Teilzeit-Auto: Carsharing kommt in Fahrt

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Teilzeit-Auto kommt auch bei den Autobauern in Mode

München/Stuttgart - Jahrelang gehörte das Carsharing in die Öko-Ecke. Vor allem in überfüllten Großstädten kommt das geteilte Auto aber mehr und mehr in Mode.

Die Autobauer mischen kräftig mit - und wollen nicht nur vom grünen Image des Gemeinschaftswagens profitieren.

Deutschlands erster Carsharing Atlas 2011

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Das Auto gilt als liebstes Kind der Deutschen. Es ist ein wichtiges Statussymbol. Kaum eine Großstadt ist zu eng für dicke Geländewagen weitab jeder Wildnis, kaum ein Motor ist zu leistungsstark für chronisch verstopfte Autobahnen. Noch. Studien zeigen, dass gerade jungen Menschen der eigene Wagen zunehmend unwichtiger wird - und damit auch die Bereitschaft sinkt, viel Geld dafür auf den Tisch zu legen. Für die Hersteller ist das eine Entwicklung, die noch am Anfang steht, auf die sie aber Antworten finden müssen. Eine davon könnte Carsharing heißen. BMW, Daimler und Volkswagen - sie alle versuchen sich an dem Modell.

Drive Now
Zebra Mobil
Flinkster
Car2Go
Quicar & Quicar Plus
Cambio
Stattauto München
Stadtmobil
Teilauto
Book N Drive

Die Idee, dass sich mehrere Nutzer einen Wagen teilen, ist nicht neu. In Deutschland gibt es solche Angebote Angaben des Bundesverbandes Carsharing zufolge seit Ende der 1980er Jahre. Der Verzicht auf das eigene Auto, ohne dabei individuelle Mobilität ganz aufzugeben, war lange Zeit ein Projekt mit grünem ökologischen oder alternativen Image. Zu wichtig war vielen der eigene Wagen, zu unflexibel und kompliziert das System mancher Anbieter. Doch Carsharing hat gerade in den überfüllten Großstädten durchaus Vorteile - und kann je nach Modell eine Menge Geld sparen.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Carsharing-Nutzer hierzulande massiv gestiegen. Anfang 2011 zählte der Bundesverband Carsharing rund 190.000 Nutzer - 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Rund 5.000 Fahrzeuge von 130 etwa Anbietern waren auf den Straßen unterwegs. Anfang 2005 teilten sich noch 76.000 Menschen etwa 2600 Autos.

Der Boom wird nach Ansicht von Experten in den nächsten Jahren weitergehen. Das erhöht nicht nur die Akzeptanz, sondern machte auch die Hersteller auf das Modell in der Öko-Ecke aufmerksam. Deren Engagement werde dem Carsharing in zwei bis drei Jahren einen massiven Schub geben, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. „In zehn Jahren halte ich fünf Millionen Carsharing-Nutzer in Deutschland nicht für unmöglich.“

Daimler begann bereits 2008 mit „Car2Go“ und dehnte das Konzept mit seinem Kleinstwagen Smart nach Versuchen in Kleinstädten auch auf die Millionenstadt Hamburg aus. Als Partner holten sich die Stuttgarter den Autovermieter Europcar an ihre Seite. Die Ziele sind ambitioniert: „Wenn wir das über die nächste Jahre weiter so hochfahren, könnte es wie ein Fahrzeugprogramm einer A-, B- oder C-Klasse sein“, hatte Finanzvorstand Bodo Uebber jüngst der dpa gesagt. In etwa drei Jahren soll mit dem Modell Geld verdient werden.

2012: Da rollt was auf uns zu

JANUAR - Opel Zafira Tourer: Der sportliche Van ist auf 4,66 Meter gewachsen und punktet mit seiner flexiblen zweiten Rückbank. Der Neue aus Rüsselsheim startet bei 22.950 Euro. © Hersteller
Für viele das Traumauto schlechthin: Im März bringt Porsche den neuen 911 auch als Cariolet zum Händler. In nur 13 Sekunden öffnet sich das Stoffdach, das auch hochgeschwindigkeitstauglich sein soll. Ab 100.532 Euro. © Hersteller
Mini Roadster: Er sorgt für Gokart-Feeling unter freiem Himmel: Im März läutet der zweisitzige Roadster von Mini die Cabriosaison ein. Das schwarze Verdeck ist manuell zu öffnen, dafür fährt der Heckspoiler automatisch aus. Los geht es preislich bei rund 22.000 Euro © Hersteller
 © Hersteller
So ähnlich wird die A-Klasse aussehen - hier eine Studie. © Hersteller
Der macht Spaß! Der kleine Italiener bekam ein komplett neues Design verpasst. Jetzt bietet der Winzling jede Menge Platz und punktet mit witzigen Details und deutlich weniger Durst. Auch der Geldbeutel hat seine Freude: ab 10.000 Euro. © Hersteller
Hyundai i30: VW-Chef Martin Winterkorn war begeistert: „Da scheppert nix“, bescheinigte er dem flotten Koreaner. Das Kompaktmodell ist sparsam und mit Preisen ab etwa 16.000 Euro günstig. © Hersteller
Mazda CX-5: Mit seinem markanten, formschönen Allrader will Mazda dem VW Tiguan den Kampf ansagen. Das Raumwunder kostet ab 23 500 Euro. © Hersteller
PEUGEOT 208: Kürzer und leichter als der aktuelle 207 soll der schlanke Löwe dem VW Polo Konkurrenz machen und die Straßen erobern. Dazu kommen ein frisches Design und sparsame Motorisierungen – so lässt sich echtes Savoir-vivre genießen. Preislich steigt er bei etwa 12.500 Euro ein. © Hersteller
Seat Mii © Hersteller
VW CC © Hersteller
FEBRUAR - Der Mittelklässler, der mit drei Zentimetern zusätzlicher Bodenfreiheit, Allrad und bulliger Optik zum SUV wurde. Soll die Lücke zwischen Variant und Tiguan schließen. Ab 33.450 Euro. © Hersteller
MÄRZ - Mini Roadster: Er sorgt für Gokart-Feeling unter freiem Himmel: Im März läutet der zweisitzige Roadster von Mini die Cabriosaison ein. Das schwarze Verdeck ist manuell zu öffnen, dafür fährt der Heckspoiler automatisch aus. Los geht es preislich bei rund 22.000 Euro © Hersteller
Kia Optima: Knackig und geräumig – Ex-VW-Designer Peter Schreyer verpasste dem Koreaner neues Profil. Gibt es ab 24.490 Euro. © Hersteller
BMW 3er: Mehr Komfort, Platz, neue Sportlichkeit und gesunkener Verbrauch – ziemlich verführerisch, was die Münchner da im kommenden Frühjahr auffahren. Besonders bemerkenswert ist der Fahrerlebnisschalter, der das Ansprechverhalten des Motors, die Schaltvorgänge und die Lenkung je nach Bedarf des Fahrers – komfortabel, sparsam oder sportlich – anpasst. Den eleganten Bayern gibt es ab 35.350 Euro. © Hersteller

