Kirch gegen Breuer: Showdown vertagt

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Rolf Breuer, Ex-Chef der Deutschen Bank, hat am Freitag vor Gericht ausgesagt.

München - Der mit Spannung erwartete Auftritt des Medienunternehmers Leo Kirch vor dem Oberlandesgericht München ist geplatzt. Warum der Showdown vor Gericht vertagt worden ist:

Es waren nur wenige Worte, die Rolf Breuer im Februar 2002 in das Mikrofon eines Reporters sprach. Doch Worte des Vorstandschefs der Deutschen Bank haben Gewicht. Darüber, wie schwer dieses Gewicht wiegt, tobt seit Jahren ein erbitterter Kampf vor Gericht. Für Leo Kirch jedenfalls war das Gewicht erdrückend - er macht Breuer und dessen Interview-Äußerungen für den spektakulären Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich und will von Bank und Breuer Milliarden als Schadenersatz. Am Freitag ging der Streit in eine weitere Runde. Mit Sicherheit nicht die letzte, aber beinahe die sensationellste, denn Kirch sollte aussagen und auch Breuer hatten die Richter geladen. Doch aus dem Duell wurde nichts.

Kirch meldete sich nur Minuten vor seinem Auftritt krank. Es sei aus ärztlicher Sicht nicht zu verantworten, sagt sein Anwalt Wolf-Rüdiger Bub. Der Vorsitzender Richter Guido Kotschy wünschte gute Besserung, nicht ohne ein Attest des 84-jährigen einzufordern. Zuvor hatte Breuer auf die Fragen der Richter geantwortet. Er bedauere seine Äußerungen von damals. Sie seien ein “Unfall“ und er würde das heute sicher nicht mehr so wiederholen. Doch die Geister, die Breuer mit den wenigen Sätzen in einem New Yorker Hotelzimmer rief, wird er nicht mehr los. Breuer, der im November 74 Jahre alt wird, wirkt müde im Gerichtssaal. Bislang hatten er und Kirch sich vor Gericht von ihren Anwälten vertreten lassen - nun ist zumindest Breuer da.

Der Reporter hatte damals gefragt, ob man dem hoch verschuldeten Medienunternehmer Kirch und seinem weitverzweigten Firmengeflecht nicht helfen sollte. “Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, hatte Breuer ein wenig umständlich festgestellt. “Was ich gesagt habe, war die Wahrheit und allgemein bekannt“, sagt Breuer am Freitag vor Gericht. Das Bedauern über das Interview ist ihm anzumerken. Seit beinahe neun Jahren quält sich der Streit von Instanz zu Instanz - ein Ende nicht in Sicht.

Breuer und Kirch gehörten damals zu den mächtigsten Männern der Republik. Der eine Chef der ersten Bank am Platz, der andere einflussreicher und scheuer Patriarch der deutschen Medienwelt. Lange Zeit gab es nicht einmal Fotos von Kirch. Der Sohn eines fränkischen Winzers hatte aus dem Nichts einen der mächtigsten Film- und Fernsehkonzerne Europas mit fast 10 000 Beschäftigten aufgebaut. Neben der größten Spielfilm-Sammlung mit weit über 10 000 Titeln sowie rund 40 000 Stunden Serien gehörten ihm bis die Fernsehsender ProSieben, SAT.1, N24 und DSF. Zusätzlich sicherte sich Kirch für Milliarden die Übertragungsrechte an Fußball-Weltmeisterschaften.

“Die Kirch-Gruppe ist nicht am Interview mit Dr. Breuer gescheitert“, verlesen die Anwälte Breuers am Freitag aus ihrer Erklärung. “Herr Dr. Kirch ist als Unternehmer gescheitert.“ Die Kirch-Seite wirft Breuer und der Bank vor, ein abgekartetes Spiel mit Kirch getrieben zu haben. Möglicherweise sei das Interview nur Mittel zum Zweck gewesen - nur wenig später habe Breuer Kirch die Hilfe der Bank angeboten, was dieser aber abgelehnt habe. Auch die Richter machen keinen Hehl daraus, dass sich hinter der ganzen Geschichte mehr verbergen könnte, als nur ein auch aus Sicht Breuers missglücktes Interview.

Was genau in jenen Wochen passierte und welche rechtlichen Folgen sich daraus ergeben, will das Oberlandesgericht nun klären. Absehbar sei noch nicht viel, dafür brauche es eine Beweisaufnahme, sagt Kotschy und kritisiert damit auch die Vorinstanz, die ohne die Vernehmung von Zeugen die Klage Kirchs abgewiesen hatte. “Dieses Urteil greift im Wesentlichen zu kurz“, sagt Kotschy recht deutlich. “Der Senat hält ohne Beweisaufnahme eine Abweisung der Klage nicht für möglich.“ Der Fall insgesamt beschäftigt seit Jahren die Gerichte, auch den Bundesgerichtshof (BGH), der hatte Kirch zumindest bescheinigt, dass er im Grundsatz Anspruch auf Schadenersatz haben könnte. Es scheint sicher, dass der BGH sich am Ende wieder mit dem Fall befassen muss.

dpa

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