Trotz Krise: 35 Prozent mehr Gehalt für Manager

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Die Vorstandsbezüge beim größten Versicherer in Deutschland, der Allianz, stiegen in den vergangenen zehn Jahren einer Studie zufolge um 401 Prozent.

Düsseldorf - Die Gehälter der deutschen Topmanager sind im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen. Daran änderte auch die Krise nichts: 2009 verdienten die Manager 35 Prozent mehr als im Boomjahr 1999.

Das geht aus einer am Dienstag vom “Handelsblatt“ veröffentlichten Analyse des Vergütungsberaters Heinz Evers hervor. Bei vielen DAX-Konzerne explodierten die Vergütungen für Spitzenkräfte in den vergangenen Jahren nach Angaben des Experten geradezu. So stiegen die Vorstandsbezüge beim größten Versicherer in Deutschland, der Allianz, um 401 Prozent, bei der Deutschen Post um 383 Prozent und beim Stromkonzern RWE um 372 Prozent.

Beim Spitzenreiter, dem DAX-Neuling Kali+Salz (K+S), lag das Plus sogar bei 483 Prozent. Der bestverdienende Vorstandsvorsitzende im DAX war 2009 Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit einer Gesamtvergütung von rund 9,5 Millionen Euro. Auf Platz zwei und drei folgten RWE-Chef Jürgen Großmann und Siemens-Chef Peter Löscher mit jeweils gut 7 Millionen Euro.

Die höchsten Manager-Abfindungen

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Schlusslichter unter den DAX-Konzernchefs waren dem Bericht zufolge der Infineon-Vorstandsvorsitzende Peter Bauer mit 1,2 Millionen Euro, MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen mit 800.000 Euro und auf dem letzten Platz Commerzbank-Chef Martin Blessing, der die gesetzlich festgelegte halbe Million Euro verdiente. Hintergrund ist der Einstieg der Bundesregierung bei dem Institut. Am meisten gab der Studie zufolge 2009 die Deutsche Bank für ihren Vorstand aus. Insgesamt kassierte das achtköpfige Führungsgremium 39 Millionen Euro. Auf Platz zwei folgte SAP mit 34,8 Millionen Euro, vor Allianz, Siemens und RWE, die zwischen 22 und 30 Millionen Euro zahlten. Die vom Gesetzgeber seit dem vergangenen Jahr geforderte Nachhaltigkeit bei den Vergütungen schlug sich nach Einschätzung von Evers erst in Ausnahmen nieder.

Im Schnitt der DAX-Konzerne betrage das Verhältnis von kurzfristigen Boni zu langfristigen Anreizen 60 zu 40. Es müsste nach dem Willen des Gesetzgebers aber genau umgekehrt sein, meint Evers. Selten zu finden seien zudem bislang Erfolgskriterien außerhalb des Shareholder Value. Zwar tauchen wie bei Allianz, Telekom oder Volkswagen auch Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit als Maßstäbe für die Erfolgsbeteiligung der Manager auf. “Was fehlt, sind aber Zielgrößen, die auch der gesellschaftlichen Verantwortung der Manager Rechnung tragen“, sagt Evers.

dapd

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