SAP investiert Milliarden in die Wolke

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SAP investiert Milliarden in die Lösungen der Internet-Clouds.

Walldorf - SAP will die weltweite Spitzenposition bei Cloud-Lösungen und nimmt dafür Milliarden in die Hand. Jetzt verkündete der Konzern die zweite milliardenschwere Übernahme in wenigen Monaten.

SAP will sich das US-Unternehmen Ariba einverleiben, einen Anbieter von Online-Handelsnetzwerken. „Wir haben dies als günstige Gelegenheit gesehen, es hat nicht lange gedauert, das zu erkennen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Bill McDermott am Mittwoch in Mannheim.

Die Übernahme wird den DAX-Konzern 4,3 Milliarden Dollar (3,38 Milliarden Euro) kosten. Das Geschäft müsse aber unter anderem noch von den Ariba-Aktionären und den zuständigen Kartellbehörden abgesegnet werden. Der Abschluss der Transaktion werde dann für das dritte Quartal erwartet. Erst im Februar hatte SAP den Cloud-Anbieter Success Factors für 2,5 Milliarden Euro übernommen.

Beide Unternehmen sollen die SAP in einem Schlüsselbereich für den Konzern voranbringen: „Wir haben uns vorgenommen, das Rennen in der Cloud zu gewinnen“, hatte der Vorstandsvorsitzende Bill McDermott bereits im Januar gesagt. Cloud Computing bedeutet, dass Daten von Computernutzern nicht mehr auf dem eigenen Rechner, sondern auf Servern von Dienstleistern gespeichert werden - in der „Datenwolke“. Im Cloud-Bereich will SAP bis 2015 zwei Milliarden Euro umsetzen. Die Zielsetzung für den Gesamtumsatz bis dahin beträgt 20 Milliarden Euro.

Zwtl.: Vorstandsvorsitzender: Ariba ist ein führendes Unternehmen

Ariba sei ein klar führendes Unternehmen in seinem Segment, betonte der Co-Vorstandsvorsitzende Jim Hagemann Snabe. Es betreibe die größte Handelsplattform, auf der ein Handelsvolumen von 319 Milliarden Dollar abgewickelt werde. Zu den Kunden gehören Größen wie die Deutsche Bank oder Walt Disney.

Auf SAP-Kunden gehen dem Unternehmen zufolge bereits 63 Prozent aller weltweiten Handelsbeziehungen zurück. Mit Ariba werde die Vernetzung entschieden verbessert: „Je mehr Käufer und Verkäufer in einem solchen Netzwerk zusammenkommen, desto attraktiver wird es“, sagte Hagemann Snabe. Ariba ist SAP zufolge gemessen am Umsatz der weltweit zweitgrößte Cloud-Anbieter. Im Geschäftsjahr 2011 stieg der Umsatz von Ariba um 40 Prozent auf 444 Millionen Dollar. Branchenexperten schätzen laut SAP den Gesamtumsatz mit Geschäftsnetzwerken auf 5 Milliarden Dollar.

Weitere Übernahmen in der Größenordnung sind laut McDermott zunächst nicht geplant. „Das sind seltene Dinge“, betonte McDermott. „Es gibt nicht viele solcher großartigen Unternehmen in der Welt.“ Hagemann Snabe ergänzte, es sei nie die Strategie der SAP gewesen, sich Marktanteile dazuzukaufen. „Immer wenn wir eine Übernahme gemacht haben, war es, um uns selbst weiter nach vorne zu bringen.“

Ariba-Chef Bob Calderoni soll den Angaben zufolge nach Abschluss des Geschäfts in den erweiterten SAP-Vorstand einziehen. Ariba selbst solle eine eigenständige Geschäftseinheit bleiben und unter dem Namen „Ariba, ein Unternehmen der SAP“ geführt werden.

Ähnlich war SAP auch mit Success Factors verfahren. Hier zahlten die Walldorfer allerdings einen Aufschlag von 52 Prozent auf den Aktienkurs. Das Geschäft war ebenfalls durch Eigenmittel und einen Kredit finanziert worden, Success-Factors-Gründer Lars Dalgaard rückte in den Vorstand auf und räumte im Cloud-Geschäft seines neuen Arbeitgebers auf.

Die Aktionäre reagierten nicht ganz so enthusiastisch wie das Unternehmen. Die Aktie sackte am Morgen um knapp zwei Prozent auf 46,86 Euro ab.

dapd

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