Europas Währungshüter in Sorge

Niedrige Inflationsraten: EZB will handeln

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EZB-Präsident Mario Draghi.

Sintra - Die gefährlich niedrige Inflation macht Europas Währungshütern Sorgen. EZB-Präsident Draghi stellt klar: Die Notenbank ist bei Bedarf zum Handeln bereit.

Europas Währungshüter haben ihre Bereitschaft zum Handeln gegen zu niedrige Inflationsraten bekräftigt und ringen um eine ausgewogene Reaktion. „Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Montag bei einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. Bis Dienstag (27.5.) diskutieren in der Kleinstadt nahe Lissabon 150 Notenbanker, Ökonomen und Politiker über den Kurs der Geldpolitik.

Zwar erwarte die Notenbank weiterhin, dass die Teuerungsraten sich mittelfristig wieder dem Stabilitätsziel der EZB von knapp unter 2,0 Prozent annähern werden, sagte Draghi: „Es ist dennoch unsere Verantwortung, die Risiken für dieses Szenario zu sehen und bereit zu sein zum Eingreifen, falls notwendig.“

Zum Auftakt der Konferenz am Sonntagabend hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, Zentralbanken aufgefordert, im Bemühen um stabilere Finanzmärkte ihren gesamten Werkzeugkasten auszuschöpfen. Es gelte weiterhin, nach einem besseren Regelwerk für den Finanzsektor zu streben. „Aber wo Regulierungsansätze zu kurz greifen, kommt der Geldpolitik eine gewichtigere Rolle zu als in der Vergangenheit, um Finanzstabilität zu gewährleisten“, sagte Lagarde.

Die Inflation im Euroraum ist seit Monaten sehr niedrig. Im April lag die Jahresrate bei 0,7 Prozent. Es gebe durchaus das Risiko, dass sich die Erwartung sinkender Teuerungsraten durchsetze, erklärte Draghi. Verbraucher sowie Unternehmen könnten dann Investitionen aufschieben und die konjunkturelle Erholung bremsen.

„In diesem Umfeld muss eine Antwort der Geldpolitik sorgfältig abgewogen und präzise ausgestaltet sein“, sagte Draghi. Er warnte: „Eine langanhaltende Periode niedriger Inflationsraten könnte die Inflationserwartungen aus dem Gleichgewicht bringen.“ Die Erfahrung zeige, dass das sehr schnell passieren könne, „vor allem wenn das Ziel der Geldpolitik nicht klar ist“. Damit die Geldpolitik wirke, sei der richtige Zeitpunkt zum Handeln entscheidend. Weil Schritte der Notenbank oftmals erst mit Zeitverzögerung wirkten, könnten „vorbeugende Maßnahmen“ gerechtfertigt sein, sagte Draghi.

Bei der letzten Sitzung des EZB-Rates am 8. Mai in Brüssel hatte Draghi die Erwartung geschürt, dass die Notenbank bei ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 5. Juni die Geldpolitik im Euroraum nochmals lockern wird. In den vergangenen Wochen hatten führende Notenbanker weitere Hinweise in dieser Richtung gegeben.

Beobachter rechnen mit einer nochmaligen Senkung des Leitzinses - wahrscheinlich von 0,25 auf 0,15 Prozent. Zudem könnte die EZB Strafzinsen auf Gelder erheben, die Banken bei der Notenbank parken.

dpa

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