Energiesparlampen bis zu 25 Prozent teurer

Hamburg - Der Preis für Energiesparlampen steigt um bis zu 25 Prozent. Die Erhöhung bekommen die Kunden bereits ab 1. September beim Einkauf zu spüren. Der Grund für die Kostenexplosion liegt im Ausland.

Parallel zum Verbot der 60-Watt-Glühbirne erhöhen die Leuchtmittel-Hersteller Osram und Philips die Preise für Energiesparlampen um bis zu 25 Prozent. Sie verweisen dabei auf explodierende Rohstoffkosten, einen Zusammenhang mit dem EU-weiten Verbot, das ab Donnerstag (1.9.) gilt, gebe es nicht. Offen bleibt, ob der Einzelhandel die höheren Preise an die Verbraucher weiterreicht.

Inklusive einer Preisanhebung vom Frühjahr verteuern sich laut Stefan Schmidt, Sprecher der Siemens-Tochter Osram, Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen um bis zu einem Viertel. Energiesparlampen für Verbraucher seien dabei weniger stark betroffen, Halogen- und LED-Lampen gar nicht, hieß es in einer Mitteilung. Hintergrund seien vor allem die drastisch höheren Kosten für sogenannte seltene Erden, die überwiegend aus China stammen. “Seltene Erden sind in den vergangenen zwölf Monaten um 700 Prozent teurer geworden“, betonte Schmidt. Sie würden aber für die Lampen zwingend benötigt.

Beim niederländischen Elektrokonzern Philips seien für Deutschland durchschnittliche Preisseigerungen zwischen 20 und 25 Prozent im Laufe der nächsten Monate geplant. Dies habe jedoch nichts mit dem Glühbirnenverbot zu tun, sagte Konzernsprecher Steve Klink in Amsterdam. Philips-Chef Frans van Houten habe bereits Mitte Juli bei der Vorstellung der Unternehmensbilanz für das zweite Quartal deutlich gemacht, dass angesichts steigender Kosten für Rohstoffe die Preise weltweit erhöht werden. So würden zum Beispiel auch Kunden in den USA künftig etwa bis zu einem Viertel mehr für Energiesparlampen hinlegen müssen.

“Der Zeitpunkt ist doch sehr ungünstig gewählt“, sagte Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, der dpa. “Da drängt sich der Verdacht auf, dass hier die Verbraucher abgezockt werden sollen.“ Sie sprach sich für ein umfassendes Recycling-System für Energiesparlampen aus. Die Rücknahme der Lampen, die auch giftiges Quecksilber enthalten, sei immer noch nicht klar geregelt. Osram-Vorstand Martin Goetzeler sagte der “Financial Times Deutschland“, Osram arbeite an Prozessen, um seltene Erden über Recycling zurückzugewinnen.

Für die Produktion der Leuchtmittel würden vor allem Lanthan, Europium, Terbium und Yttrium aus der Gruppe der seltenen Erden benötigt, erläuterte Osram-Sprecher Schmidt. Den Kunden seien die Preiserhöhungen schon vor einigen Wochen angekündigt worden. Ob und wie stark sie an die Verbraucher weitergegeben würden, liege allerdings beim Handel. Der Möbelkonzern Ikea und die Baumarktkette Praktiker erklärten auf Anfrage, sie planten vorerst keine Preiserhöhungen.

Ab diesem Donnerstag dürfen EU-weit keine herkömmlichen Glühbirnen mit mehr als 40 Watt in den Handel kommen. Dadurch dürfte die Nachfrage der Verbraucher nach Energiesparlampen deutlich ansteigen. Befürworter hatten bisher argumentiert, die wesentlich teureren Energiesparlampen wären nicht nur effizienter, sondern aufgrund ihrer längeren Haltbarkeit unterm Strich auch günstiger für die Verbraucher. Die Stiftung Warentest teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, der Umstieg rechne sich weiterhin - auch bei Preiserhöhungen. Allerdings halten Kritiker dagegen, dass dies auf viele Haushalte nicht zutrifft - gerade wenn Lampen meistens nur kurz eingeschaltet werden.

Seltene Erden sind Metall-Rohstoffe mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Diese machen sie unentbehrlich für die Herstellung vieler Hightech-Produkte. Bis zu 97 Prozent der weltweiten Förderung und des Angebots kommen aus China, das aber den Export künstlich drosselt und damit auch den Ärger der Welthandelsorganisation auf sich zieht. Wegen der technologischen Innovationen steigt die Nachfrage derzeit enorm.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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