OLG-Urteil

Wer haftet bei Abbiege-Unfall mit Geister-Radler?

Nach Unfällen zwischen Radlern und Autofahrern kommt es oft zum Streit. Nun hat das Oberlandesgericht Saarbrücken in einem Urteil zu Gunsten einer Geister-Fahrradfahrerin entschieden.

Ein abbiegender Autofahrer haftet vollkommen für einen Zusammenstoß mit einem Radfahrer auch dann, wenn dieser den Radweg entgegen der Fahrtrichtung fährt. Dies hat das Oberlandesgericht Saarbrücken entschieden (Az. 4 U 69/14).

Wie die Deutsche Anwaltshotline berichtet, fuhr eine Frau auf einem Radweg entgegen der Fahrtrichtung. Ein Laster, der rückwärts in eine Hofeinfahrt einbiegen wollte, übersah die Radfahrerin. Daraufhin kam es zum Zusammenstoß und die Frau wurde von ihrem Fahrrad geschleudert. Obwohl sie einen Helm trug, erlitt sie einen Schädelbasisbruch. Sie verlangte deshalb Schadenersatz für alle entstandenen und zukünftigen Schäden ihres Sturzes. Der Lkw-Fahrer weigerte sich allerdings, schließlich sei die Frau entgegen der Fahrtrichtung unterwegs gewesen.

Das Oberlandesgericht Saarbrücken erklärte die Ansprüche der Klägerin für berechtigt. Es sei nicht von Bedeutung sei, dass die Frau entgegen der Fahrtrichtung unterwegs gewesen war. Der Lkw-Fahrer habe in dieser Situation sich nicht daran gehalten als Abbieger allen anderen Richtung Vorfahrt zu gewähren. Er hätte sich nötigenfalls einweisen lassen müssen, um einen Unfall zu vermeiden. Er muss deswegen sämtliche Kosten des Unfalls übernehmen.

ampnet/nic

Crash-Test mit Radfahrer: Das passiert beim Aufprall

Fahrradunfall: Das passiert beim Aufprall
2012 gab es in Deutschland 74.961 Unfälle mit Radfahrern und Personenschaden. Dabei wurden 417 Menschen getötet, 14.496 schwer verletzt und 64.835 leicht verletzt. Innerorts ist jeder vierte Getötete im Straßenverkehr ein Radfahrer. 54 Prozent der getöteten Radfahrer waren über 65 Jahre alt. © UDV
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Es ist nur ein Blick, doch falls Autofahrer diesen Schulterblick vergessen, sind die Folgen oft dramatisch. Radfahrer haben selbst bei Tempo 20 keine Chance, wenn ein Autofahrer sie beim Abbiegen übersieht. Was beim Aufprall passiert, zeigt jetzt die Unfallforschung der Versicherer (UDV) bei einem Crashtest. © UDV
Fahrradunfall: Das passiert beim Aufprall
Rechtsabbiegende Autos sind für geradeausfahrende Radfahrer besonders gefährlich, so das Ergebnis der UDV-Studie. Eine Unfallart, die fast ausschließlich vom Autofahrer verursacht wird und in 80 Prozent der Fälle mit Verletzten endet. © UDV
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In 90 Prozent hatten die Autofahrer Schuld am Crash. © UDV
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Häufigste Fehler der Autofahrer: Fehler beim Abbiegen, Nichtbeachten der Vorfahrt und Einfahren in den fließenden Verkehr. © UDV
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Häufigste Fehler der Radfahrer: falsche Fahrbahn oder falsche Straßenseite, Alkohol und Einfahren in den fließenden Verkehr. © UDV
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Schulterblick und bei schlechter Sicht mehrmals zu schauen - das allein könnten, laut der Studie, Fahrradunfälle verhindern.   © UDV
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Auch Radfahrer sollten zur eigenen Sicherheit auch auf Vorfahrtsrecht verzichten. © UDV
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Wenn's kracht, verletzten sich Radfahrer an Beinen und Armen. Teilweise gibt es ganz schwere Brustkorbverletzungen, dabei wird dann die Lunge eingedrückt. Und das ist lebensbedrohlich. In jedem vierten Fall kommt es auch zu einer schweren Kopfverletzung, insbesondere dann, wenn der Radfahrer keinen Helm getragen hat. © UDV

Rubriklistenbild: © dpa

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