Rosaroter Hype: Lillifee schlägt Barbie

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Hauptsache rosa: Merchandising-Artikel zum Produkt Prinzessin Lillifee bringen märchenhafte Gewinne.

Münster/Berlin - Ein deutscher Verlag macht viel Geld mit Geschichten von einer kleinen Blütenfee mit blonden Locken - und noch mehr mit den über 300 Fan-Artikeln.

Lillifee herrscht mittlerweile in tausenden Kinderzimmern in Deutschland. Es gibt kaum ein Mädchen zwischen zwei und acht Jahren, das ihrer glitzernden Fanartikel-Welt nicht verfallen ist. 97 Prozent der Eltern mit mindestens einer Tochter zwischen drei und zehn Jahren, so ermittelte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), kennt Lillifee.

Ein typisches Beispiel für den Lillifee-Wahn: Als Katinka fünf Jahre alt war, wollte sie das Buch mit der Prinzessin Lillifee haben. “Sie hat es im Buchladen gesehen, es war rosarot, das war's“, erzählt Katinkas Vater Konrad Wächter. Bald darauf wünschte Katinka sich zum Geburtstag die Lillifee-Puppe. “Da haben wir uns noch nichts dabei gedacht.“ Heute ist Katinka acht Jahre alt, geht mit einem Lillifee-Ranzen zur Schule, schläft in Lillifee-Bettwäsche und hört mit ihren Freundinnen Lillifee-CDs. Demnächst müssen sich die Wächters mit ihrer Tochter das Lillifee-Musical ansehen. “Würden wir es nicht tun, würde Katinka kein Wort mehr mit uns sprechen.“ Der Berliner seufzt. “Lillifee“, sagt er und verdreht die Augen, “ist bei uns zu Hause omnipräsent.“

Für den rosaroten Hype ist vor allem einer verantwortlich: Wolfgang Hölker sitzt zwischen Spielzeug, Antiquitäten, Kunstwerken und Büchern im vierten Stock eines ehemaligen Kornspeichers im westfälischen Münster und lächelt spitzbübisch wie ein kleiner Junge. Grund dazu hat er. Denn was für viele Eltern eine kostspielige Angelegenheit ist, bedeutet für den Chef des Coppenrath Verlags vor allem eins: ein Bombengeschäft. “Lillifee“ - sagt Hölker - “ist in Deutschland derzeit erfolgreicher als Barbie.“

Es ist noch nicht so lange her, da stand der Coppenrath-Verlag kurz vor der Pleite. Mitte der 70er Jahre war das. Damals brachte das 1768 gegründete Unternehmen vor allem heimatkundliche Bücher heraus. Dann übernahm Hölker als gelernter Grafiker 1977 das Traditionshaus, krempelte es um und machte daraus ein Unternehmen, das heute weit mehr verkauft als nur Bücher. Hölker hat das Merchandising-Geschäft rund um seine Kinderbuchhelden nahezu perfektioniert. Neben Lillifee und dem Hasen Felix heißen sie Capt'n Sharky und Mondbär, die Lieben Sieben oder Rabella. Und die tummeln sich nicht nur auf gedruckten Seiten.

Wie der Disney-Konzern baut Hölker um sie ganze Warenwelten. Seit der Coppenrath Verlag unter dem Label “Die Spiegelburg“ diese Strategie betreibt, ist der Umsatz um mehr als 500 Prozent gestiegen. Von 11 Millionen Euro 1995 auf 70 Millionen im vergangenen Jahr. Die Hälfte stammt aus dem sogenannten Non-Book-Geschäft, zu dem auch die Vergabe von Lizenzen zählt. Rund 60 Firmen schmücken ihre Produkte mit den Kinderbuchhelden, darunter der Fahrradbauer Puky und der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker, der mit Lillifee-Muffins ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben möchte.

“Für mich war es als Kind immer tödlich, wenn man ein Buch bekam, in dem man zehn Seiten durchblätterte und es dann zumachte. Und dann war die Geschichte aus“, sagt Hölker. Als er Anfang der 90er Jahre das Kinderbuch “Felix der Hase“ auf den Markt brachte, bot er den Buchhändlern zugleich einen Felix aus Stoff an. Doch die Händler waren wenig begeistert. ““Wir sind 'ne Buchhandlung“, hieß es da“, erzählt Hölker. ““So'n Krimskrams - überlass den mal anderen.““ Heute, 15 Jahre später, ist dieser “Krimskrams“ aus dem Buchhandel nicht mehr wegzudenken. Artikel, die keine Bücher sind, hatten nach Angaben der Buchbörse im Jahr 2007 einen Anteil von acht Prozent am Gesamtumsatz des Buchhandels.

Doch nicht jeder mag das Merchandising-Geschäft. “Bei uns spielt das keine große Rolle“, sagt Marlis Tiepoldt vom Leipziger Kinderbuchverlag, der für seine Bücher vom kleinen Maulwurf bekannt ist. Von der Fernsehfigur gibt es zwar auch Figuren und Tragetaschen. “Aber mehr nicht“, betont Tiepoldt. “Wir wollen einfach ein Buchverlag sein und nicht alles so ausschlachten.“

dpa

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