Zypern-Krise schürt die Angst

Deutsche sparen so wenig wie noch nie

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Ein Sparschwein mit Euro-Geldstücken liegt zerbrochen auf einem Tisch

Berlin - Die Zypern-Krise hat bei deutschen Bürgern Spuren hinterlassen. Ist das Geld auf dem Konto noch sicher vor dem Staat? Diese Frage beschäftigt die Sparer, die so zurückhaltend sind wie nie zuvor.

Die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich verbessert. Selbst die Eskalation der Schuldenkrise in Zypern habe die Konsumstimmung hierzulande nicht nachhaltig dämpfen können, teilte das Marktforschungsinstitut GfK am Dienstag in Nürnberg mit. „Offenbar sehen die Konsumenten angesichts stabiler Arbeitsmarktzahlen und Einkommenssteigerungen ihre eigene wirtschaftliche Situation sehr gelassen.“ Nicht ganz so optimistisch zeigten sich die Bürger in der repräsentativen monatlichen Umfrage hingegen mit Blick auf die Konjunktur. Dennoch stieg der von der GfK ermittelte Konsumklimaindex für Mai auf 6,2 Punkte, nach revidiert 6,0 Zählern im April.

Die Zypern-Krise - zu deren Bewältigung erstmals Spareinlagen von mehr als 100.000 Euro herangezogen wurden - unterstützte diese Entwicklung. „Die Zwangsabgabe in Zypern hat offenbar auch die bundesdeutschen Verbraucher in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert“, erläuterte die GfK. Dadurch sei die Sparneigung im April auf einen historischen Tiefstand gefallen.

Es gibt nur wenige Alternativen zum Konto auf der Bank

„Allein die Tatsache, dass es grundsätzlich möglich ist, dass der Staat an die Ersparnisse geht, schreckt die Verbraucher auf“, erläuterte Rolf Bürkl vom GfK in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Viele Menschen seien besorgt, dass es ihnen eines Tages ähnlich ergehen könnte.

„Dann wird auch die 100.000-Euro-Grenze infrage gestellt - wobei es eigentlich unbestritten ist, dass das tatsächlich eine Grenze ist“, berichtete Bürkl. Die Folge sei, dass die in Deutschland ohnehin seit langem niedrige Sparneigung weiter zurückgehe. Doch es gebe nur wenige Alternativen zu einem Konto bei der Bank, schilderte Bürkl. „Ich kann an die Börse gehen und spekulieren. Aber nach dem Platzen der Dotcom-Blase sind viele Bundesbürger da doch etwas vorsichtiger geworden.“ Zumal auch das Vertrauen in die Finanzmärkte nach der Lehman-Pleite noch immer ramponiert sei.

Deutsche investieren vor allem in Immobilien

„Von daher sucht man eine werthaltige Anlage. Das Geld (...) wird nicht "sinnlos" konsumiert, sondern es werden werthaltige Anschaffungen erworben, vor allem Immobilien“, erklärte der Konsumfachmann. Dies werde von den sehr niedrigen Zinsen noch begünstigt. „Wenn ich die Inflationsrate einbeziehe, ist das real eigentlich ohne Kosten“, erläuterte Bürkl. Die günstigen Konditionen für Kredite jeder Art kurbelten zwar den Konsum an, der als Stütze für das schwächelnde Wirtschaftswachstum wichtig ist, seien für Deutschland aber eigentlich allzu niedrig.

Die Sparneigung gilt als Spiegelbild der Anschaffungsneigung, die im April leicht zulegte. Gestützt von der stabilen Lage auf dem Arbeitsmarkt, den guten Einkommenszuwächsen und einer niedrigen Inflation erreichte dieser Teilindikator den höchsten Wert seit mehr als einem Jahr. Auch die Erwartungen an die Entwicklung des eigenen Einkommens legten etwas zu. Der Konjunkturoptimismus hingegen ließ nach drei Anstiegen in Folge leicht nach und rutschte unter seinen langjährigen Durchschnittswert. Die Konsumenten bekämen vermehrt den Eindruck, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft schleppender verlaufen oder sogar ausbleiben könnte, erläuterte die GfK.

Dazu passt die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, dass der deutsche Einzelhandel im März erneut Federn gelassen hat. Die Umsätze sanken im Vergleich zum Vorjahr nominal um 1,4 Prozent und preisbereinigt um 2,8 Prozent. Allerdings hatte der März 2013 zwei Verkaufstage weniger als der März 2012. Bereits im Februar waren die Umsätze preisbereinigt um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Binnen Monatsfrist hatten die Händler im März preisbereinigt 0,3 Prozent weniger in der Kasse, nominal stagnierte das Geschäft.

dpa

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