Triumph Bonneville SE -Immer mit der Ruhe

+
Auf Genießer-Tour: Die Triumph Bonneville garantiert schöne Stunden ohne Tempobolzen.

Anfang der 50er Jahre fuhr die Triumph auf dem amerikanischen Salzsee so schnell wie noch kein Motorrad zuvor. Im Jahr 1959 kam das Modell T120 mit der Zusatzbezeichnung „Bonneville“ auf den Markt.

Und eben diese Bonnie feiert heuer ihren 50. Geburtstag, als Jubiläumsmodell mit dem Kürzel „SE“ geadelt. Wir holten sie zu einer spätherbstlichen Ausfahrt aus der Garage. Was vor einem halben Jahrhundert zu Rekorden reichte, zaubert heute allenfalls ein müdes Lächeln ins Gesicht PSverwöhnter Biker. 67 PS (49 kW) soll der Zweizylinder mit 865 ccm Hubraum leisten, das maximale Drehmoment ist mit 69 Nm angegeben und als Höchstgeschwindigkeit sind 185 km/h in die Papiere eingetragen. Das klingt alles nach einer gemütlichen Tour.

Nostalgisch-puristisch: Zwei klare Rundinstrumente und vier Kontroll-Leuchten.

Die Optik der Bonneville SE ist nostalgisch, die Technik aktueller Stand. Und so verbirgt sich hinter der Vergaser- Optik eine Einspritzanlage und der klassische Choke ist auch nur bei kaltem Wetter notwendig, denn schon nach kurzer Fahrstrecke brummelt der Twin sonor vor sich hin. Die Instrumente sind klassisch-puristisch: Tacho (mit mechanischer Rückstellung der Tages-kilometer), Drehzahlmesser und vier Kontrollleuchten. Mehr braucht die Triumph nicht. Die Sitzposition ist aufrecht, der Lenker breit und der Blick in den Rückspiegel zeigt genug von der spiegelverkehrten Welt. Es wird schnell klar, dass ohne Drehzahlen nicht viel läuft. Nur wer beherzt am Gasgriff zupackt und die rote Nadel in höhere Dimensionen schickt, kommt zügig voran. Aber es wird ebenso schnell klar, dass die Bonnie kein Renngaul ist.

Man wird ihr nicht gerecht, wenn man sie jagt und versucht, alte Rekorde wieder erreichen zu wollen. Immer schön ruhig sollte man die Engländerin bewegen, die dann so richtig schön brav mitzieht. Die fünf Gänge lassen sich leicht wechseln, das Fahrverhalten ist unproblematisch und die Bremsen verzögern nicht bissig, aber angemessen. Wer sich auf diesem Level zurechtfindet, der ist auf einer Genießertour unterwegs. Es geht so sanft und ruhig dahin, dass Passanten freundlich grüßen und nicht einmal Katzen erschreckt weglaufen, sondern weiter faul vor sich hindösen. Zeit wird relativ, Geschwindigkeit spielt keine Rolle und nur der Genuss zählt. Weniger ist auf diesem Motorrad auf einmal so viel mehr.

Die Realität holt einen dann wieder an der Tankstelle ein, denn die von uns ermittelten 5,3 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer mögen so gar nicht zum entspannten Bild der Triumph passen. Das dürfte weniger sein. Und auch beim Preis von 8890 Euro für die Jubiläums-Bonneville SE – immerhin 750 Euro mehr als das reguläre Modell – verfliegen jegliche nostalgischen Gefühle, auch hier sind die Engländer längst in der Gegenwart angekommen.

Volker Pfau

Meistgelesen

Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“
Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“
Der neue Opel Insignia - Opels ganzer Stolz
Der neue Opel Insignia - Opels ganzer Stolz
Mon dieu! Dieser Citroën 2CV ist komplett aus Holz!
Mon dieu! Dieser Citroën 2CV ist komplett aus Holz!
Radarfalle geteert und gefedert
Radarfalle geteert und gefedert

Kommentare