Flugchaos bei Ferienflieger

Dobrindt: Passagiere sollen sich gegen Tuifly wehren

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Bei Tuifly und Air Berlin sind 108 Flüge gestrichen worden. Nun ruft Minister Dobrindt die Passagiere dazu auf, ihre Ansprüche geltend zu machen.

Stuttgart - Beim Tuifly-Chaos sollen nicht die Kunden die Zeche zahlen: Passagiere von Tuifly sollen ihre Ansprüche geltend machen, so Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Für den Touristikkonzern könnte das teuer werden.

Verlorene Stunden am Flughafen, leere Check-in Schalter, rund 9700 Passagiere sitzen am Freitag an ihrem Urlaubsort oder am Flughafen fest: Denn Tuifly hat 108 Flüge in Ferienregionen und zurück, gestrichen. Bereits in den seit Anfang der Woche sind viele Flüge ausgefallen. Doch der Konzern will die betroffenen Urlauber für dieses Chaos nicht entschädigen. Stattdessen sieht Tuifly die massenhaften Krankmeldungen als höhere Gewalt an.

Dobrindt ruft dazu auf, Ansprüche geltend zu machen

Denn extrem kurzfristige Krankmeldungen der Crewmitglieder hätten zu den massiven Flugausfällen geführt. Auch am Flughafen München sind am Freitag sieben Flüge von Tuifly ausgefallen. Doch Minister Dobrindt rief die geschädigten Urlauber bei der Verkehrsministerkonferenz am Freitag dazu auf, Schadenersatzansprüche bei dem Ferienflieger anzumelden. 

Das sagen Twitter-User zum Flugchaos.

Betroffen war und ist auch Air Berlin, denn ein Drittel der Tui-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner. Es sei keine akzeptable Situation, die man gerade vorfinde, sagte Dobrindt. Er forderte alle Beteiligten zu raschen Gesprächen auf. Der Konflikt dürfe nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden. Auch Reisebüros haben enormen Aufwand wegen den Flugausfällen bei Tuifly.

Tuifly weigert sich, seine Passagiere zu entschädigen

Eine Tui-Sprecherin erklärte daraufhin zwar, dass Kunden ein Recht auf die Erstattung des Reisepreises hätten. Daraus entstünden aber keine weiteren Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche, wie BILD berichtet. 

Jan Wilsche, Reiserechtsexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg sieht das anders: Wenn der eigene Flug gestrichen wird, stehe dem Passagier je nach Entfernung eine Entschädigung bis zu 600 Euro zu. Wenn die Fluggesellschaft die Ansprüche ablehnt oder nicht reagiert, können sich die Fluggäste an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr unter www.soep-online.de wenden.

„Go sick“ - kein zulässiger Arbeitskampf

Massenhafte Krankmeldungen von Arbeitnehmern als Druckmittel auf den Arbeitgeber sind als Streitfälle vor Gericht eher die Ausnahme. In der jüngsten Vergangenheit hatte kein Arbeitsgericht über eine derartige Auseinandersetzung zu entscheiden. „Es ist völlig unumstritten, dass eine vorgetäuschte Erkrankung eine erhebliche Pflichtverletzung im Arbeitsverhältnis darstellt“, sagt der Sprecher des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt, Waldemar Reinfelder. Dabei sei es egal, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder sich Arbeitnehmer dazu verabreden.

Die letzten höchstrichterlichen Entscheidungen zu dem Phänomen Massenerkrankungen stammen aus den 1970er Jahren. 1973 wollten die damals noch verbeamteten Fluglotsen durch verabredetes langsames Arbeiten („go slow“) und haufenweise Krankmeldungen („go sick“) Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter erzwingen. Beamte dürfen nicht streiken.

Das Bundesverwaltungsgericht erklärte ein solches Verhalten 1977 für rechtswidrig (I DB 12.77).

dpa/ans

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