilfe oder der privatwirtschaftlichen Option - der Konzern den Vorzug gebe. Metro gehe davon aus, dass auch über den von Vorstandschef Cordes vorgeschlagenen vierstufigen Plan zur Rettung der Karstadt-Warenhäuser geredet werde.

Dieser zeigte sich in der “Bild am Sonntag “ zuversichtlich “dass es eine privatwirtschaftliche Lösung für die Karstadt-Warenhäuser auch ohne Insolvenz geben kann“. Zudem sieht er bei einer Übernahme der Karstadt-Filialen für fast alle Mitarbeiter eine sichere Zukunft. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier ( SPD ) schließt staatliche Hilfen für Arcandor nach wie vor nicht aus. “Ich habe in den letzten Tagen immer wieder gesagt, das hängt auch davon ab, inwieweit die Eigentümer, insbesondere die Eigentümer der Immobilien, in der Lage und bereit sind, sich selbst zu beteiligen“, sagte der SPD -Kanzlerkandidat in Berlin .

ap

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