Wolfgang Mayrhuber

Lufthansa: Er will doch Aufsichtsratschef werden

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Wolfgang Mayhuber

Frankfurt am Main - Schatten der Vergangenheit hätten beinah verhindert, dass Wolfgang Mayrhuber das Lufthansa-Erbe von Jürgen Weber antritt. In letzter Sekunde muss es gelungen sein, wichtige Kritiker umzustimmen.

Die Notlandung bei der Lufthansa blieb Europas umsatzstärkstem Luftverkehrskonzern gerade noch erspart: In buchstäblich letzter Minute hat die Fluggesellschaft die Weichen für die Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze gestellt. Am Abend vor der Hauptversammlung wurde der umstrittene frühere Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber doch wieder aufs Schild gehoben - nachdem dieser zunächst das Handtuch geworfen hatte.

Während einflussreiche deutsche Aktionäre ihm Fehler aus der Vergangenheit vorwarfen, sahen angelsächsische Investoren die Nähe zum aktuellen Vorstand und die Vielzahl von Mayrhubers Aufsichtsmandaten kritisch. All dies hatte Mayrhuber bewogen, seine Kandidatur zurückzuziehen. In einer Mitteilung des Aufsichtsrats vom Abend - nach der Kehrtwende - liest sich dieser Sachverhalt so: „Für das deutsche dualistische System nicht passende Corporate Governance Abstimmungsempfehlungen waren die Ursache für zunächst andere Indikationen.“

Es ist kein ruhiger oder auch nur einfacher Job, den die Lufthansa-Aktionäre an diesem Dienstag bei der Hauptversammlung in Köln zu vergeben haben. Europas umsatzstärkstes Luftverkehrsunternehmen steckt in einer veritablen Krise, da braucht es starke Führung und klare Strategien. Das war bislang die Domäne von Jürgen Weber, dem in seiner aktiven Zeit als Lufthansa-Chef so vieles gelungen ist, dass sich viele die Kranich-Airline ohne ihn gar nicht vorstellen können. Doch ausgerechnet seinen Abgang drohte „Mr. Lufthansa“ nach zehn Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats zu verpatzen, indem er zu deutlich auf personelle Kontinuität gesetzt hatte.

In Tradition der „Deutschland AG“ sitzen im Kontrollgremium der Lufthansa - immerhin eines Unternehmens mit mehr als 30 Milliarden Euro Jahresumsatz - auf der Anteilseignerseite bislang vor allem ehemalige Lufthansa-Manager und Vertreter anderer Dax-Konzerne wie SAP, Adidas oder BASF. Ausländische Investoren sind wie in der Aktionärsstruktur selbst klar in der Minderheit. 64,6 Prozent der Lufthansa-Aktien sind in deutscher Hand, ein ungewöhnlich hoher Wert. Auch mit dem neuen Personaltableau - neben Mayrhuber soll mit Merck-Chef Karl-Ludwig Kley ein weiterer Ex-Lufthanseat einziehen - zeichnete sich keine Wende ab.

Dennoch ist der Einfluss der angelsächsischen Investoren unübersehbar. Die Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) hatte ihren Kunden ein „Nein“ zum Personalvorschlag Mayrhuber empfohlen. Die Amerikaner störten sich an den zahlreichen Aufsichtsratsmandaten und an der nur gut zwei Jahre währenden „Abkühlzeit“ des zum Jahresende 2010 vom Lufthansa-Vorstandsvorsitz abgetretenen Mayrhuber. „Nach deutschem Recht reicht das zwar aus, aber in Großbritannien sind beispielsweise vier Jahre üblich. Die dortigen Investoren handeln dann halt nach den eigenen Regeln“, erläutert Commerzbank-Analyst Frank Skodzik.

Deutsche Anleger wie die genossenschaftliche Unioninvest betonten hingegen die Fehler aus Mayrhubers Amtszeit, an der Lufthansa aktuell schwer leide. „Herr Mayrhuber ist persönlich absolut integer, verkörpert für uns aber zu stark die 'alte Lufthansa'. Er steht für eine übertriebene Internationalisierung und fehlerhafte Zukäufe, wobei notwendige Investitionen in die Flotte vernachlässigt wurden“, sagt Fondsmanager Ingo Speich. Auch intern waren Mayrhuber Fehlinvestitionen wie in die längst wieder abgestoßene British Midland, Lufthansa Italia oder in die noch im Konzern verbliebene Brussels Airlines vorgehalten worden. Weil die verpulverten Millionen für neue Flugzeuge fehlen, müsse nun die Belegschaft bluten, lautet auch die Rechnung der Gewerkschaften.

Wer ist eigentlich im DAX?

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Der seit Anfang 2011 amtierende Lufthansa-Chef Christoph Franz benötige für seinen absolut richtigen Sparkurs Unterstützung vom Aufsichtsrat, die der beschädigte Mayrhuber nicht leisten könne, sagt Speich. „Er könnte Franz bei seinen notwendigen Entscheidungen nicht ausreichend stärken und gegen Kritik schützen.“ Unioninvest würde daher einen unabhängigen Kandidaten bevorzugen, der die Lufthansa kennt, aber nicht unbedingt operative Verantwortung getragen haben muss.

dpa

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