Aktionäre sollen über Verstaatlichung entscheiden

HRE -Hauptversammlung unter Buhrufen eröffnet

München - Mit tumultartigen Szenen hat in München die außerordentliche Hauptversammlung der Hypo Real Estate begonnen. Die Aktionäre sollen über die geplante Verstaatlichung der maroden Pfandbriefbank im Zuge einer Kapitalerhöhung entscheiden.

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Weil der Bund bereits mehr als 47 Prozent der Anteile hält und eine einfache Mehrheit des anwesenden Kapitals genügt, wird die Zustimmung der Hauptversammlung erwartet. Aufsichtsratschef Michael Endres sagte bei der Eröffnung unter großem Beifall: “Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie mit einem heftigen Groll auf die Veranstaltung hierher gekommen sind.“ Die Aktionäre sollten “ihrem berechtigten Ärger“ aber erst auf der ordentlichen Hauptversammlung im August Luft machen, fügte er unter Buhrufen hinzu. Alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, die in den Niedergang der Hypo Real Estate verwickelt seien, hätten die Bank inzwischen verlassen, betonte Endres. Aktionäre riefen: “Aufhängen!“

„Anders Fortbestand nicht zu sichern“

Die Hypo Real Estate wird zur Zeit vom Bund mit Bürgschaften über rund 100 Milliarden Euro am Leben gehalten. Vorstandschef Axel Wieandt bat die Aktionäre “in aller Eindringlichkeit um Zustimmung zu der Kapitalerhöhung“ unter Ausschluss der bisherigen Aktionäre. Aber es gebe keine Alternative: “Anders ist der Fortbestand der Gruppe nicht zu sichern“, sagte Wieandt. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin solle seinen Anteil von 47,3 auf 90 Prozent aufstocken. In einem zweiten Schritt würden der US-Investor Christopher Flowers und die übrigen Aktionäre gegen Zahlung einer Abfindung aus der Bank herausgedrängt, erklärte Wieandt. Seine Rede wurde immer wieder von Pfuirufen und Pfiffen wütender Aktionäre unterbrochen. Aufsichtsratschef Endres sagte, nur wenn die Rekapitalisierung gelinge, werde die Hypo Real Estate eine Zukunft haben. Dafür gebe es “keinen anderen und keinen besseren Partner als die Bundesrepublik“. Die Sanierung unter staatlicher Aufsicht werde zwei bis drei Jahre dauern. Die Aktionärsschutz-Vereinigungen DSW und SdK haben Widerstand gegen den Ausschluss der bisherigen Anteilseigner angekündigt. Großaktionär Flowers, der bei dem Debakel der Bank mehr als eine Milliarde Euro verlor und noch 14 Prozent hält, ließ sich auf der Hauptversammlung vertreten. Auch er will Aktionär bleiben und hat mit Klagen gedroht.

ap

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