Erfahrung am Steuer ersetzt keinen Sehtest

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Im Blindflug durch das Dämmerlicht: Autofahrer mit Sehschwäche.

Unscharfe Straßenschilder oder blendende Scheinwerfer - gerade Nachts beim Autofahren sind Unterschiede und Details wichtig. Doch viele sitzen trotz Sehschwäche hinterm Steuer.

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Autofahrer müssen mit 50 zum Sehtest

Nur Topfit werden Höchstleistungen erbracht. Was für Sportler gilt, gilt auch für Autofahrer. Im Umkehrschluss heißt das: Gesundheitliche Probleme können die Fahrtüchtigkeit einschränken und damit die Verkehrssicherheit gefährden. Augenleiden fallen dabei besonders ins Gewicht - vor allem nachts. “Schon gesunde Augen kommen bei Dunkelheit an ihr Limit“, erklärt Hannelore Hoffmann-Born von der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM).

Ist ein Fahrer noch vergleichsweise jung, können Sehschwächen in der Regel mit einer Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden, so Hoffmann-Born. Doch mit steigendem Alter verschärfen sich die Augenprobleme: Dann drohen Einschränkungen, die medizinisch nicht mehr kompensiert werden können.

Das sind die nervigsten Autofahrer

Autofahrer Verkehrssünder
Straßenrambos geben Gas oder drängeln, andere blockieren hartnäckig die Mittelspur. Hinterm Steuer bauen viele beruflichen und privaten Stress ab. Diese Autofahrer sind echt nervig: © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
1. Auffahrer: Obwohl ungenügender Sicherheitsabstand ein gravierendes Unfallrisiko ist, klebt der anderen immer an der Stoßstange. Im Crashtest bei Tempo 100 kann selbst ein Profi hinterm Steuer nicht mehr reagieren, wenn der Vordermann plötzlich bremst. Die Regel lautet: "Abstand = halber Tacho". © dpa
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2. Straßenrambo: Der Drängler gibt auf der Autobahn Vollgas. Mit Lichthupe kämpft er sich die linke Spur frei. Sie halten die linke Spur für eine reine Überholspur. © dpa
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3. Mittelspur-Blockierer: Die Mitttelspur ist ihre Heimat. Egal, ob die Autobahn frei ist oder das Tempo auf der rechten Spur höher ist. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
4. Blinkmuffel: Abbbiegen, wenn es einem gefällt. Vielleicht brennt ja ein Lämpchen durch, wenn man zuviel blinkt? Oder schont das Nicht-Blinken die Batterie?  © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
5. Gehweg-Blockierer: Diese Autofahrer denken sie stehen in der Rangordnung des Straßenverkehrs an oberster Stelle. Fußgänger oder Radfahrer haben sich unterzuordnen. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
6. Parkplatz-Blockierer: Dem Parkplatz-Blockierer gehört scheinbar die ganze Welt oder möglichst viel Raum. Warum nur einen Parkplatz belegen, wenn man mindestens zwei haben kann? Markierungen auf dem Asphalt übersieht er gnadenlos. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
7. Einfädel-Ignorierer: Bis zum Ende der Spur durchfahren, dann einfädeln, so lautet die Regel. Auch wenn Stauexperten immer wieder und wieder dazu raten, stößt diese Empfehlung bei vielen Autofahrern auf taube Ohren. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
8. Musik-Mobil: Der Bass wummst und selbst bei geschlossenen Türen und Fenstern ist der Sound aus dem Auto unüberhörbar. Lautes Musikhören kennt übrigens keine Altersgrenzen. © dpa
Ampel
9. Der Farbenblinde: Die Ampel steht nur kurz auf grün, doch das stört den Farbenblinden kaum. Falls er dann endlich mal langsam über die Kreuzung rollt, ist er der Einzige. © dpa
Scheibenwischer
10. Scheibenwischer-Fans: Diese Autofahrer stehen auf einen klaren Durchblick. Die Wischanlage ist immer im Einsatz: bei Tempo 50 in der Stadt oder auf der Autobahn. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
11. Vorfahrt-Erzwinger: Kreuzungen in Wohngebieten sind ihr Revier. Sie schleichen sich freundlich an und setzten dann knallhart ihren Willen durch. © dpa

“Im Alter erhöht sich die Blendempfindlichkeit“, nennt Hoffmann-Born ein Beispiel. Betroffene können Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge nicht mehr klar wahrnehmen, sondern nur mit einem Lichthof - im Extremfall ähnlich wie beim Blick durch eine Milchglasscheibe. Hinzu kommen laut der Medizinerin typische Altersleiden wie der Graue Star oder Beeinträchtigungen an Hornhaut, Linse oder Glaskörper.

Solchen Defiziten kann nur mit Einsicht begegnet werden: Wer um sein Leiden weiß, sollte noch defensiver als ohnehin empfohlen fahren oder auf Nachtfahrten ganz verzichten. Laut ADAC besteht bei rund einem Drittel der über 70-Jährigen auch ohne erhöhte Blendempfindlichkeit keine Fahreignung mehr bei Dunkelheit.

