Fahrbericht

Klein und fein - Audi A1 Sportback

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Das Urteil von Autor Andreas Liegsalz nach dem zweiwöchigem Test des Audi A1 Sportback: „1A“

Kommte es wirklich auf die Größe an? Die Maße des Audi A1 Sportback sind überschaubar, Grund genug den Kleinen einmal Probe zu fahren. Lesen Sie hier den Fahrbericht.

Eines gleich vorweg: Ich bin ein Fan der vier Ringe. Seit ich vor gut 20 Jahren meinen ersten A4 bekam, bin ich der Marke Audi mehr oder weniger treu geblieben. Und nun also der Test des kleinsten Ingolstädters: Der Audi A1 Sportback, ein Miniviertürer, ein Kleinwagen. Wobei es Kleinwagen nicht trifft. Der A1 ist nur in den Ausmaßen klein (3,95 Meter lang, 1,75 Meter breit), sonst aber ganz groß.

Das Cockpit: Übersichtlichkeit und Ästhetik.

Schon beim ersten Einsteigen wird klar: Hier fühle ich mich wohl. Ein ergonomisch geformter Sitz, ein trotz vieler Extras übersichtliches Cockpit, beste Verarbeitung und Materialqualität. Und eine Ausstattung wie bei den großen Brüdern. Das überzeugt noch vor dem Start und bestätigt sich, sobald der 1,4-Liter-Benziner mit seinen 122 PS schnurrt wie ein Kätzchen. Selbst wenn man der Versuchung nachgibt und den Bleifuß einsetzt, wird daraus noch kein Gebrüll. Die Verarbeitung ist so gut, die Dämmung so effektiv, dass die Lautstärke des Radios bei höherer Geschwindigkeit nicht zusätzlich hochgedreht werden muss. Dabei geht der Kleine mit seinem gut übersetzten 7-Gang-S-Doppelkupplungs-Getriebe ab wie der Teufel. Und wenn die Beschleunigung gerade beim Überholvorgang einmal nicht ausreicht: Mit einem Einsatz des Kippschalters am Multifunktionslenkrad lässt sich die Automatik kurzfristig überlisten.

Wenn der A1 dann einmal Autobahnasphalt unter die 17-Zoll-Räder bekommt, geht der Fahrspaß weiter. Da sind Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h kein Problem für Motor, Karosserie und Fahrwerk. Da rauscht nichts, da klappert nichts und da zappelt nichts. Der A1 liegt wie ein Brett auf dem Asphalt, was er auch auf kurvigen Landstraßen nachweist. Der Wagen übersteuert nicht, der Frontantrieb sorgt jederzeit für beste Straßenlage – auch bei glatter und schmieriger Fahrbahn.

Audi A1 Sportback 1,4 TFSI

Leistung: 122 PS
Max. Drehmoment bei U/min: 200 Nm bei 1500–4000
Höchstgeschw.: 203 km/h
0 auf 100 km/h: 9,0 sek.
Hubraum: 1390 ccm
Verbrauch EU-Drittelmix:
5,4 l/100km (laut Hersteller)
Leergewicht: 1.200 kg
Max. Zuladung: 415 kg
Basispreis: 18.500 Euro

Apropos schmierig: Bei Nässe überzeugt auch die Scheibenwischeranlage mit Regensensoren, die selbstregelnd jederzeit dafür sorgen, dass man beim Überholen eines Lastwagens nicht urplötzlich im Dunkeln steht. Überhaupt ist die Elektronik genauso ausgereift wie der Rest. Das Start-Stopp-System garantiert ein umweltschonendes Fahren, reduziert unseren Test-Verbrauch von 7,2 Litern pro 100 Kilometer aber nicht wesentlich. Daneben weist ein prima MMI-Navigationssystem den richtigen Weg und kann mit Multimedia-Bausteinen bis hin zur Highend-Zentrale mit Bluetooth-Autotelefon online erweitert werden. Eine Klimaautomatik fällt im Gegensatz zum manuellen System unter die Rubrik Sonderausstattung. Wobei Sonderausstattung bei Audi ein besonderes Thema ist: Man kann für den A1 alles haben, was A4, A6 oder A8 und die anderen Großen bieten, aber man muss es auch bezahlen. Da sind 5000 Euro Zusatzkosten schnell zusammen. Nimmt man einen Basispreis von rund 20.000 Euro für unser Testfahrzeug und rechnet die Mehrwertsteuer dazu, ist man bei 30000 Euro: zu teuer.

So groß kann klein sein: Die Ausmaße des A1 Sportback sind überschaubar, dafür sind Handling, Fahrspaß und Komfort riesig.

Ansonsten hat der Zwerg von der Donau aber kaum Schwächen. Klar, ein Kofferraum ist bei einem Kleinwagen nicht unbedingt für mehrere Koffer gedacht, auch wenn die zweiteilig umklappbare Rückbank ein erweitertes Beladen relativ einfach macht. Ohne Umbau gilt: ein Tragl Bier, ein Kasten Wasser – und voll ist’s. Für vier Erwachsene wird sich das ansonsten gute Reisegefühl nicht einstellen, zumindest nicht für erwachsene Fahrgäste im Fond. Da fehlt es bei Menschen über einsachtzig sowohl an Bein- als auch an Kopffreiheit. Und noch zwei kleine Flecken auf der sonst fast makellosen Weste: Die Mittelarmlehne behindert im heruntergeklappten Zustand eine einwandfreie Bedienung der Sicherheitsgurte, und die Heckklappe lässt leider eine Hyraulik vermissen, was das Öffnen und Schließen etwas mühevoll macht.

Der Audi A1 als Sportback

Der Audi A1 als Sportback

Der Gesamteindruck des A1 Sportback ist dennoch 1A. „Fein sein, beinanda bleibn“ wird auch hier zum Herzenswunsch. Doch das Aufwachen aus dem A1-Traum ist ein wenig schmerzlich: Klein! Fein! Mein? - Leider nein.

ALi

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