Poker um Karstadt: Was wird aus den Mitarbeitern?

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Der Warenhauskonzern Karstadt ist insolvent.

Essen - In wenigen Tagen läuft die Verkaufsfrist für Karstadt ab, drei Interessenten gibt es. Doch die potentiellen Käufer knüpfen ihre Angebote an Bedingungen - ein Nervenkrieg für die Angestellten.  

Der Verkaufspoker um den zahlungsunfähigen Warenhauskonzern Karstadt wird zur Nervenprobe für die 25.000 Beschäftigten des Unternehmens. Zwar gibt es wenige Tage vor dem Ablauf der Verkaufsfrist drei Interessenten für die Übernahme des Handelsriesen. Doch warnte der Sprecher des Insolvenzverwalters Hubert Görg am Dienstag im Gespräch mit DAPD: “Das ist kein Selbstläufer.“

Die bislang vorgelegten zwei Angebote der Investoren Triton und Berggruen seien an Bedingungen geknüpft. Hier gebe es noch Verhandlungsbedarf, sagte der Sprecher. In Bieterkreisen hieß es, wahrscheinlich werde bis zur letzten Minute gefeilscht werden.

Als dritter Anbieter hält sich das Immobilienkonsortium Highstreet im Hintergrund bereit. Es ist Besitzer der meisten Karstadt-Immobilien. Highstreet wolle eine Zerschlagung des Essener Unternehmens im Notfall durch eine Übernahme des Handelskonzern verhindern, hieß es in informierten Kreisen. Die Frist für den Abschluss eines Verkaufsvertrages endet am kommenden Freitag.

Auch die Stadt Köln verzichtete am Dienstag auf mögliche Gewerbesteuereinnahmen aus der Sanierung des Unternehmens, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung mitteilte. Die Entscheidung der Domstadt galt als letzte Hürde bei der steuerlichen Bewältigung der Karstadt-Sanierung.

Derzeit gibt es drei Interessenten für das Essener Traditionsunternehmen. Als erster Bieter hatte am 23. April die deutsch-skandinavische Investmentfirma Triton ihren Hut in den Ring geworfen. Allerdings verlangt Triton erhebliche weitere Zugeständnisse sowohl der Arbeitnehmer wie der Karstadt-Vermieter und scheint damit im Moment schlechte Karten im Verkaufspoker zu haben. Denn die Gewerkschaft lehnt weiter Opfer der Belegschaft entschieden ab.

Es gebe derzeit keine Gespräche zwische Triton und ver.di, sagte Unternehmensprecher Max Hohenberg der DAPD am Dienstag. Der Investor habe zwar weiter Interesse an einem Kauf von Karstadt. Doch sei eine Übernahme nur bei Zugeständnissen der Beschäftigten denkbar. “Solange der Insolvenzvertrag in Stein gemeißelt dasteht, funktioniert unser Konzept nicht.“

Als zweiter potenzieller Käufer hatte der Investors Nicolas Berggruen am vergangenen Freitag ein Angebot vorgelegt. Der Sohn des 2007 gestorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen erwartet nach Angaben eines Sprechers keine weiteren Zugeständnisse von den Arbeitnehmern. In Verhandlungen mit den Karstadt-Vermietern will er dagegen weitere Mietreduzierungen erreichen. Für die Sanierung der Warenhauskette will Berggruen mit einem großen Partner aus der Branche zusammenarbeiten, dessen Name aber zunächst geheimgehalten wurde.

Als potenzieller dritter Bieter gilt die Immobilien-Gruppe Highstreet, die mehrheitlich der US-Bank Goldman Sachs gehört. Highstreet gehören 86 der 120 von Karstadt genutzten Immobilien. Das Unternehmen wolle vermeiden, dass die Gebäude bei einer Zerschlagung leerstehen, hieß es in Branchenkreisen. Für Highstreet sei es letztlich eine Frage der Mathematik. Wenn die Angebote von Berggruen und Triton nicht ausreichten, werde die Immobilien-Gruppe selbst ein Angebot vorlegen.

Die Gewerkschaft ver.di signalisierte Sympathien für das am Freitag vorgelegte Kaufangebot des Investors Nicolas Berggruen und für eine mögliche Offerte des Immobilienfonds Highstreet. Beide Angebote erfüllten die Forderung der Gewerkschaft, nach einer mittel- und langfristigen Perspektive für Karstadt und nach einem Verzicht auf weitere massive Opfer der Belegschaft. sagte die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Margret Mönig-Raane der Nachrichtenagentur DAPD.

Eine klare Absage erteilte sie dem Angebot des dritten Investors Triton. Er verlange einen “Blanko-Scheck“ für einen Stellenabbau, kritisierte Mönig-Raane.

ap

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