Fiat will doch alle vier Opel-Werke erhalten

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Sergio Marchionne würde nun doch alle vier Opel-Standorte behalten.

Berlin - Fiat-Chef Sergio Marchionne will nun doch alle vier Opel-Werke erhalten. Jetzt warten alle auf ein Angebot von Magna.

Fiat-Chef Sergio Marchionne will nach einem Einstieg beim angeschlagenen Autobauer Opel nun doch alle vier Werke in Deutschland erhalten, sich aber von Mitarbeitern trennen. “Wir wollen keines der vier Opel-Werke in Deutschland schließen. (...) Aber natürlich müssen die Belegschaften verkleinert werden“, stellte er in einem Interview der “Bild“-Zeitung klar.

Das Bundeswirtschaftsministerium begrüßte es am Dienstag, dass Marchionne den Fortbestand aller vier Opel-Standorte garantieren könne. Wann der Autozulieferer Magna als weiterer Opel-Interessent sein detailliertes Konzept für einen Einstieg vorlegt, bleibt unterdessen weiter offen.

"Streng geheim": Zehn Fabriken sollen geschlossen werden

Laut der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) will Fiat nach einer Übernahme von Opel und anderen europäischen GM-Aktivitäten zehn Fabriken in Europa schließen. Davon betroffen seien zusammengerechnet etwa 18.000 Beschäftigte, wie aus einem internen “streng geheimen“ Strategiepapier vom 3. April hervorgehe. “Ganz oder teilweise geschlossen werden soll die Produktion von Motoren und Getrieben in Kaiserslautern, Rüsselsheim und Bochum“, schreibt die Zeitung. Dort seien insgesamt 3600 Menschen beschäftigt. Die Endmontage in Deutschland sei hingegen nicht betroffen. Die Hauptlast der geplanten Einsparungen bei den Autofabriken trügen demnach England mit der Opel-Schwestergesellschaft Vauxhall und Italien.

Am Montag hatte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach einem Gespräch mit Marchionne erklärt, Fiat wolle die Endmontagewerke von Opel in Rüsselsheim, Eisenach und Bochum erhalten. Das Motorenwerk im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern könnte aber von “Konsolidierungsmaßnahmen“ betroffen sein. Dies war auf Kritik bei Betriebsräten und in der SPD gestoßen. Marchionne sagte anschließend der “Bild“-Zeitung (Dienstag), die Werke müssten effizienter werden. Auf eine genaue Zahl beim Abbau von Arbeitsplätzen wollte er sich aber nicht festlegen.

Große Bedenken

Zu den Bedenken des Opel-Betriebsrates und der Gewerkschaften sagte Marchionne: “Opel kann in seiner jetzigen Größe niemals Geld verdienen und wenn man kein Geld verdient, kann man nicht überleben. Ich verstehe die Ängste der Gewerkschaften - aber so ist die Realität.“ Laut Guttenberg geht es europaweit um einen Finanzbedarf von schätzungsweise fünf bis sieben Milliarden Euro, der über Bürgschaften gedeckt werden könnte. Der Anteil Deutschlands ist offen.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) bezeichnete das Fiat-Konzept laut “Süddeutsche Zeitung“ (Dienstag) als “nicht akzeptabel“. Sein Land werde sich dagegen wehren. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles forderte im Südwestrundfunk (SWR) eine Beschäftigungsgarantie. IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte in Berlin, er sehe die Bedenken gegenüber Fiat durch das neue Interview mit dem Fiat-Chef nicht aus dem Weg geräumt.

Warten auf Magna

Guttenberg wartet nun auf ein detailliertes Konzept des kanadisch- österreichischen Autozulieferers Magna. Dieser bestätigte am Dienstag sein Interesse an einer Partnerschaft mit Opel. Es gehe um mögliche Alternativen für die Zukunft von Opel, einschließlich einer Minderheitsbeteiligung, teilte der Konzern mit. Magna-Chef Frank Stronach sagte der kanadischen Zeitung “Globe and Mail“, sein Konzern wolle sich an Opel definitiv mit weniger als 20 Prozent beteiligen. Zu möglichen Partnern für das Magna-Angebot äußerte sich Stronach nicht.

Spekulationen zufolge könnten sich der russische Autobauer GAZ, der mit Magna verbunden ist, mit der staatlichen russischen Sberbank an Opel beteiligen. Nach Einschätzung von Gennadi Suchanow von der Moskauer Investmentbank Troika Dialog ist dies wenig wahrscheinlich. GAZ kämpfe ums Überleben. Sberbank verweigert bislang jeden Kommentar. GAZ dementierte wiederholt, Opel-Pläne zu haben.

Einige Politiker, Experten und Opel-Betriebsräte würden Magna als Opel- Partner vorziehen. Bei einer Übernahme durch Fiat befürchten sie Einschnitte, da es Überschneidungen in der Produktionspalette geben könnte. Die Opel-Mutter GM unterhält in Deutschland vier Standorte. Insgesamt sind dort rund 25.000 Menschen beschäftigt. In Kaiserslautern arbeiten etwa 2400 Menschen in einem Komponentenwerk und rund 1100 Mitarbeiter in der Motorenfertigung. GM hatte in den vergangenen Jahren einen Partner für Kaiserslautern gesucht, der sich an dem Komponentenwerk beteiligen oder es komplett übernehmen sollte. Allerdings waren diese Bemühungen ohne Erfolg geblieben. Der Fiat-Chef will die Autosparte seines Konzerns ausgliedern und mit Chrysler sowie Opel zusammenlegen. Dabei soll der zweitgrößte Autokonzern der Welt entstehen. Laut Guttenberg fällt die Entscheidung über das Schicksal der Opel-Werke möglicherweise noch im Mai.

dpa

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