Erfahrung am Steuer ersetzt keinen Augenarzt

“Ich fahre seit Jahren unfallfrei“ - solche Argumente gesundheitlich eingeschränkter Fahrer will Hoffmann-Born nicht gelten lassen. Das Augenlicht lasse im Alter meist schleichend nach. “Man merkt selbst nicht, dass man immer schlechter sieht“, sagt sie.

Deshalb sei trotz Erfahrung am Steuer die medizinische Prophylaxe alternativlos: Ein Augenarzt kann zum Beispiel feststellen, ob ein Patient in der Dämmerung noch gut genug sieht. Oder ob die Wahrnehmung von Farben gestört ist, was man Protanopie und Protanomalie nennt. Denn wenn der rote Schein von Bremslichtern nicht gleich ins Auge fällt, werden Auffahrunfälle wahrscheinlicher.

Regelmäßiger Sehtest

Almut Schönermarck, Verkehrsmedizinerin beim ADAC, fordert deshalb wie Hoffmann-Born regelmäßige Sehtests: Bis zum 50. Lebensjahr sollten Autofahrer alle zehn Jahre beim Augenarzt vorstellig werden, danach alle zwei Jahre und ab 60 sogar jedes Jahr. Zurzeit ist das noch ein reiner Appell an die Vernunft jedes Einzelnen, denn der Pkw-Führerschein wird in Deutschland auf Lebenszeit ausgestellt. Die einmalige Vorlage der Bescheinigung einer amtlich anerkannten Sehteststelle vor der Prüfung reicht für die eine unbefristete Fahrerlaubnis aus.

Neben schlechten Augen können noch andere Gesundheitsprobleme Autofahrer in Gefahr bringen. Und die sind oft schwerer festzustellen als eine Sehschwäche - selbst für Mediziner. Die ADAC-Expertin erklärt: “Ein Hausarzt ist meist überfordert bei der Frage, wann ein Patient nach einem Krankenhausaufenthalt - etwa wegen eines Herzinfarkts - wieder fahren darf.“ Außerdem wüssten Ärzte oftmals nichts von ihrer Pflicht, Patienten bei der Behandlung über mögliche Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit aufzuklären.

Bei der Sache? Die Sünden hinterm Steuer

Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Eine Umfrage der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat ergeben, was Autofahrer hinterm Steuer ablenkt. © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Wenig überraschend ist, dass sich 92 Prozent mit ihrem Beifahrer unterhalten... © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
...ob dabei auch in voller Fahrt gestritten wird, und ob das Autofahrer ablenkt, ist aus der Umfrage leider nicht ersichtlich. © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Jeder zehnte Autofahrer kümmert sich während der Fahrt um die Körperpflege. © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Männer rasieren sich während der Fahrt.  © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Wimperntuschen oder... © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
...Lidschatten werden auch hinterm Steuer aufgetragen.  © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
82 Prozent bedienen das Radio. © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Doch jeder vierte Autofahrer bedient während der Fahrt das Navigationsgerät. © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Jeder Fünfte telefoniert oder tippt eine SMS.  © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Eine Zigarette qualmen 14 Prozent hinterm Steuer. © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Fast jeder Zweite isst oder... © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
...trinkt im Auto. Gerade junge Autofahrer sind demnach unterwegs häufig abgelenkt. © dpa
Die schlimmsten Sünden hinterm Steuer
Auch wenn es unbequem sein mag - sicherer ist: Rechts ran fahren und den Wagen abstellen oder auf Autobahnen einen Rastplatz aufsuchen, um sich zu orientieren oder zu telefonieren. © dpa

Auf Aufklärung angewiesen sind auch Autofahrer, die unter Diabetes mellitus, psychischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen und weiteren Erkrankungen leiden, sagt Hoffmann-Born. Auch dadurch sei die Fahrtüchtigkeit unter Umständen eingeschränkt: Zuckerkranke können plötzlich am Steuer bewusstlos werden, wenn sie während der Fahrt unterzuckern. Einige psychische Erkrankungen haben eine verstärkte Tagesschläfrigkeit zur Folge. Manische Patienten könnten durch Selbstüberschätzung für andere Verkehrsteilnehmer zur Gefahr werden.

Ob und wie sich Krankheitssymptome verbessern lassen, um die Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen, können am besten Verkehrsmediziner sagen, so Schönermarck. Einige Medikamente helfen durchaus, das Verkehrsrisiko durch Bluthochdruck, Diabetes oder psychischen Erkrankungen zu minimieren. Schönermarck empfiehlt Ratsuchenden, sich bei den örtlichen Führerscheinstellen nach entsprechenden Fachleuten zu erkundigen.

Generell ist aber bei der Einnahme von Medikamenten Vorsicht geboten: Viele gebräuchliche Arzneien können die Fähigkeiten am Steuer einschränken, warnt Hoffmann-Born. Patienten sollten die Packungsbeilage aufmerksam lesen und sicherheitshalber einen Arzt oder Apotheker um Rat fragen. Werden mehrere Mittel gleichzeitig eingenommen, sind die Auswirkungen auf die Fahrtauglichkeit allerdings auch für Experten meist nur schlecht absehbar.

Stefan Weißenborn, dpa

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