Abwanderung von Firmen, mehr Arbeitslose

So desaströs ist der Brexit für Großbritanniens Wirtschaft

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Kurz nach Bekanntwerden der Brexit-Entscheidung fiel das britische Pfund auf den tiefsten Stand seit 1985.

London - Die Auswirkungen des Brexit sind schon jetzt verheerend: Abstürzende Kurse, fallende Währung. Doch langfristig dürften die Folgen für Englands Wirtschaft noch schlimmer sein.

Sobald sich das Votum für den Brexit abzeichnete, war klar, dass die Abstimmung in der fünftgrößten Volkswirtschaft des Planeten auch weltweit ein Beben auslöst. Die Börsen in Asien gingen auf Talfahrt, der japanische Yen legte zu, der Finanzminister in Tokio kündigte "entschlossenes Handeln" an.

In Europa war der Schock noch größer: Der Dax startete fast zehn Prozent im Minus, in Paris und Wien, Madrid und Lissabon sah es ähnlich aus, und in London sowieso. Vor allem die Kurse der Banken stürzten ins Bodenlose, in Großbritannien aber auch die Fluggesellschaft International Airlines Group, Mutter von British Airways.

Brexit: Neuordnung des Handels kann bis zu zwölf Jahre dauern

Langfristig ist vor allem eines klar: Die Unsicherheit ist groß und wird es lange bleiben. Und Unsicherheit ist Gift für Investitionen und unternehmerische Entscheidungen. Die britische Regierung hatte vor dem Referendum gewarnt, sie rechne mit rund einem Dutzend Jahre, die es dauern werde, die Handelsbeziehungen neu zu ordnen. Sie muss die Bedingungen des Austritts mit der EU verhandeln, neue Verträge mit der Staatengemeinschaft schließen und neue Konditionen mit Ländern außerhalb der EU ausmachen.

Die Welthandelsorganisation rechnete vor, dass britische Exporteure in dieser Zeit des Übergangs jährlich umgerechnet bis zu 7,2 Milliarden Euro zusätzlich schultern müssten - für Zölle auf ihre Ausfuhren. Zahlreiche ausländische Unternehmen dürften nun abwandern, warnte zudem Scott Corfe, Leiter des Zentrums für Wirtschafts- und Unternehmensforschung. Denn derzeit würden viele Firmen Großbritannien als "Tür zur Europäischen Union" nutzen - dieser Vorteil ist nun dahin.

Die Befürworter des Brexit hatten vor allem für eine Begrenzung der Einwanderung getrommelt. Die Arbeitskräfte aus Ost- und Südeuropa, die in den letzten Jahren zum britischen Wirtschaftswachstum beitrugen, dürften nun fort bleiben. Besonders auf dem Bau waren viele von ihnen untergekommen.

Brexit dürfte Wirtschaftswachstum lahmlegen

Insgesamt, so schätzt der Internationale Währungsfonds, wird das Wirtschaftswachstum der vergangenen zwei Jahre stoppen. Schon kommendes Jahr rechnen die Wirtschaftswissenschaftler mit einer kräftigen Rezession. Die Arbeitslosenquote, so ihre Prognose, wird von derzeit fünf Prozent binnen zwei Jahren auf 6,5 Prozent steigen.

Der Staat kann sich nach diesem Szenario schon mal auf weniger Einnahmen einstellen, zwischen 20 und 40 Milliarden Pfund (derzeit rund 52 Milliarden Euro) werden es bis 2020 sein, schätzt das Institut für Budgetstudien - die Nettozahlungen an die EU, die Großbritannien spart, schon eingerechnet.

Weitere Konsequenz: Die bislang bestmögliche Kreditwürdigkeit des Landes wird abgestuft. Die Ratingagentur Standard & Poor's warnte bereits vor dem Referendum, sie werde Großbritannien den "AAA"-Status nach einem halben Jahrhundert aberkennen. Damit wird es teurer für London, Kredite aufzunehmen.

Spalten sich jetzt die Schotten ab?

Mit alldem nicht genug: Das nächste folgenschwere Referendum zeichnet sich bereits ab. Die Schotten haben angekündigt, sie wollten in der EU bleiben, und sich deshalb vom sowieso ungeliebten Großbritannien lösen. "Großbritannien ist einfach nicht mehr sicher", zieht Scott Corfe das vernichtende Fazit.

afp

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