Wissenschaftler wettert: "Griechen werden falsch bewertet"

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Wirtschaftswissenschaftlers Heiner Flassbeck ist erboßt über die Ausrichtung der Situation in Griechenland.

Berlin - Die wirtschaftliche und finanzielle Situation Griechenlands wird nach Einschätzung des renommierten Wirtschaftswissenschaftlers Heiner Flassbeck völlig falsch bewertet.

Positive Aspekte wie die Investitionstätigkeit würden völlig ignoriert, sagte er am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Dabei griff Flassbeck die Ratingagenturen scharf an: “Die Ratings von Ländern gehören nicht in die Hände irgendwelcher privater Agenturen, die unter dubiosen Umständen ihre Urteile fällen“. Flassbeck, der Chefvolkswirt der UN-Handelsorganisation Unctad ist, plädierte dafür, unabhängige Stellen mit der Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Landes zu betrauen. Momentan bezahle derjenige, der ein Papier vergebe, auch die Ratingagentur. “Das ist ein ganz klarer Interessenkonflikt, der da entsteht, und das darf nicht länger passieren“.

Am meisten in Maschinen und Ausrüstung investiert

Denkbar sei es, die privaten Ratingagenturen ganz abzuschaffen. Dann hätten die Banken die Pflicht, “selbst hinzugucken und sich zu überlegen, was in dem Produkt drinsteckt“. Es stehe außer Frage, dass in Griechenland Fehler gemacht worden seien, sagte Flassbeck. Allerdings werde völlig übersehen, dass das Land in den vergangenen zehn Jahren von allen Euro-Ländern mit Abstand am meisten in Maschinen und Ausrüstung investiert habe. “So etwas Positives wird überhaupt nie erwähnt.“

"Alle negativen Sachen werden zusammengetragen"

Es würden aber alle negativen Sachen zusammengetragen und zu einem Urteil zusammengefasst nach dem Motto: “Griechenland ist pleite, und das weiß doch jeder. Das ist unverantwortlich.“ Diese Entwicklung werde noch verstärkt durch den “Herdentrieb der Märkte“ und durch Ratingagenturen, die der Stimmung hinterherliefen, sagte Flassbeck. Von einem Bankrott Griechenlands könne man nicht reden. Dem Land sollte ein Übergangskredit gewährt werden, da es derzeit auf den “unvernünftigen Märkten kein vernünftiges Kapital“ bekomme. Flassbeck schlug eine gemeinsame Anleihe der Euro-Länder vor. “Das ist das einzig Vernünftige, das hätte man vor einem Jahr schon machen können.“

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