Arcandor: Kontroverse um Staatsbürgschaft

+
Karstadt-Chef Stefan Herzberg hofft weiter auf Staatsbürgschaft für Arcandor

Berlin/Essen - Karstadt-Chef Stefan Herzberg hofft weiter auf eine Staatsbürgschaft für den Mutterkonzern Arcandor. Politiker sind darüber uneins, die Mehrheit der Bundesbürger ist dagegen.

Das Unternehmen habe ein überzeugendes Konzept vorgelegt und führe konstruktive Gespräche, sagte Herzberg, der auch Arcandor- Vorstand ist, am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur .

Der Handels- und Touristikkonzern habe seine Probleme im vergangenen Jahr noch selbst lösen können. Die Staatsbürgschaft sei erst wegen der Kapitalmarktkrise nötig geworden.

“Ich will zunächst mal sagen, dass die 25 000 Arbeitsplätze von Opel genauso wichtig sind wie die 50 000 von Arcandor“, sagte der Karstadt-Chef.

Die Bundesregierung habe mit dem Deutschlandfonds bestimmte Kriterien festgelegt und er hoffe, dass Arcandor mit seinem Konzept überzeugen könne. “Das ist der einzige Weg, der uns im Moment helfen kann“, sagte Herzberg. “Wir haben hier eine Situation, die uns durch die Finanzkrise vom Kapitalmarkt abschneidet.“ Es handele sich um eine “Sondersituation“.

Herzberg betonte, die Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim und die Familie Schickedanz engagierten sich “in einem wirklich vorbildlichen Maße“ und prüften ein weiteres Engagement. “Das heißt, nicht nur Belegschaft, nicht nur Management, nicht nur Ver.di, Betriebsräte und die Gesellschafter üben hier den Schulterschluss, sondern auch die über 800 000 Kunden, die uns jetzt schon gesagt haben, per Unterschrift, dass wir Karstadt bleiben sollen.“

Kontroverse unter Politikern

FDP-Chef Westerwelle forderte den angeschlagenen Karstadt-Mutter-Konzern Arcandor auf, seine florierende Touristiksparte Thomas Cook zu veräußern. Eigentümer müssten zuerst selbst Verantwortung übernehmen, bevor sie beim Steuerzahler die Hand aufhielten, sagte Westerwelle dem Deutschlandfunk.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat sich für eine staatliche Bürgschaft ausgesprochen. “Ich bin dafür, dass wir auch in dem Fall eine Rettung versuchen“, sagte er dem “stern“ nach einer Vorabmeldung vom Mittwoch. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich zurückhaltend zur Möglichkeit von Staatshilfen für Arcandor geäußert. “Ich weiß, dass da auch viele jetzt sehr bedrückt sind“, sagte Merkel am Dienstagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln. Für die Gewährung von Staatshilfen gebe es jedoch ein klares System unter Leitung des Bürgschaftsausschusses. “Ich bitte Sie: Haben Sie dafür Verständnis“, sagte Merkel. “Ich kann den Entscheidungen, die die Ausschüsse treffen, nicht vorgreifen.“ Opel sei “ein ganz besonderer Fall“ gewesen und lasse sich deshalb nicht mit Arcandor vergleichen.

Bundesbürger lehnen Staatshilfe ab

Die große Mehrheit der Bundesbürger lehnt staatliche Hilfen für den angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor ab. Bei einer Forsa-Umfrage für das Magazin “Stern“ sprachen sich 61 Prozent der Befragten gegen Finanzspritzen des Staates für den Karstadt-Mutterkonzern aus.

Knapp ein Drittel (32 Prozent) erklärte, der Staat solle dem Konzern etwa durch Bürgschaften unter die Arme greifen. Am stärksten sprachen sich die Anhänger der Grünen (73 Prozent) und der FDP (68 Prozent) gegen staatliche Hilfen aus. Auch fast zwei Drittel der Unions-Wähler (65 Prozent) sind gegen Staatsgelder für den Konzern. Etwas geringer ist die Ablehnung unter den Anhängern von SPD und Linkspartei: Hier wollen jeweils 61 Prozent nicht, dass der Staat den Konzern stützt. Befragt wurden 1.000 Bundesbürger.

dpa/ap

Meistgelesene Artikel

Schickedanz-Milliardenstreit: Erneute Verschiebung

Immer wieder hat das Kölner Landgericht seine Entscheidung im milliardenschweren Klagefall Schickedanz verschoben. Ein außergerichtlicher Vergleich …
Schickedanz-Milliardenstreit: Erneute Verschiebung

Was Trumps Warnung für deutsche Autobauer bedeutet

Berlin/München - Kurz vor seinem Amtsantritt hat Donald Trump die deutschen Autobauer abgewatscht, namentlich BMW. Doch was bedeutet das für die …
Was Trumps Warnung für deutsche Autobauer bedeutet

Möbelmesse IMM in Köln gestartet - "Faulheit sells"

Köln (dpa) - Die internationale Möbelmesse IMM hat in Köln begonnen. Bis Sonntag werden etwa 150 000 Besucher erwartet. In den ersten vier Messetagen …
Möbelmesse IMM in Köln gestartet - "Faulheit sells"

Kommentare