So gefährlich ist der WM-Jubel

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Gefährlicher WM-Jubel im Autokorso.

München - Ein Sieg bei der WM und die Straßen sind voller feiernder Fans. Doch ein Crash-Test der Allianz hat gezeigt: Beim ausgelassenen WM-Jubel im Autokorso drohen sogar tödliche Verletzungen.

Im Forschungszentrum der Allianz Versicherung (AZT) in Ismaning wurde der Aufprall eines Fanautos bei einer Geschwindigkeit von 40 Kilometer pro Stunde auf ein stehendes Fahrzeug simuliert. Der Crashversuch soll die Gefahren bei falschem Verhalten im Autokorso aufzeigen. Im Versuchsfahrzeug saß ein korrekt angeschnallter Dummy auf dem Fahrersitz, ein weiterer Dummy saß im Fensterrahmen hinter dem Fahrer, der dritte stand auf dem Beifahrersitz und hielt eine Fahne durch das geöffnete Schiebedach.

Autokorso: So geht's richtig

Autokorso WM Gefahr Unfall
Fußballfans lieben den Jubel auf den Straßen beim Autokorso. Bei aller Euphorie appelliert der TÜV dennoch, die Verkehrsregeln zu beachten und keine unnötigen Risiken einzugehen. © dpa
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Erfahrungsgemäß nutzt die Polizei ihren Ermessensspielraum, verhängt seltener Busgelder und sperrt sogar Gebiete für den Auto-Corso ab. Bei allzu riskanten Manövern drohen dennoch Strafen. © dpa
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Fahnen und Schals zu schwenken und sie am Auto anzubringen, ist erlaubt – sofern die Fanartikel nicht die Sicht beeinträchtigen. Darauf sollte der Fahrer zur eigenen Sicherheit immer achten, sonst ist ein Verwarnungsgeld von mindestens 10 Euro fällig. © dpa
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Gurtpflicht gilt auch beim Autokorso. © dpa
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Zudem appelliert der TÜV, auf den vorgesehenen Plätzen sitzen zu bleiben, sich also nicht Fahne oder Schal schwenkend aus dem Fenster oder Schiebedach zu lehnen. Das ist gefährlich und kann mit einem Verwarnungsgeld von 30 Euro geahndet werden. © dpa
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Auch abenteuerlichen Kletterpartien sind ein Tabu. Akrobatische Einlagen empfehlen sich wenn überhaupt nur im Stand, nicht bei der Fahrt. Im Autokorso mitfahrende Kinder nicht zu sichern, kostet übrigens 40 Euro und bringt einen Punkt in Flensburg. © dpa
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Selbst Cabrio-Mitfahrer, sollten sich nicht zu riskanten Kletterpartien verleiten lassen. Ein Sturz aus dem Cabrio, dem Autofenster oder Schiebedach kann sogar tödlich sein. Sollte das Cabrio mit zu vielen Personen besetzt sein, sind Bußgelder von bis zu 80 Euro sowie ein Punkte in Flensburg möglich. © dpa
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Alkohol am Steuer ist immer tabu. Deshalb appelliert der TÜV, nur ins Fahrzeug zu steigen. Wenigstens die Fahrer sollten im ausgelassenen 'Feierchaos' kühlen Kopf bewahren. © dpa
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Im Autokorso besteht Auffahrunfallrisiko, man sollte immer mit unvorhersehbaren Manövern der Mitfeiernden rechnen. Es empfiehlt sich, immer ausreichend Sicherheitsabstand einzuhalten. Passiert infolge zu geringen Abstands ein Unfall, kann dies ein Verwarnungsgeld von 35 Euro nach sich ziehen. © dpa
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Eigentlich ist Auf- und Abfahren in einer geschlossenen Ortschaft nicht erlaubt, kann als Ordnungswidrigkeit gewertet und mit einem Verwarnungsgeld von bis zu 20 Euro geahndet werden. Manchmal koordiniert aber die Polizei auch den Autokorso extra. © dpa
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Das beim Autokorso obligatorische Hupen ist streng genommen ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit – genauso wie Lichthupe und Warnblinkanlage. Dementsprechend könnten Verwarnungsgelder verhängt werden (5-10 Euro). Die Polizei handelt jedoch meist erst, wenn die Nachtruhe der Anwohner empfindlich gestört wird. © dpa
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Theoretisch müsste jeder Autokorso als Veranstaltung angemeldet werden. Dann müsste der Veranstalter dafür sorgen, dass alles ordnungsgemäß abläuft. Er würde auch für die Schäden haften, die entstehen, weil sogenannte 'Pflichten gegenüber den Teilnehmern' verletzt wurden. © dpa
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Autokorsos bilden sich aber spontan, also haftet jeder für sich selbst. Die Haftpflichtversicherung springt ein, wenn sich eine Fahne löst und dadurch Schaden an einem anderen Fahrzeug verursacht wird. Falls sich der Verursacher nicht ermitteln lässt, müssen die Geschädigten selbst zahlen. Ist das betroffene Fahrzeug vollkaskoversichert, springt diese ein. © dpa
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Und so geht's natürlich auch. © dpa

Sitzgurt rettet Leben

Der angeschnallte Fahrerdummy hat seine Sitzposition beibehalten, wurde durch Gurt und Airbag geschützt und wäre unverletzt geblieben.

Der zweite Dummy, der sich aus dem Fenster lehnte wurde aus dem Auto geschleudert. Dabei prallte er gegen den Türholm und den Fensterrahmen der Fahrertür und stürzte schließlich aus einem Meter Höhe auf den harten Asphalt. Schwerste Verletzungen im Becken- und im Brustbereich wären die Folge gewesen.

Der Oberkörper des dritten Dummys, der auf dem Beifahrersitz stand, ragte während des Versuchs aus dem Schiebdach. Durch den Aufprall wurde der Dummy nach vorne gedrückt,  was schwere Verletzungen im Brustbereich und den inneren Organen zur Folge gehabt hätte.

Feiern, aber sicher

"Beide Fans hätten bei einem solchen Unfall ungesichert mit großer Wahrscheinlichkeit schwere oder tödliche Verletzungen erlitten", sagt Dr. Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz Zentrum für Technik. Um dies zu vermeiden rät der Sicherheitsexperte, auch in Feierlaune bei offenen Fenstern oder geöffnetem Verdeck nur richtig gesichert und angeschnallt im Auto zu fahren.

ml

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