Deutsche Technik treibt neues World Trade Center an

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Alle paar Tage entsteht ein neues Stockwerk des Turmes, der einmal das 2001 zerstörte World Trade Center ersetzen und das höchste Gebäude der USA sein soll.

New York - Stock für Stock wachsen die neuen Türme des World Trade Center in den Himmel. In dem symbolträchtigen Komplex aus Stahl und Glas steckt auch einiges an deutscher Technik - unter anderem von Siemens.

George Pagnotta ist stolz auf seine Arbeit, auch wenn er unumwunden zugibt: “Was wir machen, ist eigentlich nicht so spannend.“ Der Siemens-Manager ist auf der wohl berühmtesten Baustelle der Welt tätig: auf dem Gelände des neuen World Trade Center in New York. Er und zeitweise bis zu 15 Kollegen sorgen dafür, dass die Kräne sich drehen, dass das Licht brennt und dass die Bohrmaschinen laufen. Denn von Siemens stammt die Stromversorgung für das gesamte Areal.

Bilder vom Bau der Gedenkstätte am Ground Zero

Bilder vom Bau der Gedenkstätte am Ground Zero

Der Münchner Konzern gehört zu denjenigen deutschen Firmen, deren Technik im neuen World Trade Center steckt. Dort, wo bis vor zehn Jahren die Zwillingstürme standen, sollen fünf neue Hochhäuser entstehen. Das bekannteste davon ist der sogenannte “Freedom Tower“, der heute offiziell als “1 WTC“ bezeichnet wird. Mit 541 Metern soll er einmal das höchste Gebäude der USA werden. Bis zum 81. Stockwerk sind die Bauarbeiter schon vorgedrungen, 105 Stockwerke sollen es am Ende sein plus einer riesigen Antenne auf dem Dach.

“Ich sehe vieles, was andere nicht sehen“, sagt Siemens-Mann Pagnotta über seinen Arbeitsplatz. Mit seinem Sicherheitsausweis gelangt er auf die schwer bewachte Baustelle, an deren Eingängen neben privaten Sicherheitsdiensten auch Polizei postiert ist. Er kommt dahin, wo sich Touristen und Einheimische mit einem Blick durch den Bauzaun begnügen müssen.

Pagnotta verantwortet die Installation eines Stromnetzes, das selbst im Notfall noch funktionieren soll. Dazu sind auf dem Gelände gleich mehrere Verteileranlagen untergebracht. “Wo die Anlagen sind, ist geheim“, sagt Pagnotta. “Sicherheitsgründe.“ Er verrät nur soviel: Sie liegen tief unter der Erde. Notstromaggregate besitzt das Word Trade Center ebenfalls - denn ein Stromausfall passiert im Alltag der Millionenmetropole immer mal wieder.

Siemens liefert auch die Pumpen für das Mahnmal auf dem Gelände, das an die fast 3000 Todesopfer der Anschläge vom 11. September erinnert. An den Wänden zweier großen Becken - den Fußabdrücken der Zwillingstürme - fällt Wasser des Hudson River in die Tiefe. An den Außenseiten sind die Namen der Opfer eingraviert.

Bilder vom 11. September 2001

Bilder vom 11. September 2001

“Es ist eine Ehre für uns, hier dabei zu sein“, sagt Pagnotta, der im benachbarten Bundesstaat New Jersey wohnt. Er erinnert sich noch genau an den grauenvollen Tag, an die riesige Staubwolke, die über Downtown Manhattan lag, an gesperrte Brücken und Tunnel. Und wenn er sich daran erinnert, muss er seine Tränen unterdrücken.

“Es ist eine Ehre“, sagen auch die Mitarbeiter von ThyssenKrupp. Die 70 Aufzüge und 11 Rolltreppen im “1 WTC“ stammen von den Essenern. “Das sind die schnellsten Aufzüge in Nordamerika“, berichtet eine Thyssen-Sprecherin. Bis zu 10 Meter pro Sekunde legen sie zurück, das sind umgerechnet 36 Stundenkilometer. Damit dauert die Fahrt vom Boden bis zur Spitze nur etwa eine Minute. Normale Aufzüge schaffen gerade mal ein Viertel der Strecke in der gleichen Zeit.

Auch die Aufzüge und Rolltreppen im Mahnmal-Museum stammen von ThyssenKrupp. Zudem liefern die Deutschen den Edelstahl für die Außenfassade des “1 WTC“. In Form gebracht wird der Stahl von der Kölner Spezialfirma Pohl - keine leichte Aufgabe, denn der Clou des neuen Hochhauses sind seine Schrägen. “Das ist ein anspruchsvolles Projekt“, sagt die Thyssen-Sprecherin.

Siemens-Mann Pagnotta kann ein Lied von den langwierigen Planungen singen. Er rechnet damit, dass er am Ende sieben Jahre am World Trade Center mitgearbeitet haben wird. “Das hier ist kein normaler Bau.“

dpa

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