Flughafen-Streik: Passagiere sauer

Frankfurt - Rund 200 Beschäftigte reichen, um Deutschlands größten Flughafen teilweise lahmzulegen. Das mussten Reisende leidvoll lernen.

“Annuliert“: Dieser Schriftzug - in etwas eigentümlicher Rechtschreibung - breitet sich wie ein Lauffeuer über die Anzeigetafeln am Frankfurter Flughafen aus. Stockholm, Brüssel, Oslo, zu immer mehr Städten sind die Verbindungen gestrichen. Etliche Passagiere zittern am Donnerstagnachmittag, ob ihr Flug pünktlich oder überhaupt noch abheben wird. “Mich ärgert, dass der Streik erst so kurzfristig angekündigt wurde“, klagt Viktoria Busse. Sie möchte ihre Enkel in London besuchen, aber noch ist nicht sicher, ob ihr Flieger starten kann.

Es sind gerade einmal rund 200 Beschäftigte mit Spezialjobs auf dem Vorfeld, die den Verkehr stellenweise lahmgelegt haben. 172 von 526 vorgesehenen Flüge seien in den sieben Stunden des Streiks gestrichen worden, berichtete die Betreibergesellschaft Fraport am Abend nach Ende des Ausstandes. Die Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen oder Flugzeug-Einweiser streiken für ein höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen. Bis zu 73 Prozent mehr Geld wollen sie nach Angaben von Fraport erzwingen.

“Das ist eine heftige Forderung“, kritisiert Klaus Peter Maas. Der 38-Jährige ist mit seiner Freundin auf dem Weg nach Peking. Das Paar möchte eine Rundreise machen, aber auch für sie ist nicht klar, ob ihr Flugzeug rechtzeitig startet und sie ihre Gruppe für die Rundreise in China erreichen. “Der Streit wird doch jetzt einfach auf dem Rücken von tausenden Passagieren ausgetragen“, moniert er.

Auch unter den anderen Angestellten am Flughafen ernten die Streikenden vom Vorfeld wenig Zuspruch. “Für deren Arbeit verdienen die doch nicht schlecht und trotzdem wollen sie viel mehr“, meint ein Sicherheitsmann. Er würde gerne mit der Arbeit auf dem Vorfeld tauschen. Der Streik an sich sei allerdings nichts besonders. Das bestätigt auch eine Frau am Check-in von Lufthansa. “Wir sind Streiks gewöhnt. Hier ist doch fast immer irgendjemand am Streiken.“

Zielstrebig kommt Heinrich Haasis aus dem Terminal des Flughafens gelaufen. Der scheidende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes hat es eilig zum nächsten Termin. Sein Flug hatte etwas Verspätung. “Mit dem Streik zerstören die doch ihre eigene Grundlage“, sagt er. Der Arbeitskampf gehe besonders zulasten der unbeteiligten Kunden. “Außerdem sind die Forderungen vollkommen unrealistisch“, sagt er und hastet weiter.

Horst Goebke kennt die Arbeit auf dem Vorfeld sehr gut. Der 56-Jährige wurde am Frankfurter Flughafen ausgebildet. Jetzt arbeitet er in der Flugzeugabfertigung in Leipzig. “Ich verstehe, dass gestreikt wird“, sagt er mit Blick auf die Kollegen. Aber für die Passagiere sei das natürlich ärgerlich. Sein Flug nach Jordanien sei zum Glück nicht betroffen. Ob am Freitag das befürchtete Chaos kommt, bleibt offen. Denn dann soll nicht mehr nur 7 Stunden, sondern stolze 14 Stunden gestreikt werden.

dpa

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