„Wir planen innerhalb der nächsten fünf Jahre die Ausweitung von "Car2Go" auf ca. 40 bis 50 europäische sowie eine deutlich zweistellige Anzahl nordamerikanischer Städte“, sagte Geschäftsführer Robert Henrich der dpa. „Eine weitere Ausweitung in den darauffolgenden Jahren, auch in andere Märkte, ist vorgesehen.“ Derzeit sind es rund 50 000 Kunden an sieben Standorten.

BMW setzt bei seinem 2011 gestarteten Testlauf auf die Hilfe von Sixt. Der Autovermieter erhofft sich wie die Münchner Nobelmarke zusätzlichen Umsatz und bietet seine Erfahrung aus der Vermietung. 2013 will Firmenchef Erich Sixt schwarze Zahlen mit dem gemeinsamen Projekt „DriveNow“ schreiben, das bereits in München und Berlin läuft.

Das Prinzip ist einfach: Gegen Gebühr wird der Kunde Mitglied, bekommt eine Karte, die auch Schlüssel für die überall im Stadtgebiet stehenden Fahrzeuge ist. Abgerechnet wird wie beim Handy pro Minute, weitere Gebühren werden nicht fällig, auch der Sprit ist im Preis bereits enthalten. Alle 60 Sekunden kostet ein Wagen hier 29 Cent. Die parallele zum Mobilfunk ist nicht zufällig. Für viele junge Autofahrer sind Handys wichtige Geräte, ihre Preismodelle vertraut. Die Technik macht zudem die Abwicklung leichter. Per App lassen sich Autos finden und buchen.

Charsharing in Deutschland

In welcher Stadt? Domain Betreiber
München, Berlin www.drive-now.com BMW i, Mini und Sixt
München www.zebramobil.de

Zwei Privatunternehmer aus München

Über 140 Städte, in München auch direkt am Straßenrand

www.flinkster.de Deutsche Bahn
Hamburg & Ulm www.car2go.com Mercedes & Europcar
Hannover www.quicar.de VW

14 Städte: u.a. Berlin, Bremen, Hamburg, Köln

www.cambio-carsharing.com

Carsharing-Unternehmen aus Aachen, Bremen & Köln

München www.stattauto-muenchen.de Gemeinnütziger Verein Spectrum

63 Städte: u.a. Hannover, Karlsruhe, Stuttgart

www.stadtmobil.de

Unternehmensverbund Stadtm. Berlin, Hannover, etc.

15 Städte: u.a. in Dresden, Erfurt, Jena, Leipzig, Weimar

www.teilauto.net teilauto e.V.

7 Städte: u.a. Frankfurt, Mainz, Wiesbaden

www.book-n-drive.de Privatunternehmer

Bei den alteingesessenen Anbietern sorgt das Engagement nicht nur für Freude. Dort standen nicht der Lifestyle und die Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten im Vordergrund, sondern der Umweltschutz und der bewusste Verzicht. „Unser Ziel ist, den Besitz eines privaten Autos überflüssig zu machen und die Umwelt zu entlasten“, sagt eine Mitarbeiterin des Bundesverbandes Carsharing. In München etwa wurde der Anbieter Stattauto bereits 1992 gegründet und arbeitet heute als sozialer Betrieb mit einem nahezu flächendeckenden Netz dutzender Abholstationen in der ganzen Stadt. Im Durchschnitt teilen sich 20 bis 25 Teilnehmer ein Fahrzeug.

Für die Autobauer ist das Carsharing auch eine Chance, Elektroautos für die Kunden interessant zu machen und die Fahrzeuge in größerer Zahl auf die Straße zu bringen. Experte Dudenhöffer sagte, potenzielle Käufer könnten die Fahrzeuge so testen und selbst fahren, statt nur technische Daten aufgezählt zu bekommen.

Von Stefanie Koller und Sebastian Raabe, dpa

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