Autosalon Genf 2014

Zwischen Glamour und Kleinwagen

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Opel Adam Rocks auf dem Genfer Autosalon 2014.

CO2-Grenzwerte, Klimawandel und Verbrauch sind Dauerthemen für Autobauer. Auf dem Genfer Autosalon sind PS-Boliden, aber auch Mini-Elektroautos zu finden. Doch  wie sieht die mobile Zukunft aus?

Die Autobauer auf dem Genfer Autosalon (6. bis 16. März 2014) können sich kaum entscheiden. Zwischen teuren und aufgemotzten Sportwagen stehen verbrauchsarme Kleinwagen, zwischen dicken und glänzenden Limousinen wenige und oft unscheinbare Elektroautos. Selbst BMW stellt einen Van vor, noch dazu mit Frontantrieb und Dreizylindermotor. Lange Zeit galten schon Frontantriebler für die sportliche Nobelmarke als undenkbar, von Vans und Dreizylindermotoren ganz zu schweigen. Drei kleine Revolutionen, die zeigen, dass sich die Zeiten ändern.

VW-Chef Martin Winterkorn sagt am Genfer See, dass die Branche vor einem Wandel steht, den es seit Erfindung des Auto nicht gegeben hat. Zwischen den Zeilen macht der Manager damit klar: wer sich nicht verändert, wird am Ende verlieren. Und dabei geht es nicht nur um die Frage, ob die Autos größer oder kleiner werden. Sie müssen anders werden - und mit ihnen am Ende vielleicht die ganze Branche.

Spätestens seit die Weltwirtschaftskrise ab 2008 die Hersteller in bedrohliche Turbulenzen und manche Konzerne in Existenzkrisen stürzte, ist bei den Unternehmen kaum mehr etwas so wie es einmal war. In etlichen Ländern Europas können sich Menschen keine neuen Autos mehr leisten. In den boomenden Schwellenländern wächst dagegen die Zahl derer, die gerne einen Wagen hätten, am besten einen teuren aus dem Westen.

E-Autos gegen den Smog

Zugleich versinken Megacities wie Peking, São Paolo oder Istanbul in Smog, Dreck und Verkehr. BMW begegnet dem nicht nur mit einem eigens entwickelten E-Auto, sondern auch mit einem Stauassistenten. Er soll die Wartezeit in der Rushhour erträglicher machen, indem das Auto dort mehr oder weniger alleine fährt. Daneben entwickelt sich das Carsharing zumindest in Europa zu einem Trend. Ausgang offen.

Gerade viele junge Menschen messen dem eigenen Auto immer weniger Bedeutung zu. Google oder Applesind an der Börse wertvoller als die Industriegiganten Toyota, Volkswagen, Daimler oder BMW. Die Hersteller müssen sich neu erfinden, ohne dabei die zahlende Kundschaft zu verprellen. Sie müssen genug Geld für teure Innovationen verdienen und zugleich auf kleinere Autos und Motoren setzen, die am Ende weniger Gewinn in die Kasse spülen.

Und dieser Spagat wird schwieriger. Die Wünsche der Kunden veränderten sich schneller, ebenso die Erwartungen an Mobilität, sagt Winterkorn. „Das zwingt uns dazu, darüber nachzudenken, ob die üblichen Modellzyklen von sieben bis acht Jahren nicht deutlich kürzer werden müssen.“

Schneller Trends erkennen

Karl-Thomas Neumann, früher VW-Manager und heute Opel-Chef stimmt seinem früheren Chef zu. „Im Grunde sehe ich das auch so.“ Die Unternehmen müssten schneller neue Trends erkennen und anbieten. Das klingt banal, ist es aber nicht. Die Branche mit ihren Zulieferern und Händlern lebt im Takt der Lebensdauer eines Autos. Entwicklungen und die hohen Kosten für Technikneuerungen sind darauf abgestimmt.

