Bußgelder in Deutschland – Zu niedrig angesetzt?

+

Die Bußgelder in Deutschland seien zu gering angesetzt. Immer wieder schafft es dieses Thema in die Medien.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Geldstrafen in Deutschland tatsächlich oft gering. Doch hilft die Erhöhung der Bußgelder wirklich, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren? Hier streiten sich die Experten. Welche Argumente für und gegen hohe Strafen sprechen, haben wir hier zusammengefasst.

Knapp 3.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr im Straßenverkehr. Diese Zahl ist alarmierend und seit Jahren nicht rückläufig. Die meisten Unfälle werden nach wie vor durch erhöhte Geschwindigkeit verursacht. Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 km/h werden in Deutschland lediglich 35 Euro fällig. Zum Vergleich: In Italien zahlen Sie dafür 170 Euro, in der Schweiz und den Niederlanden mindestens 165 Euro. Diese Gegenüberstellung macht deutlich, wie lasch die Strafen für deutsche Verkehrssünder sind. Die deutschen Bußgelder liegen europaweit nur im unteren Drittel.

Höhere Strafen scheinen zumindest in den Niederlanden zu funktionieren. Hier sind die Unfallzahlen deutlich geringer. Viele Experten sind sich sicher, höhere Geldstrafen schrecken mehr Autofahrer ab. Ganz nach dem Motto – was nicht kostet, wirkt nicht – fordern sie Änderungen im Bußgeldkatalog. Die Meinungen darüber gehen jedoch weit auseinander. Andere Fachleute machen darauf aufmerksam, dass eine Erhöhung der Strafen allein nicht zum Ziel führt. Autofahrer müssten in Deutschland das Gefühl haben, bei einer Ordnungswidrigkeit erwischt zu werden. Daher soll die Polizeipräsenz auf den Straßen weiter erhöht werden.

In Deutschland werden allerdings bereits jetzt mehr Verkehrskontrollen durchgeführt als im europäischen Ausland. Eine weitere Steigerung der Präsenz ist ferner nicht einfach zu realisieren. Oft fehlt es an Personal, oder die Schwerpunkte der Beamten werden anders ausgelegt. Zudem verweist die Polizei auf das gut funktionierende System aus Bußgeld, Fahrverbot und Punkten. Fakt ist aber: Eine Kontrolle mit Sofortkasse schreckt Autofahrer deutlich mehr ab als ein Bußgeldbescheid, der erst Wochen später ins Haus flattert. Der Ansatz verstärkter Kontrollen wäre damit sinnvoll.

Im Jahr 2012 wurde in Nordrhein-Westfahlen erstmalig eine neue Maßnahme gegen Raser getestet. Der sogenannte Blitzermarathon wurde ein Jahr später bundesweit eingeführt. Über 24 Stunden wurden in ganz Deutschland verstärkt Blitzer aufgestellt. Dies führte gleichzeitig zu einem vermehrten Polizeiaufgebot. Autofahrer sollen durch diese Maßnahme für eine korrekte Fahrweise sensibilisiert werden. Kritiker zweifeln allerdings an der Wirksamkeit des Blitzermarathons. Durch die große Aufmerksamkeit der Medien sind Autofahrer auf das Blitzeraufgebot vorbereitet. Viele fahren daher nur an einem Tag langsam, geben danach wieder Gas.

Hinzu kommt, dass die deutschen Bußgelder in den letzten zwei Jahren bereits gestiegen sind. Wer im August 2017 mit dem Handy am Steuer erwischt wurde, musste 60 Euro Strafe zahlen. Heute kann die Strafe bis zu 200 Euro betragen, wenn durch die Nutzung des Smartphones eine Sachbeschädigung verursacht wird. Besonders hart sind die Strafen bei Alkohol oder Drogen am Steuer: Beim ersten Verstoß gegen die 0,5 Promillegrenze werden bereits 500 Euro fällig. Außerdem erhalten Sie zwei Punkte in Flensburg sowie ein Monat Fahrverbot und eine MPU. Werden Sie öfter alkoholisiert oder mit sehr hohen Alkoholwerten erwischt, müssen Sie sogar mit einer Freiheitsstrafe rechnen.

Es gibt also durchaus auch in Deutschland harte Strafen für Verkehrssünder. Um für weniger Unfälle zu sorgen, ist das Erhöhen der Strafen also nur bedingt zielführend. Besser ist es in jedem Fall, die Bevölkerung über das Thema Verkehrssicherheit aufzuklären. Wenn sich mehr Autofahrer über die Gefahren im Straßenverkehr bewusst sind, würden auch die Unfallzahlen rückläufig werden. Begleitet durch die vermehrte Präsenz von Polizeibeamten ist dies wohl die beste Lösung für weniger Verkehrsunfälle.

Auch interessant

Meistgelesen

Unwetter: Wer zahlt bei Schäden am Auto?
Unwetter: Wer zahlt bei Schäden am Auto?
Schnell und streifenfrei: So reinigen Sie Ihre Autoscheiben einfach von innen
Schnell und streifenfrei: So reinigen Sie Ihre Autoscheiben einfach von innen
Rote Kennzeichen: Was sie bedeuten und warum Privatpersonen sie kaum bekommen
Rote Kennzeichen: Was sie bedeuten und warum Privatpersonen sie kaum bekommen
Mit diesem einfachen Trick bringen Sie Ihre Felgen wieder auf Hochglanz
Mit diesem einfachen Trick bringen Sie Ihre Felgen wieder auf Hochglanz

Kommentare