Rettungspaket sorgt für Unruhe

Zypern-Hängepartie belastet Finanzmärkte

+
In Tokio schloss der Nikkei-Index mit einem Minus von 2,71 Prozent.

Frankfurt/Main/Nikosia - Üblicherweise sorgen Euro-Rettungspakete für Ruhe an den Finanzmärkten. Im Falle Zyperns ist das anders...

Der Schock über die geplante Zwangsabgabe auf zyprische Bankeinlagen hat die Finanzmärkte am Montag erschüttert. Der Euro brach am Montagmorgen massiv ein. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung sackte kurzzeitig bis auf 1,2881 Dollar ab und damit auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Die Aktienmärkte starteten in Europa mit deutlichen Abschlägen, konnten diese aber in den ersten 30 Handelsminuten reduzieren. Zuvor waren die asiatischen Börsen regelrecht abgestürzt.

Am Nachmittag soll das Parlament des kleinen Eurolandes über die umstrittene Maßnahme abstimmen und die Mehrheit gilt bislang als ungewiss. Experten warnen vor Ansteckungseffekten und neuer Marktpanik im Euroraum.

Zeitungsbericht sorgt für leichte Beruhigung

Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge arbeitet Zypern wegen der Proteste vor allem der Kleinsparer auf der Insel an einem neuen Modell, bei dem Reiche stärker belastet werden sollen. Im Gegenzug sollen geringe Guthaben nicht mehr so stark belastet werden. An den Märkten sorgte der Bericht für etwas Beruhigung. Die Verluste beim Euro und an den Aktienmärkten verringerten sich. Der Euro stieg zuletzt wieder deutlich über die Marke von 1,29 Dollar.

Der Dax verlor zuletzt 1,32 Prozent auf 7936,36 Punkte - zur Handelseröffnung war der Index noch um 1,75 Prozent auf 7901 Zähler abgerutscht. Sichere Häfen wie der amerikanische Dollar, der japanische Yen oder der Schweizer Franken erhielten deutlichen Zulauf.

In Tokio schloss der Nikkei-225-Index mit einem Minus von 2,71 Prozent auf 12 220,63 Punkte. Der länderübergreifende MSCI Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan enthält, sank um 2,06 Prozent auf 862,57 Punkte.

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer: Instrumente gegen Euro-Krise

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer: Instrumente gegen Euro-Krise

Gold war dagegen als sichere Anlage gesucht. Zu Wochenbeginn stieg der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) erstmals seit Ende Februar über die Marke von 1600 Dollar. In der Spitze kostete das gelbe Edelmetall auf gut 1.608 Dollar. Das waren rund 16 Dollar mehr als am Freitag.

An den Anleihemärkten stiegen die Renditen für Papiere der Euro-Krisenländer. Die Risikoaufschläge für Staatspapiere aus den Krisenländern legten um mehr als 20 Basispunkte zu. Die Kosten für Versicherungen gegen Zahlungsausfälle der angeschlagenen Eurostaaten zogen ebenfalls massiv an.

Ökonomen warnen, dass Anleger und Bankkunden aus Angst vor repressiven Maßnahmen auch in anderen Ländern ihre Ersparnisse in Sicherheit bringen könnten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's hat die angepeilte Zwangsabgabe in Zypern nicht nur für heimische Bankkunden schwerwiegende Folgen. Auch für Gläubiger von Banken anderer europäischer Länder ergäben sich negative Implikationen, schreibt die Agentur in einem Bericht vom Montag. Unter anderem erhöhe die Entscheidung der Eurogruppe vom Wochenende das Risiko der Kapitalflucht aus anderen Euro-Krisenländern.

dpa

Meistgelesene Artikel

Schickedanz-Milliardenstreit: Erneute Verschiebung

Immer wieder hat das Kölner Landgericht seine Entscheidung im milliardenschweren Klagefall Schickedanz verschoben. Ein außergerichtlicher Vergleich …
Schickedanz-Milliardenstreit: Erneute Verschiebung

Was Trumps Warnung für deutsche Autobauer bedeutet

Berlin/München - Kurz vor seinem Amtsantritt hat Donald Trump die deutschen Autobauer abgewatscht, namentlich BMW. Doch was bedeutet das für die …
Was Trumps Warnung für deutsche Autobauer bedeutet

Möbelmesse IMM in Köln gestartet - "Faulheit sells"

Köln (dpa) - Die internationale Möbelmesse IMM hat in Köln begonnen. Bis Sonntag werden etwa 150 000 Besucher erwartet. In den ersten vier Messetagen …
Möbelmesse IMM in Köln gestartet - "Faulheit sells"

Kommentare