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Studien zum 9-Euro-Ticket: Die meisten Autofahrer fahren lieber mit eigenem Auto

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Von: Ömer Kayali

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Zur Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs mit dem 9-Euro-Ticket liegen erste Studienergebnisse vor. Diese zeigen, dass es sich nur minimal auf die Nutzung privater PKW auswirkt.

Das Ziel des 9-Euro-Tickets ist als Entlastung für die gestiegenen Energiekosten angedacht. Auch für Autofahrer sollten die öffentlichen Verkehrsmittel eine attraktive Alternative sein, da die Benzinpreise in den vergangenen Monaten in die Höhe schossen. Nun befinden wir uns im letzten Monat, in dem das vergünstigte Ticket verfügbar ist. Mehrere Studien haben die Nutzung untersucht und sind zu interessanten Ergebnissen gekommen. Demnach bevorzugen die meisten Autofahrer trotz des günstigen 9-Euro-Tickets ihr eigenes Fahrzeug.

9-Euro-Ticket wird für zusätzliche Fahrten genutzt und nicht als Auto-Alternative

Linie 19 und Porsche begegnen sich auf der Maximilianstrasse.
Trotz des günstigen Angebots dank dem 9-Euro-Ticket haben viele Autofahrer ihr eigenes Fahrzeug meist bevorzugt. © Wolfgang Maria Weber/Imago

Philipp Kosok vom Interessenverband Agora Verkehrswende erklärt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass die vorliegenden Daten darauf hindeuten, „dass mit dem 9-Euro-Ticket mehr Verkehr erzeugt und vor allem kaum verlagert wird.“ Die Datenlage sei aber nach wie vor sehr dünn.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fällt ein ähnliches Urteil. Circa ein Viertel der angetretenen Fahrten wäre ohne das Ticket gar nicht erst gemacht worden, ermittelte der VDV. Es handelt sich also um zusätzliche Reisen und nicht um Ersatzfahrten, die sonst mit dem Auto gemacht worden wären.

Rund drei Prozent der Autofahrer sind auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen

Christian Böttger, Bahn-Experte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), erklärt, dass die Verlagerung der Autonutzung auf den ÖPNV bestenfalls bei zwei bis drei Prozent liege. Doch laut Dr. Allister Loder von der Technischen Universität München (TUM) ist dies – zumindest für die Stadt München – ein erfreuliches Ergebnis. „Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied, aber dass es diese Änderung im Jahreszeitraum gibt, ist außergewöhnlich“, so Dr. Loder von der TUM. Normalerweise würde die Dichte im Straßenverkehr im Juni in München eher ansteigen.

So steht es um ein Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket

Das 9-Euro-Ticket hat gezeigt, dass es nicht nur der günstige Preis ist, der das Angebot so attraktiv macht, sondern auch die Einfachheit. Ein Nachfolgeangebot steht derzeit zur Debatte, das allerdings teurer ausfallen würde. Grünen-Politikerinnen und -Politiker haben zum Beispiel ein Regionalticket für 29 Euro und ein bundesweit gültiges Ticket für 49 Euro vorgeschlagen.

Doch aus Sicht der Forschenden ist der Preis eines ÖPNV-Tickets für den langfristigen Erfolg der Verkehrswende nicht ausschlaggebend. „Wenn wir wirklich stabiles Wachstum wollen im Öffentlichen Verkehr, dann müssen wir vor allem die Kapazitäten entsprechend erweitern“, sagt HTW-Experte Böttger. „Was wir gesehen haben, ist, dass das System wirklich am Anschlag ist.“ Böttger geht allein für den Eisenbahnverkehr von einem Investitionsstau beim Neu- und Ausbau von rund 150 Milliarden Euro aus - eingerechnet der Baukosteninflation der vergangenen Jahre. „Die Regierung ist weit, weit davon entfernt, diese Investitionen bereitzustellen.“ (mit Material der dpa)

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