Gib Schub! - Den richtigen Pedelec-Antrieb finden

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Gute Gewichtsverteilung: Sind Akku und Antrieb wie bei diesem Mittelmotor-Pedelec zentral und tief montiert, kommt das Fahrverhalten dem eines konventionellen Rades am nächsten. Foto: pd-f/www.r-m.de

Wer vom konventionellen Fahrrad auf ein Pedelec umsatteln will, sollte sich vor dem Kauf Gedanken über die Antriebsart machen. Hier gibt es mehrere Varianten - alle haben ihre Vor- und Nachteile.

Berlin (dpa/tmn) - Ob beim Berganfahren oder auf dem täglichen Weg zur Arbeit: Der Extraschub des Elektroantriebs von Pedelecs macht Radlern das Leben leichter. Bei der Antriebsart haben E-Biker die Qual der Wahl. Handling und Traktion des Fahrrads können je nach Motorposition stark variieren.

Grundsätzlich gilt: Pedelec-Motoren leisten in der Regel 250 Watt - zusätzlich zur Muskelkraft des Fahrers. Damit kommt man problemlos jeden Berg hoch, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC): "Radfahrer schaffen im Schnitt 100 Watt." Das entspricht 40 Prozent der maximalen Elektropower.

Pedelec-Käufern stehen drei Antriebsvarianten zur Verfügung: Der Motor kann entweder am Vorderrad, Rahmen oder Hinterrad verbaut sein. Jede Variante bietet Vor- und Nachteile. Vor dem Kauf ist es daher sinnvoll, alle Möglichkeiten zu testen, um das passende Modell zu finden, rät Anja Smetanin vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Wird ein Pedelec direkt über die Nabe angetrieben, ist der Motor entweder im Vorder- oder Hinterrad montiert - ohne Getriebe. Das macht Nabenmotoren sehr leise, sagt Filippek. Dafür können sie bei hoher Belastung überhitzen: "Der Motor schaltet sich dann erstmal ab." Das kann auf längeren Berganstiegen passieren.

Laut Heiko Truppel vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) ist der Antrieb in der Hinterradnabe verbreiteter. Vor allem City- und Touren-Pedelecs bekommen die Power oft von dort. Probleme kann beim Hinterantrieb die Gewichtsverteilung machen. Weil häufig der Akku auf dem Gepäckträger untergebracht ist, drücken dann sieben bis zehn Kilo extra auf den Hinterreifen, der dadurch schneller verschleißen kann.

Wenn bei einem Touren-Fahrrad auch noch Gepäcktaschen am Träger hängen, entstehen hohe Belastungen, und die Fahrdynamik leidet. Die Traktion des Hinterrads ist laut Truppel bei einem Heckmotor allerdings sehr gut.

Beim Frontmotor kann das Gewicht des Antriebs dafür sorgen, dass sich das Fahrrad schlechter steuern lässt. Auf losem oder glattem Untergrund kann das Vorderrad beim Anfahren durchdrehen oder in Kurven wegrutschen. Gerade Neulinge fahren deshalb am Anfang lieber auf niedrigen Unterstützungsstufen, rät Filippek.

Beim Mittelmotor ist das Triebwerk am Tretlager montiert. Das Gewicht ist dadurch besser verteilt als bei den Naben-Antrieben, erläutert Truppel. "Das Pedelec ist wendiger und lässt sich besser steuern." Das macht die Mittelmotoren laut Filippek aktuell sehr beliebt. Das Fahrgefühl sei "wie bei einem normalen Fahrrad".

Allerdings kosten solche Pedelecs mehr als Modelle mit Nabenmotor, weil die Rahmen vom Hersteller speziell auf den Motor abgestimmt werden müssen, erläutert der ADFC-Experte. Außerdem muss ein Getriebe die Kraft vom Motor am Rahmen aufs Laufrad übertragen. Das sorgt für Geräusche. "Gerade in einer ruhigen Umgebung ist das merklich hörbar", berichtet Filippek.

Bei gewöhnlichen Pedelecs schaltet sich der elektrische Zusatzantrieb bei 25 km/h ab. Wer mehr will, greift zum S-Pedelec. "Dafür ist allerdings ein Mofa-Führerschein nötig", erklärt Smetanin. S-Pedelecs zählen nicht mehr als Fahrräder, sondern als Kleinkrafträder. Sie brauchen also auch ein Versicherungskennzeichen, und auf dem Sattel herrscht Helmpflicht.

Das hat seinen Grund: S-Pedelecs bieten bis zu 500 Watt Power und unterstützen den Fahrer bis 45 km/h beim Treten. "Die Unterstützungsstufen sind ähnlich wie bei den normalen Pedelecs, bringen nach oben heraus aber deutlich mehr Wumms", sagt Filippek. Die schnellen Pedelecs bieten die gleichen Antriebsvarianten wie die 250-Watt-Modelle - mit denselben Vor- und Nachteilen.

Durch die elektrische Unterstützung sind alle E-Bikes schneller als normale Fahrräder. Wer zum ersten Mal auf einem Elektrofahrrad sitzt, übt deshalb besser erst einmal das Handling, empfiehlt Smetanin. "Viele Unfälle passieren etwa, weil von einer hohen Geschwindigkeit zu stark heruntergebremst wird." Generell sei die Unfallgefahr bei Pedelecs aber nicht höher als bei gewöhnlichen Fahrrädern.

Auch wer sein Pedelec gut beherrscht, sollte sehr umsichtig unterwegs sein. Denn viele Auto- und Motorradfahrer haben sich laut Smetanin noch nicht an die schnelleren E-Bikes im Straßenverkehr gewöhnt.

Tipps zum Pedelec-Kauf vom VCD

Pedelec fahren will gelernt sein: Bevor sich Neulinge auf einem Fahrrad mit elektrischem Hilfsantrieb ins Verkehrsgetümmel stürzen, sollten sie Übungsfahrten machen. Am besten dort, wo viel Platz ist und wenige Autos unterwegs sind - "auf einem Parkplatz zum Beispiel", schlägt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) vor. "Denn wenn der Motor sich ein- und ausschaltet, fühlt sich das schon sehr anders an als normales Fahrradfahren. Das darf einen im Verkehr nicht verunsichern."

Filippek rät, zur Eingewöhnung die niedrigste Unterstützungsstufe des Elektromotors zu wählen und sich dann langsam weiter vorzutasten. Mit den Bremsen sollten sich Pedelec-Novizen ebenfalls vertraut machen: Die packen oft kräftiger zu als bei konventionellen Fahrrädern. Dazu kommt das höhere Gewicht durch Motor und Akku, was sich beim Fahren und vor allem auch beim Auf- und Absteigen oder beim Ampelstopp bemerkbar machen kann: Auch dafür gilt es, ein sicheres Gefühl zu entwickeln, um Stürze und Unfälle zu vermeiden.

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