ADAC: Ältere Autofahrer sind kein Unfallrisiko

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Vorfahrt für Senioren am Steuer (Symbolbild)

München - Am Sonntag hatte ein 81-jähriger Geisterfahrer auf der A14 in Sachsen einen Unfall mit drei Toten verursacht. Rufe nach verstärkten Kontrollen werden laut. Doch der ADAC wiegelt ab.

Rentner rast in Fußgängergruppe, 72-Jähriger übersieht Radfahrer - immer wieder sorgen Senioren als Verursacher schwerer Verkehrsunfälle für Schlagzeilen.

Doch Experten sehen in Kontrollen wenig Sinn. “Jemand mehr zu kontrollieren, nur weil er älter ist, halte ich für fragwürdig“, sagte ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. “Das gibt auch die Statistik nicht her.“

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Aktuellen Erhebungen zufolge sind gut 20 Prozent der Deutschen über 65 Jahre alt, aber nur 13 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten oder Toten werden von dieser Gruppe verursacht. Dagegen gehe rund ein Viertel dieser Unfälle auf 18- bis 25-Jährige zurück. Diese Altersgruppe mache aber nur 8 Prozent der Bevölkerung aus. “Gerade bei den Jungen spielt Alkohol und Unerfahrenheit eine große Rolle. Ältere hingegen sind oft vernünftiger und schätzen ihre Fahrfähigkeiten besser ein“, betonte Chiellino.

Auch nach Ansicht des Mobilitätsforschers Georg Rudinger vom Zentrum für Alternskulturen an der Universität Bonn stehen vermehrte Kontrollen oder Tests von Älteren nicht im Verhältnis zum Aufwand. Senioren hätten zwar altersbedingte Defizite wie nachlassendes Sehvermögen oder schlechtere Motorik. Sie seien sich in der Regel aber dieser Schwächen bewusst und entwickelten Strategien, um diese zu kompensieren. “Da werden dann Fahrten bei Nacht, schlechtem Wetter oder zur Hauptverkehrszeit vermieden“, sagte Wissenschaftler.

Das sind die nervigsten Autofahrer

Autofahrer Verkehrssünder
Straßenrambos geben Gas oder drängeln, andere blockieren hartnäckig die Mittelspur. Hinterm Steuer bauen viele beruflichen und privaten Stress ab. Diese Autofahrer sind echt nervig: © dpa
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1. Auffahrer: Obwohl ungenügender Sicherheitsabstand ein gravierendes Unfallrisiko ist, klebt der anderen immer an der Stoßstange. Im Crashtest bei Tempo 100 kann selbst ein Profi hinterm Steuer nicht mehr reagieren, wenn der Vordermann plötzlich bremst. Die Regel lautet: "Abstand = halber Tacho". © dpa
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2. Straßenrambo: Der Drängler gibt auf der Autobahn Vollgas. Mit Lichthupe kämpft er sich die linke Spur frei. Sie halten die linke Spur für eine reine Überholspur. © dpa
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3. Mittelspur-Blockierer: Die Mitttelspur ist ihre Heimat. Egal, ob die Autobahn frei ist oder das Tempo auf der rechten Spur höher ist. © dpa
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4. Blinkmuffel: Abbbiegen, wenn es einem gefällt. Vielleicht brennt ja ein Lämpchen durch, wenn man zuviel blinkt? Oder schont das Nicht-Blinken die Batterie?  © dpa
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5. Gehweg-Blockierer: Diese Autofahrer denken sie stehen in der Rangordnung des Straßenverkehrs an oberster Stelle. Fußgänger oder Radfahrer haben sich unterzuordnen. © dpa
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6. Parkplatz-Blockierer: Dem Parkplatz-Blockierer gehört scheinbar die ganze Welt oder möglichst viel Raum. Warum nur einen Parkplatz belegen, wenn man mindestens zwei haben kann? Markierungen auf dem Asphalt übersieht er gnadenlos. © dpa
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7. Einfädel-Ignorierer: Bis zum Ende der Spur durchfahren, dann einfädeln, so lautet die Regel. Auch wenn Stauexperten immer wieder und wieder dazu raten, stößt diese Empfehlung bei vielen Autofahrern auf taube Ohren. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
8. Musik-Mobil: Der Bass wummst und selbst bei geschlossenen Türen und Fenstern ist der Sound aus dem Auto unüberhörbar. Lautes Musikhören kennt übrigens keine Altersgrenzen. © dpa
Ampel
9. Der Farbenblinde: Die Ampel steht nur kurz auf grün, doch das stört den Farbenblinden kaum. Falls er dann endlich mal langsam über die Kreuzung rollt, ist er der Einzige. © dpa
Scheibenwischer
10. Scheibenwischer-Fans: Diese Autofahrer stehen auf einen klaren Durchblick. Die Wischanlage ist immer im Einsatz: bei Tempo 50 in der Stadt oder auf der Autobahn. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
11. Vorfahrt-Erzwinger: Kreuzungen in Wohngebieten sind ihr Revier. Sie schleichen sich freundlich an und setzten dann knallhart ihren Willen durch. © dpa

Sinnvoller wäre es, wenn ältere Menschen in den Hausarztpraxen mehr auf die Risiken für den Straßenverkehr durch Krankheiten oder Medikamenteneinnahme hingewiesen würden. Auch könnten Ärzte vermehrt an die Selbstverantwortung der Betroffenen appellieren, sagt Rundinger. Problematisch sei aber die politische Umsetzung und die Kostenerstattung solcher Beratungen.

dpa

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