Viele Hersteller stellten sich darauf ein, sagt Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) in Genf. Die Hersteller, die inzwischen in der Regel eine Plattformstrategie fahren, könnten dafür „Abfall“ von anderen Modellen nutzen. Angesichts der geringen Margen, die die kleinen Autos abwerfen, seien die Autobauer aber gezwungen, hohe Stückzahlen zu produzieren. „Kleinwagen und Familienautos sind ein wichtiges Brot- und Buttergeschäft.“ Vor allem in Südeuropa, wo die Arbeitslosigkeit hoch sei, seien Kleinstwagen wichtig.

Stichwort: gemeinsame Plattformen

Für all diese Vorhaben könnten die Hersteller künftig auch ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen. Erste Ansätze gibt es, zum Beispiel Plattformen zu teilen, etwa zwischen Daimler und der Allianz aus Renault und Nissan. Auch Peugeot und der US-Riese GM arbeiten zumindest Projektweise bei der Entwicklung zusammen. Dabei gehe es um bis zu 700.000 Autos pro Jahr, sagt der künftige Peugeot-Chef Carlos Tavares in Genf. Vor 20 Jahren hätten Ingenieure noch gesagt, sie könnten solche Technik nicht mit Konkurrenten teilen. „Das ist heute nur noch ein Witz“. Die Zeiten ändern sich.

Autosalon Genf 2014: Das sind die Highlights

Lamborghini Hurácan
Auch der jüngste Lambo feiert seine offizielle Weltpremiere auf dem Autosalon in Genf: der Lamborghini Hurácan mit 610 PS. © Lamborghini
Scharf mit 231 PS: Der Audi zeigt den S1 und den Audi S1 Sportback.
Scharf mit 231 PS: Der Audi zeigt den S1 und den Audi S1 Sportback. © Audi
Suzuki Celerio
Kleiner aus Japan: Der Suzuki Celerio feiert Europapremiere auf dem Autosalon in Genf. © Suzuki
Audi RS 4 Avant Nogaro selection
Blauer Power: Audi RS 4 Avant Nogaro selection mit 450 PS. © Audi
Dynamisches Coupé: Skoda VisionC.
Dynamisches Coupé: Skoda VisionC. © Skoda
Citroen C4 Cactus
Ganz schön frech: Der neue Citroen C4 Cactus. © Citroen
Renault KWID Concept
Verrückt! Das Renault KWID Concept mit 120 PS ist nur 3,6 Meter lang und hat sogar einen Flugroboter Bord. © Renault
Suzuki Celerio
Klein und sparsam: Suzuki Celerio. © Suzuki
Peugeot 308 SW
Der neue Peugeot 308 SW ist 4,38 Meter lang und 1,47 Meter hoch. © Peugeot
Skoda Octavia Scout: Der Offroad-Kombi mit Allrad.
Skoda Octavia Scout: Der Offroad-Kombi mit Allrad. © Skoda
Ferrari California T: Mit V8-Motor und 560 PS beschleunigt das Nobel-Cabrio in 3,6 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Höchstgeschwindigkeit 316 km/h.
Ferrari California T: Mit V8-Motor und 560 PS beschleunigt das Nobel-Cabrio in 3,6 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Höchstgeschwindigkeit 316 km/h. © Ferrari
Kurven-Liebhaber: Mercedes S-Klasse Coupé
Kurven-Liebhaber: Mercedes S-Klasse Coupé. © Mercedes
Der neue VW Polo
Der neue VW Polo ist 3,9 Meter lang (plus zwei Millimeter) 1,68 Meter breit und 1,45 Meter lang. © VW
Der neue Jeep Cherokee
Der neue Jeep Cherokee: Nach drei Jahren Europa-Pause meldet sich der amerikanische SUV Klassiker mit neuer Technik und Design zurück.   © Jeep
Opel Astra OPC Extreme Sportcoupé mit Renntechnik
Opel wird beim 84. Genfer Automobilsalon (6. - 16.3.2014) den Astra OPC Extreme enthüllen. © Opel
Renault Twingo Modell 2014
Der neue Renault Twingo ist 3,60 Meter lang. Der Motor ist ins Heck gewandert. © Renault
BMW macht auf Familie: BMW 2er Active Tourer.
BMW macht auf Familie: BMW 2er Active Tourer. © BMW

Von Sebastian Raabe, dpa

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