Privilegien der Großverbraucher sind schuld

Stromkosten werden 2014 deutlich steigen

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Ein Drehstromzähler in Essen (Nordrhein-Westfalen)

Berlin - Die Stromkosten werden im kommenden Jahr vor allem für Privathaushalte stark ansteigen. Das liegt vor allem an den Privilegien der Großverbraucher und Vergünstigungen für Teile der Wirtschaft.

Familien müssen die Stromrechnung der Industrie nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation BUND mit rund 70 Euro pro Jahr subventionieren. Im nächsten Jahr werde diese Subvention für die vom BUND als Modell genommenen vierköpfigen Familien sogar auf rund 80 Euro steigen, erklärte die Organisation am Montag in Berlin. Wegen der steigenden Energiekosten wackelt die Unterstützung der Energiewende in Deutschland, wie eine Umfrage ergab.

Der BUND ging für seine Berechnung von einem durchschnittlichen Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie von 3500 Kilowattstunden aus. Die Kosten der Privathaushalte für diese Verbrauchsmenge könnten in diesem Jahr um 69,34 Euro und im kommenden Jahr sogar um 79,52 Euro niedriger liegen, falls die Verbraucher nicht durch gesetzliche Vorgaben zur Unterstützung engergieintensiver Betriebe gezwungen wären, erklärte die Organisation.

Privilegien der Großverbraucher kosten Familie 51,80 Euro pro Jahr

Hauptkostentreiber sind Privilegien der Großverbraucher bei der Ökostrom-Umlage, ermittelte das Institut für Zukunftsenergiesysteme, das vom BUND beauftragt worden war. Allein dadurch werde die Durchschnittsfamilie in diesem Jahr mit 51,80 Euro belastet. Hinzu kämen weitere Vergünstigungen für Teile der Wirtschaft. Der BUND forderte, dass Unternehmen nur noch im Härtefall in den Genuss der Privilegien kommen dürften. Auch müssten begünstigte Firmen eine Mindest-Ökostrom-Umlage zahlen.

Nach einer von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage unterstützen zwar nach wie vor 82 Prozent der Deutschen den Ausstieg aus der Atomenergie und einen verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien. Bei der Umsetzung der Energiewende gibt es mit 48 Prozent Kritikern aber eine größere Zahl als die Gruppe der Unterstützer, die 40 Prozent umfasst. Schuld daran seien die steigenden Energiekosten. Bei der Frage nach den Nachteilen der Energiewende nannten demnach 52 Prozent die höheren Preise.

"Korrekturen in der Umsetzung nötig"

Der Chef des vzbv, Gerd Billen, forderte die Regierung auf, die Akzeptanz der Energiewende nicht zu verspielen. "Damit die Stimmung nicht kippt, sind jetzt Korrekturen in der Umsetzung nötig. Die Energiekosten dürfen nicht weiter steigen", erklärte Billen. Die vom BUND kritisierten Subventionen für energieintensive Unternehmen lehnten 62 Prozent der Befragten ab.

Auch die Industrie indes bewertet die Umsetzung der Energiewende kritisch. In einer Umfrage für den Bundesverband der deutschen Industrie gaben die Unternehmen der Politik nur die Schulnote vier minus für das Management der Energiewende. Demnach bewertete die Hälfte der Manager die Arbeit sogar mit einem "mangelhaft" oder "ungenügend". Lediglich 3,4 Prozent der Unternehmen gaben der Politik die Note "gut" oder "sehr gut".

AFP

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